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Sorry, Mr. Bob Dylan!

Da geht man einmal in einer Bibliothek und schon kommt man mit einem Schatz wieder heraus. Das dachte ich letzte Woche, als wir die Bücher vom Tochterkind wegbrachten und ich mit „Tarantula“ von Bob Dylan wieder nach Hause kam. Aber so richtig kann ich mit diesem Schatz nichts anfangen. Sorry, Mr. Dylan.

©hannibal media classics
©hannibal media classics

Ich mag die Musik, die er gemacht hat. Und ja, man findet viel davon in diesem Buch. Man sieht ihn förmlich vor sich sitzen: lässig dahingefletzt in einem bequemen Sessel wie er Texte wie „Maria on a Floating Barge“ (Maria auf einer schwimmenden Barke) vom Stapel lässt. Es ist ein Redeschwall, bei dem er vielleicht „Über das Durchbrechen der Schallmauer“ (On Busting the Sound Barrier) spricht, dabei aber sicher nicht aus der Ruhe kommt.

Es wimmelt von Kommata, Gedanken- und Schrägstrichen. Manchmal fehlen sie auch ganz. Er schreibt also, wie er redet. Und was soll ich sagen: Ich kann ihm nicht folgen. Es fühlt sich an wie sein „Merkwürdiges Cocktailgespräch mit dem ellenlangen Fremden“ (Having a Weird Drink with the Long Tall Stranger) und manchmal, nein allzu oft ist es für mich „Witzlos wie eine Hexe“ (Pointless Like A Witch).

Ich zähle von den Titel sowohl die englische als auch die deutsche Version hier auf, weil das Buch ebenso zweisprachig ist. Ein Glück, sonst wäre es wohl noch schwieriger gewesen, bei den ellenlangen Fließtexten überhaupt etwas zu verstehen. Ich glaube fast, dass man sie am besten versteht, wenn Dylan selbst sie zu Gehör bringt. Dann haben sie wahrscheinlich sogar Flair.

Dann ist die lange Reihe an Schimpfworten sicher auch passend und die recht herbe Sprache eben typisch Rockstar. Das Umgangssprachliche an den Texten, gepaart mit der lyrischen Freiheit, an den unmöglichsten Stellen Pausen einzufügen, ist wahrscheinlich hohe und anbetungswürdige Kunst. Zu der ich leider keinen Zugang finde.

Vielleicht bin ich zu jung. Vielleicht war ich beim Lesen zu nüchtern. Vielleicht bleib ich besser bei seiner Musik. „Tarantula“ ist jedenfalls nichts, was mich begeistern oder beeindrucken konnte. Sorry Mr. Dylan.

Titel: Tarantula
Autor: Bob Dylan

Übersetzung: Carl Weissner
Verlag: Hannibal Verlagsgruppe KOCH
ISBN: 978-3854451006

Dieses Buch habe ich in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

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