Stolperzeilen: Alles wie immer?

Stolperzeilen: Alles wie immer?

Wenn ich mir anschaue, was gerade in Europa passiert, dann frage ich mich nicht, was denn schief gegangen ist. Sondern eher, wann und warum es ausgerechnet jetzt so sein muss, wie es ist. Denn in meinem Leben hat sich in den letzten Wochen und Monaten kaum etwas verändert. Zumindest im Vergleich auf zu dem, was gerade außerhalb meiner kleinen Welt passiert. Und doch werde ich das Gefühl nicht los, dass die Welt schon immer so im Auf- und Umbruch war.

Vielleicht stimmt das sogar. Vielleicht ist wirklich alles wie immer. Vielleicht war dieses Chaos schon immer da. Waren Menschen auf der Flucht und kamen irgendwohin, wo sie nicht willkommen waren. Aber wann, wann ist es dann schief gegangen? Fay Weldon hat eine ganz eigene Antwort darauf.

„Ich frage mich manchmal, an welchem Punkt alles schief gegangen ist“, sagt Mr.. Ramsbottle.
„Die Außenwelt ist im Großen und Ganzen, wie sie immer war“, sagt der ehemalige Pfarrer, ohne zu zögern. „Wir projizieren unsere eigene Geistesverfassung da hinein, das ist alles.“

aus „Kleine Schwestern“ von Fay Weldon, Seite 218, Wagenbach Verlag

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