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Buch: „Länger als sonst ist nicht für immer“ von Pia Ziefle

Drei Menschen, die in den 70er und 80er Jahren aufwachsen und unterschiedlicher kaum sein könnten. Doch sie alle haben etwas gemeinsam: Sie alle haben auf die ein oder andere Art ihre Eltern verloren. Bei dem einen sind sie noch anwesend, bei dem anderen spurlos verschwunden.

"Länger als sonst ist nicht für immer" bei den ©Ullstein Buchverlagen
„Länger als sonst ist nicht für immer“ bei den ©Ullstein Buchverlagen

Zum Inhalt:
Lew würde gern auf die Sportschule gehen. Aber die Ansichten seiner Eltern passen nicht in die Norm. Erst als sie von heute auf morgen verschwinden, bekommt der Junge eine Chance. Und obwohl er der beste ist, wird er Jahre später doch nicht bei den Europameisterschaften antreten dürfen.

Fido kommt als Vierjähriger mit seinem Großvater aus Jugoslawien. Eigentlich auf der Suche nach seiner Mutter stranden die beiden in einer kleinen Bäckerei. Das neue Zuhause und die neue Familie sind jedoch zu eng für den Jungen, den es immer wieder fort zieht – nur nicht hin zur Mutter.

Ira liebt Fido schon von Kindesbeinen an. Wegen seiner Fantasie und seinem Mut hängt sich das Mädchen an den Jungen, der sich so gar nicht anpassen will. So wie ihre Eltern, die sich jedoch beide von ihr zurück gezogen haben. Erst die rebellische Mutter, später auch der Vater, der sie damit doch nur schützen wollte.

So unterschiedlich diese drei Kinder sind, so viel haben sie gemeinsam. Sie alle wachsen in den 70er und 80er Jahren auf, verlieren ihre Eltern und finden Wege, damit umzugehen. Manchmal kreuzen sich ihre Wege, aber es dauert lange bis einer beim anderen bleibt.

Meine Meinung:
Ich habe mir dieses Buch als Urlaubslektüre mitgenommen. Wer mit Kindern verreist, weiß, dass das sehr optimistisch war. Aber Pia Ziefle schafft es, mich selbst zwischen zwei Riesenhüpfburgen und Kindergeschrei in ihren Bann zu ziehen.

Wie schon bei Suna wimmelt es gerade am Anfang von Namen. Zum einen, weil es eben so viele Protagonisten gibt, zum anderen, weil die Autorin kapitelweise von einer Hauptfigur zur anderen springt. Doch wer sich davon abschrecken lässt, verpasst etwas.

Schon auf den ersten drei Seiten schafft Pia Ziefle eine Atmosphäre, der man nur zu gern nachspürt. Und genau das macht diese Buch zum Genuss: Man kann eintauchen in den Dschungel Indiens, in den Duft der kleinen Bäckerei oder ins Becken des Schwimmbades, in das Lew gerade gesprungen ist.

Irgendwann taucht dann ein Name auf, wo er eigentlich nicht hingehört. Also im Kapitel einer anderen Hauptfigur. Er leuchtet einem entgegen wie ein Glühwürmchen und nach und nach fügen sich die Geschichten zu einem großen Ganzen zusammen. Einem großen Ganzen, dass sehr gefällt.

Mein Fazit:
„Länger als sonst ist nicht für immer“ lebt von der Atmosphäre, die Pia Ziefle mit ihrem unverkennbaren Stil schafft. Selbst im größten Trubel wird man in die Geschichte eingesaugt, die auch nach der letzten Seite leise nachklingt. Deshalb kommt es auch gar nicht so sehr darauf an, gleich alle Personen auseinander halten zu können. Denn jede von ihnen hat ihre ganz eigene „Tonart“.

Infos zum Buch:
Titel: Länger als sonst ist nicht für immer
Autorin: Pia Ziefle
Verlag: Ullstein Buchverlage
ISBN: 9783548612256

Dieses Buch habe ich mir selbst gekauft.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Absolut lesenswert

Ein Roman, der den Leser einsaugt und die Umgebung stumm schaltet. Dabei sind die Figuren verwirrend vielzählig, vielschichtig und dabei immer authentisch. So hab ich das gern.

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