Fernstudium: Karteikartenwahnsinn und Dünnpfiff

Fernstudium: Karteikartenwahnsinn und Dünnpfiff

Karteikartenwahnsinn in der Klausurvorbereitung bei ©Tulpentopf-Tina
Karteikartenwahnsinn in der Klausurvorbereitung bei ©Tulpentopf-Tina

Der August stand ganz im Zeichen des Karteikartenwahnsinns. Epochen, Gattungen, Literaturtheorien, Erzähltextanalyse und Fachbegriffe sollten in den Kopf. Ob sie das auch wollten, wird sich in wenigen Tagen zeigen, denn dann ist er da, der Tag der Prüfung.

Allein die Masse des Lernstoffs ist beeindruckend.

Ihr erinnert euch sicher an die Literaturepochen, für die der Juli trotz Urlaub beinahe zu kurz gewesen wäre. Oder den Quirl im Kopf als ich die Literaturtheorie des (Post)Strukturalismus zu begreifen versuchte?

Dieses beiden Brocken waren ja nur das Ende der Fahnenstange. Vorher gab es ja noch die Lyrik mit ihren Versmaßen, die ich in der Theorie inzwischen begriffen haben. Vielleicht. Aber ich wage zu bezweifeln, dass ich sie in der freien Wildbahn aka im Gedichtauszug im Rahmen der Prüfung erkennen werde.

Besonders freue ich mich auf die Tropen.

Nein, ich schreibe die Klausur nicht in der Karibik. Die Rede ist hier von sprachlichen Ausdrucksmitteln wie „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ (Polypoton) oder „Wenn alle Stricke reißen, hänge ich mich auf“ (Katachrese) oder „Ich kam, ich sah, ich siegte“ (Trikolon).

Solche Gestaltungselemente sollte ich kennen. Wie gut, dass das Glossar im Studienbrief allein 24 rhetorische Figuren und 14 Tropen beinhaltet. abgefragt werden dann etwa drei. Nach dem Motto „Mut zur Lücke“ habe ich sie im Karteikartenstapel nach ganz hinten verbannt.

Neue Klausur, neuer Karteikartenlimbo

Im letzten Jahr maß dieser Karteikartenstapel 83 Karten. Dieses Mal sind es es 99 Karten bis zum Endgegner. Genug, um kalte Klausurfüße zu bekommen. Oder eben Dünnpfiff. Den setzten meine Kinder genau eine Woche vor der Prüfung auf den Plan. Kaum waren die wieder fit, war ich dran mit dem Dauerticket fürs Klo.

Immerhin kann man auch in der Porzellanabteilung lernen. Und auf dem Sofa oder auf Sammel-Krankenlager unterm Hochbett der Zaubermaus mit Kater auf dem Bauch. Blöd nur, wenn man dabei dauernd einschläft. Und von der Erzähltheorie nach Genette träumt – allerdings nur Kauderwelsch.

Fluch und Segen der Probeklausur

Wenn man sich dann auch noch eine Probeklausur zu Gemüte führt, ist die Panik perfekt. Die wird als Klausurvorbereitung von der Fernuni zur Verfügung gestellt, damit man in etwa weiß, worauf man sich mit der Prüfungsanmeldung eingelassen hat. Wahlweise gibt es die sogar mit Musterlösung.

Diese habe ich mir wohl zu früh angeschaut. Denn abgesehen vom gruseligen Genette-Teil und der Gegenüberstellung von Klassik und Romantik wäre ich ich an dieser Klausur wohl grandios gescheitert. Zum Glück weiß ich von der letzten Klausur, dass die echte dann noch einmal ganz anders wird. Also entweder noch schlimmer oder schaffbar.

Wenn ihr also am Mittwoch, den 06.09.2017 nachmittags noch ein paar Däumchen frei habt, drückt sie doch bitte für mich. Danke!

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