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Stolperzeilen: Über die erbarmungslose Vergangenheit

Der Holocaust ist inzwischen 70 Jahre her. Das Massenmord an Juden und all jenen, die Hitler nicht in den Plan vom großen Reich passten war also weit vor meiner Zeit. Trotzdem stehe ich für das, was da geschehen ist in der Verantwortung. Weil ich zum Volk der Täter gehöre. Weil die Parolen von PEGIDA und ihren Mitläufern oft genauso klingen, wie die vom Hitler.

„Das war ich nicht!“ hilft, nein gilt da genauso wenig wie ein „Das war doch lange vor meiner Zeit“. Weder für mich, noch für meine Kinder. So wie damals entscheidet auch heute die Geburt in ein Volk hinein, ob man zu den Opfern oder zu den Tätern gehört. Ob man auch heute noch Anfeindungen und Hass erlebt oder in der Verantwortung für Gräueltaten steht, die unfassbar bleiben.

Tulpentopf-Zitate
Tulpentopf-Zitate

Was ich dabei empfinde, hat Uwe Saeger einem der Protagonisten seines Buches „Gott in Ketten “ in den Mund gelegt:

„Hilflosigkeit gegenüber der Geschichte, gegenüber ihrer erbarmungslosen Unumstößlichkeit, die uns eine Pflicht in der Gegenwart stellt, der ich mich als Einzelner zunehmend nicht gewachsen fühle.“

„Gott in Ketten“ von Uwe Saeger, Seite 11, erschienen im Freiraum Verlag

Der Protagonist ist übrigens als Historiker für die Gedenkstätte des Frauen-KZ Ravensbrück und täglich mit der Schuld aus der Geschichte und dem Unwissen oder besser Nicht-begreifen-wollen der Bevölkerung konfrontiert. Und macht sich mit diesem hier zitierten Satz in seinem Umfeld keine Freunde.

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