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Buch: „Zwei Leben“ von Samuel Koch

Jeden Tag verunglückt irgendwo in Deutschland ein Mensch und verletzt sich so schwer, dass er fortan im Rollstuhl durchs Leben fährt. Den wenigsten passiert das wie bei Samuel Koch vor laufender Kamera in einer Samstagabend-Show mit einem Millionenpublikum im deutschsprachigen Raum. Alles was danach kam, war und ist das komplette Gegenteil von dem Leben, dass er vorher führt. Von diesen „Zwei Leben“ berichtet Samuel Koch in seinem Buch.

"Zwei Leben" von Samuel Koch beim ©adeo Verlag
„Zwei Leben“ von Samuel Koch beim ©adeo Verlag

Zum Inhalt:
In seinem ersten Leben gab es für Samuel Koch kaum etwas wichtigeres als Sport: Bewegung in jeder Form, den Körper an Grenzen bringen, Neues ausprobieren. Samuel braucht die Bewegung, das Auspowern, das Training – am besten täglich, sonst bekommt er einen Koller, wird rastlos. Sport hilft ihm, Streß abzubauen und negative Erfahrungen durchzustehen oder einen klaren Kopf zu bekommen.

Kein Wunder, dass seine Wette bei „Wetten, dass..?!?“ im Jahr 2010 etwas sportlich und ungewöhnlich ist: Mit Powerisern, einer Art Sprungstelzen, will er Autos überspringen, die auf ihn zufahren. Beim vierten Auto, dass sein Vater steuert, kracht er mit dem Kopf aufs Autodach und bricht sich dabei das Genick. Infolge dieses Unfalls wird er zum Tetraplegiker, also querschnittsgelähmt ab den Schultern.

Der sportbegeisterte 23jährige muss sich nun mit in ein Leben hineinfinden, bei dem er seinen Körper kaum noch beherrscht und ohne Unterstützung nicht einmal so einfache Dinge wie Zähneputzen schafft. Das ist mehr als die berühmte „Umstellung“ auf neue Lebensinhalte. Denn der Kampf darum, jeden Zentimeter seines Körpers irgendwie wieder zurück zu erobern wird immer wieder von Schmerzen ausgebremst. Hier hilft der Wille dabei, nicht aufzugeben, kann aber nichts ausrichten, wenn der Körper zu verletzt ist, um dem Willen zu gehorchen.

Was Samuel in seinen „Zwei Leben“ gleichermaßen hat, sind seine Familie und ein Freundeskreis, die ihn tragen und ihm Kraft geben. Genau wie sein Glaube an Gott.

Meine Meinung:
Was macht ein sportbegeisterter junger Mann, für den Bewegung quasi der Lebensinhalt war, wenn er von heute auf morgen fast nichts mehr bewegen kann? Wie kommt er damit zurecht? Was genau ist da überhaupt mit seinem Körper passiert? Wie stehen die Chancen, dass er irgendwann wieder (allein) essen, laufen, selbstständig leben kann? Wo will er nun hin?

Das sind die Fragen, die mich an „Zwei Leben“ von Samuel Koch herangeführt haben. Sie werden auch alle irgendwie beantwortet. Nur leider nicht so strukturiert, wie ich es mir gewünscht , wie ich es erwartet hätte. Es wäre einfacher gewesen, erst das Leben bis zum Unfall zu beschreiben, dann den Unfall und dann alles, was danach kam.

Leider geht es schon im ersten Teil des Buches hier und da mal um den Unfall und um das was danach kam. Was zwangsläufig bedeutet, dass es in dem Teil nach dem Unfall auch hin und wieder um das Leben davor geht. Das mag passen, wenn man das Buch an einem Stück liest.

Nicht jeder hat die Zeit dafür. Und so kam es dann auch, dass ich besonders eindrucksvolle Stellen noch einmal lesen wollte und sie einfach nicht fand. Weil zu wenig Struktur im Buch ist. Es lässt sich so auch nicht herausfinden, was Samuel rein körperlich zu welchem Zeitpunkt seines Lebens nach dem Unfall überhaupt selbst kann. Dadurch wird nicht so recht klar, was er sich erhoffen kann, ob es denn wirklich irgendwie bergauf oder -ab geht und womit er sich abfinden muss.

Mein Fazit:
Das Buch „Zwei Leben“ liest sich wie ein langes Gespräch, dass man mit Samuel Koch über seine Werte, Ziele und Fähigkeiten vor und nach dem Unfall führt. Das gilt auch für die Sprache, also die Ausdrucksweise. Dadurch wirkt das Buch authentisch und wie der Erfahrungsbericht, der es im Endeffekt ja auch ist. Abgesehen von der fehlenden Struktur bleibt das Buch lesenswert für neugierige Menschen. Und solche, die in einer ähnlichen Situation wie Samuel Koch sind und viel Mut gebrauchen können. Vier Sterne dafür.

Infos zum Buch:
Titel: Zwei Leben
Mit einem Vorwort von Thomas Gottschalk und einem Nachwort von Michelle Hunziker
Autor: Samuel Koch, Christoph Fasel
Verlag: adeo
ISBN: 9783942208536
Erscheinungsjahr: 2012

Dieses Buch habe ich mir in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

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