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Buch: „Baba Dunjas letzte Liebe“ von Alina Bronsky

Wieviele Bücher gibt es wohl über Tschernobyl? Sicher mehr, als Menschen in der Todeszone. Baba Dunja ist eine davon. Und sie nimmt uns mit in ihren Alltag, in dem ganz wenig und dann doch ganz viel passiert.

"Baba Dunjas letzte Liebe" bei ©Kiepenheuer&Witsch
„Baba Dunjas letzte Liebe“ bei ©Kiepenheuer&Witsch

Zum Inhalt:
Baba Dunja ist weit über 80 Jahre alt und lebt da, wo es kein Leben mehr geben sollte. Sie ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin und wohnt allein in ihrem Häuschen. So ganz allein aber nun auch wieder nicht, denn es gibt schon noch eine Handvoll Menschen, die sich in Tschernowo niedergelassen haben.

Jung sind sie alle nicht mehr. Der ein oder andere wird den nächsten Frühling nicht mehr erleben. Aber bis dahin genießen sie alle die Ruhe, kommen mit dem Nötigsten aus und gehen sich nicht unnötig gegenseitig auf die Nerven.

Baba Dunja ist so etwas wie die Bürgermeisterin. Dieses Amt gefällt ihr nicht besonders, aber sie war nun mal die erste, die zurück kam und hat deshalb irgendwie bei allem den Hut auf. Dabei wollte sie damals nur nach Hause, weil ihr Mann verstorben und die Kinder weit weg in Deutschland und Amerika sind.

Aber die Ruhe ist spätestens dann vorbei, als ein junger Mann mit einem kleinen Mädchen in Tschernowo auftaucht. Die Dorfgemeinschaft ist sich einig, dass ein gesundes Kind hier nichts zu suchen hat. Das hat fatale Folgen für den Mann und dann steht Baba Dunja plötzlich wie einer Schwerverbrecherin vor Gericht.

Meine Meinung:
Man kann über Tschernobyl tragische Geschichten erzählen. Oder man beschreibt das Leben in der Todeszone mit dem Gleichmut und der Geduld einer alten Frau, die als Krankenschwester schon so manches gesehen hat.

Alina Bronsky wählt diesen Weg und gewinnt damit mein Herz. Auf nur 154 kleinen Seiten packt sie so viel Leben in eine vermeintlich unwirtliche Gegend, dass ich das Buch nur schwer zur Seite legen konnte.

Sie beschreibt den Alltag der Dorfgemeinschaft mit wenigen Sätzen. Ohne Drama, mit Situationskomik und nicht gerade zimperlich was das Leben mit der Strahlung angeht. Allen ist klar, welcher Gefahr sie sich aussetzen. Aber allen scheint es das wert zu sein.

Mein Fazit:
Man muss keine tausend Seiten schreiben, um einen beeindruckenden Roman über das Leben in der Todeszone zustande zu bringen. Alina Bronsky schafft es mit vergleichsweise wenigen Worten und legt einem ihre Protagonisten doch unwiderruflich an Herz. Mehr davon, bitte!

Infos zum Buch:
Titel: Baba Dunjas letzte Liebe
Autorin: Alina Bronsky
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 978-3-462-04802-5

Dieses Buch habe ich geschenkt bekommen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Klein aber fein

Gerade mal 150 Seiten und doch ein Buch, dass so schnell nicht loslässt. Und dessen Protagonisten man eigentlich gar nicht so schnell wieder loslassen möchte. Dieses Büchlein ist also sicher nicht das letzte, das ich von Alina Bronsky lesen werde. Gut gemacht!

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