Buch: „Goldener Reiter“ von Michael Weins

„Goldener Reiter“ war ein NDW-Hit aus den 80ern und beschreibt einen Menschen, der wegen Schizophrenie in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Michael Weins „goldener Reiter“ beschreibt das Leben eines Teenagers, dessen Mutter in der Psychiatrie landet. Aus der Sicht des Jungen, was die Geschichte eindrucksvoll und berührend macht.

"Goldener Reiter" von Michael Weins beim © mairisch Verlag

„Goldener Reiter“ von Michael Weins beim © mairisch Verlag

Zum Inhalt:
Jonas Fink lebt allein mit seiner Mutter in einem Reihenhaus. Ihr Leben verläuft normal, bis die Mutter den Boden unter den Füßen verliert, sich von den Nachbarn beobachtet und von Unbekannten manipuliert fühlt. Jonas muss mehr und mehr auf sie aufpassen, weil sie nachts durch die Wohnung wandert, laut Musik hört, mit sich selbst redet und auch schon mal Familienbilder auf der Straße verteilt, um dann auf ihnen herumzutrampeln.

Irgendwann wird es zu viel für den Teenager. Nach einigen Eskapaden lässt es sich auch nicht mehr verstecken, dass seine Mutter ernsthafte psychische Probleme hat. Sie wird wegen paranoider Schizophrenie in die Psychiatrie „Ochsenzoll“ eingewiesen. Jonas kommt zunächst bei einem Freund unter, kann sich dort aber nicht einordnen.

Mit einer Lüge gelingt es ihm, nach Hause zurückzukehren. Abgesehen von einem recht kurzen Besuch seiner Tante  lebt er dort allein bis die Mutter aus der Psychiatrie entlassen wird. Doch auch dann darf und kann er nicht wieder einfach nur Kind sein. Seine Mutter muss dauerhaft Tabletten nehmen und nimmt weiterhin nur unter Anstrengung am täglichen Leben teil. Immerhin sind zusammen und ein paar lieb gewonnene Rituale helfen beiden durch den Alltag.

Meine Meinung:
Es ist der Albtraum jeder alleinerziehenden Mutter: So krank zu werden, dass man nicht mehr fürs eigene Kind da sein kann. Michael Weins beschreibt diesen Albtraum aus Sicht des Kindes. Und eben auch in dessen Sprache. Das schlägt sich in einfach gehaltenen Sätzen nieder und in Momentaufnahmen, die aus Erwachsenensicht ganz anders beschrieben worden wären.

Michael Weins gelingt dadurch eine Nähe zwischen Jonas und Leser, die mit einem erwachsenen Schreibstil wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen wäre. Trotzdem liest sich der Roman nicht wie ein Schüleraufsatz. Dieser Spagat zwischen ernstem Thema und einfacher Sprache ist also bestens gelungen.

Weins „Goldener Reiter“ ist dabei nicht neu, sondern erschien schon einmal 2002. Damals wich er der Frage aus, wieviele eigene Erfahrungen aus dem eigenen Leben in der Geschichte stecken. Heute steht er dazu und setzt ein Signal an Betroffene und die „Normalos“. Psychische Krankheiten passieren und sollten so normal behandelt werden wie physische.

Mein Fazit:
„Goldener Reiter“ ist ein bemerkenswertes Buch. Die Geschichte wirkt authentisch und berührt den Leser gerade durch den ungewöhnlichen Schreibstil. Wer sich in die Lage von Kindern mit psychisch kranken Eltern auseinandersetzen will, sollte dieses Buch lesen. Die Anpassungsfähigkeit dieser jungen Menschen ist so unglaublich wie tragisch. Michael Weins bleibt dabei jedoch präzise und knapp, statt rührselig zu werden. Fünf Sterne für seine Geschichte, die mir sehr nahe geht.

Infos zum Buch:
Titel: Goldener Reiter
Autor: Michael Weins
Verlag: mairisch Verlag
ISBN: 978-3-938539-28-6

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kategorie Gegenwartsliteratur, Roman
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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