Buch: „Roman ohne U“ von Judith W. Taschler

Und dass man irgendwie immer über ein paar Ecken miteinander verwandt ist. Aber was hat die Biografie eines Gulag-Überlebenden mit der Mutter von vier Kindern und ihrem untreuen Ehemann zu tun?

"Roman ohne U" bei ©Droemer Taschenbuch

„Roman ohne U“ bei ©Droemer Taschenbuch

Zum Inhalt:
Katharina und Julius waren noch viel zu jung, als es ernst wurde. Ernst, weil Katharina schwanger wurde und sich für die Zwillinge in ihrem Bauch entschied. Wäre Julius Vater nicht gewesen, wären wohl beide daran verzweifelt

Aber Arthur gibt dem jungen Paar eine neue Perspektive. Dafür ziehen die angehenden Eltern zu ihm aufs Land in die Bergmühle. Dank seiner Hilfe wird es ein schönes Leben trotz abgebrochenem Studium und ungewohnter Umgebung.

Julius arbeitet zunächst als Restaurator. Katharina kümmert sich um die inzwischen drei Kinder. Als das Geld nicht reicht, will sie wieder arbeiten, wird aber wieder schwanger. Der Haussegen hängt schief und Julius ergreift die Flucht.

Er wird Handelsvertreter und ist quasi nur am Wochenende zu Hause. Dort wird er mehr und mehr zum Gast, während Katharina mir ihrem Schwiegervater den Alltag stemmt. Aus Frust darüber stürzt er sich in Affären.

Doch seine letzte Geliebte ist mehr als eine Affäre. Die Verbindung zwischen ihnen ist enger, als Julius sich vorstellen kann. Denn seine Geliebte hat ihn nicht zufällig ausgewählt und seiner Frau nicht ohne Grund ein ganz besonderes Manuskript in die Hand gedrückt.

Nur sie kennt die Verbindung zwischen Julius, seinem Vater und einem alten, dementen Gulag-Überlebenden. Und wirft damit mehr als ein Leben über den Haufen.

Meine Meinung:
„Roman ohne U“ ist die Geschichte von Thomas. Der hat 20 Jahre sibirisches Arbeitslager überlebt und kam als gebrochener Mann zurück. Für die Leute daheim war er seltsam, aber harmlos. Was er erlebt hat, hat er aufgeschrieben.

Was hat das nun mit einer sechsköpfigen Familie zu tun? Wo ist die Verbindung zwischen einem Gulag-Insassen, der in den 1960er Jahren heimkehrt und einer Familie in 2012, die nicht einmal mit diesem Mann verwandt ist?

Judith W. Taschler lässt sich fast 300 Seiten Zeit, dieses Rätsel zu lösen. Bis dahin springt sie von Person zu Person und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. So kann man schon mal leicht den Überblick verlieren. Ein Familienstammbaum wäre hier schön gewesen.

Gefesselt hat mich vor allem die Erzählung von Thomas. Seine Schilderung des Gulags sind eindringlich, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Katharina und Julius blieben für mich das verkorkste Ehepaar mit moderner Lebenskrise.

Mein Fazit:
„Der Roman ohne U“ hat mich nicht vom Hocker gehauen. Die Autorin verlangt dem Leser durch die Zeitsprünge schon einiges an Konzentration ab. Und zu lange beiseite legen sollte man das Buch auch nicht. Schade eigentlich, denn die Geschichte hat was.

Infos zum Buch:
Titel: Roman ohne U
Autorin: Judith W. Taschler
Verlag: Droemer Taschenbuch
ISBN: 978-3-426-30477-8

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Und dass man irgendwie immer über ein paar Ecken miteinander verwandt ist. Aber was hat die Biografie eines Gulag-Überlebenden mit der Mutter von vier Kindern und ihrem untreuen Ehemann zu tun? Zum Inhalt: Katharina und Julius waren noch viel zu jung, als es ernst wurde. Ernst, weil Katharina schwanger wurde und sich für die Zwillinge in ihrem Bauch entschied. Wäre Julius Vater nicht gewesen, wären wohl beide daran verzweifelt Aber Arthur gibt dem jungen Paar eine neue Perspektive. Dafür ziehen die angehenden Eltern zu ihm aufs Land in die Bergmühle. Dank seiner Hilfe wird es ein schönes Leben trotz abgebrochenem…
Wer Lebensgeschichten mag, wird mit diesem Roman zufrieden sein. Hier spannt sich ein Bogen über 70 Jahre - mit ganz normalem Familienchaos und einer erschütternden 20 Jahre dauernden Gulag-Hölle. Die Zusammenführung dieser Gegensätze gelingt gut. Bis dahin muss man jedoch viele Sprünge durch die Zeit auf sich nehmen. Da blickt am Ende nicht jeder durch.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Gute Geschichte, aber...

Wer Lebensgeschichten mag, wird mit diesem Roman zufrieden sein. Hier spannt sich ein Bogen über 70 Jahre - mit ganz normalem Familienchaos und einer erschütternden 20 Jahre dauernden Gulag-Hölle. Die Zusammenführung dieser Gegensätze gelingt gut. Bis dahin muss man jedoch viele Sprünge durch die Zeit auf sich nehmen. Da blickt am Ende nicht jeder durch.

Kategorie Bücher, Gegenwartsliteratur, Roman
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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