Buch: „Ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ von Micha Ela

Buch: „Ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ von Micha Ela

Was geht in Menschen vor, die im falschen Körper geboren wurden? Wie lang und steinig ist für sie der Weg ins für sie richtige Leben? Was muss passieren, um sich richtig zu fühlen? Und welche Anfeindungen, Selbstzweifel und Hürden muss ein Mann ertragen, der sich wie eine Frau fühlt? Um diese Fragen beantwortet zu bekommen, sollte man Besten jemanden fragen, der es selbst erlebt hat. Man kann aber auch Micha Elas Buch „ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ lesen. Dabei wird man nämlich auch ganz nebenbei ein paar übliche Klischees los.

"Ich bin ich - mein transsexuelles Leben" beim ©Verlag 3.0
„Ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ beim ©Verlag 3.0

Zum Inhalt:
Micha Ela wird als Junge geboren. Als zweites unerwünschtes Kind seiner Mutter kommt er direkt ins Heim, findet aber auch recht schnell Adoptiveltern, die ihn wie den eigenen Sohn behandeln. Das Familienglück hält nicht lange an und der Versuch, mit der richtigen Mutter zur Familie zu werden scheitert. Fast wie nebenbei findet Micha heraus, dass er schwul ist. Damit kommt kaum jemand in seinem familiären Umfeld klar. Die einen stecken ihn direkt in die Psychiatrie, wo er geheilt werden soll. Die anderen wollen ihn nicht mehr bei sich haben, weil er ihren Sohn mit dem Schwulsein anstecken könnte.

Micha Ela lässt sich davon nicht unterkriegen. Er findet echt Freunde und erlebt mehr oder weniger ernsthafte Partnerschaften. Einer seiner Partner hat einen eigenen Club, in dem Micha Ela bald als Frau hinter der Bar arbeitet – und nichts anderes mehr sein will, als eine Frau. Sogar das heiß geliebte Ballett muss dahinter zurückstehen, denn Micha fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich richtig. Fortan lebt sie als Frau, unterzieht sich in Eigenregie einer Hormontherapie und kehrt bald schon auf die Bühne zurück.

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten wird sie zur gut bezahlten Stripperin. Sie kann sich teure Kostüme leisten und gibt das Geld gern mit vollen Händen aus. Auch in der Liebe läuft es nicht schlecht. Natürlich gibt es mehr als genug Männer, die einfach nur auf Sex aus sind. Aber sie lernt eben auch solche kennen, denen es um den Menschen Micha Ela geht. Das Glück ist fast perfekt, als einer ihrer Fans sich als eben solch ein Mensch entpuppt.

Doch dann bekommt Micha Ela die Diagnose HIV positiv. Sechs bis acht Wochen geben ihr die Ärzte noch. Ihr Freund will nicht mit ansehen, wie sie stirbt und macht Schluss. Micha jedoch gibt sich nicht auf, auch wenn der Fall aus den Wolken eher ein Absturz ist. Von Besserverdienerin und gefragter Tänzerin zur Sozialhilfeempfängerin mit tödlichem Virus im Blut. Trotzdem ist Micha nie allein, hat Freunde, die zu ihr halten und findet immer wieder ihr Glück. Selbst wenn die Psyche und die HIV-Behandlung sie zeitweise sogar in den Rollstuhl bringen, lebt sie weiter ihr Leben und bleibt sie selbst: Eine Frau mit Sti -e-l.

Meine Meinung:
Bei dem Lebensweg von Micha Ela könnte man davon ausgehen, dass „Ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ über lange Strecken dramatisch ist. Aber nur, weil das Leben für Micha Ela dramatische Schicksalsschläge bereithält, ist das Buch nicht automatisch so. Stattdessen klingt Micha selbst von den schlimmen Erlebnissen ziemlich „geerdet“, wie man so schön sagt. Fehlt nur noch, dass da irgendwo steht: „Jeder hat sein Päckchen zu tragen das war eben meins.“

Wobei klar ist, dass Micha Elas Päckchen doch eher ein Paket ist. Heim, Pflegefamilien, Missbrauch durch Kirchenvertreter, Psychiatrie, Hormontherapie, Strip-Clubs, HIV positiv, gescheiterte Beziehungen, Rollstuhl. Dagegen führen die meisten Menschen ein beschauliches Leben. Wahrscheinlich sogar eins, dass Micha Ela zu langweilig wäre. Was ich nicht so verstanden habe, sind die „Outtakes“: An einigen Stellen finden sich Fußnoten, zu denen man im Anhang näher Informationen erhält. Hier kann man zum Beispiel nachlesen, warum Micha Ela zeitweise im Rollstuhl sitzt. Da sie sich von Schreibstil nicht von übrigen Passagen unterscheiden, hätten sie auch gut in den Hauptteil gepasst.

Die Art, wie Micha Ela von ihrem Leben erzählt, liest sich wie ein Blog. Wie einer von den guten, würde ich sagen. Die Sprache ist locker und es wird gerade genug gesagt, um das ganze Ausmaß zwischen den Zeilen herauslesen und erfassen zu können. Micha Elas natürlich Art macht es dazu einfach, sie als Mensch zu sehen. Als ein Mensch, der dir jeden Tag über den Weg laufen könnte und du merkst nicht mal, was er ( in diesem Fall wohl eher sie) schon alles durch hat. Das macht Spaß.

Mein Fazit:
Das Klischee vom tuntigen Transsexuellen wird mit „Ich bin ich – mein transsexuelles Leben“ gründlich widerlegt. Allein schon deswegen halte ich dieses Buch für lesenswert. Schreibstil und die unaufgeregte Art des Erzählens tragen aber auch noch ihren Teil dazu bei, dass Micha Elas Geschichte gut und flüssig lesbar ist. So lernt man in erster Linie einen Menschen kennen und nicht die Transsexuelle mit HIVpositiv und psychischen Problemen, die mal Tänzerin in Strip-Clubs war. So gefällt mir das.

Infos zum Buch:
Titel: Ich bin ich – mein transsexuelles Leben
Mit einem Vorwort von Hans Hengelein
Autorin: Micha Ela
Herausgegeben von Maria Braig
Verlag: Verlag 3.0 Zsolt Majsai
ISBN: 978-3-95667-174-6

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