Stolperzeilen (18): Baudelaire und die Kirschen in Nachbars Garten

Die Kirschen in Nachbars Garten sind immer süßer als die im eigenen. Selbst wenn dieser Nachbar im Großen und Ganzen weniger hat, gibt es doch immer etwas, worauf man mit Fug und Recht neidisch sein kann. Denn offensichtlich gibt es kaum jemanden, der trotz allerlei Wohlstand nichts zu meckern und zu klagen hätte. Kein Wunder, dass Baudelaire das Leben als Krankenhaus bezeichnet.

„Dieses Leben ist ein Krankenhaus, wo jeder Kranke von dem Verlangen besessen ist, sein Bett zu wechseln. Der eine möchte gegenüber dem Ofen leiden, und der andere glaubt, dass er neben dem Fenster Heilung finden würde.“

Charles Baudelaire, „Any where out of the world“

Vielleicht liegt es an der Vielfalt des Angebots, dass uns immer wieder prüfen lässt: Haben wir genug vom großen Kuchen abbekommen? Gibt es noch eine schönere Wohnung, ein besseres Auto oder vielleicht sogar einen hübscheren Partner? Auch Baudelaire ist vor solchen Gedanken wohl nicht gefeit und grübelt, wo es sich dann wohl am besten leben lässt.

Die Antwort seiner Seele ist bezeichnend: „Ganz gleich wo, wenn es nur außerhalb dieser Welt ist!

Kategorie Stolperzeilen
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.