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Buch: „Wenn wir wieder leben“

von Charlotte Roth

Lore, Gundi, Julius und Erik haben einen gemeinsamen Traum: mit ihrer Musik so groß rauskommen, dass sie im Grandhotel an Zoppots Strandpromenade auftreten dürfen. Als es endlich soweit ist, sind die Nazis auch in Danzig auf dem Vormarsch. Aus der Band Die Piroggen werden Die Vier aus Zoppot. Aber schaffen sie es, dabei auch sie selbst zu bleiben?

Wenn wir wieder leben bei ©Knaur
Wenn wir wieder leben bei ©Knaur

Zum Inhalt:
Gundi singt, Lore spielt Gitarre, Erik den Bass und Julius sitzt am Klavier. Wenn sie Morgen am Meer bringen, werden Schreihälse friedlich, Frauen rührselig und die Alten denken an vergangene Zeiten. Es ist ihr Lied, das eine, dass die vier Freunde ganz nach oben gebracht hat.

Angefangen haben sie als „Die Piroggen“.

Doch das war den neuen Herren in Danzig zu Polnisch. Deshalb heißen sie jetzt „Die Vier aus Zoppot“ und spielen vor allem deutsche Unterhaltungsmusik. Wie es sich für eine deutsche Kapelle auf deutschem Boden eben gehört. Dafür sind sie Jahr für Jahr auf dem Vergnügungsschiff Wilhelm Gustloff unterwegs und treten vor verdienten Deutschen auf, die dank Kraft durch Freude endlich ihren verdienten Urlaub genießen können.

Der Erfolg ermöglicht den Freunden ein fast sorgenfreies Leben und hat doch einen bitteren Beigeschmack. Denn auch wenn sie es versuchen, können sie die Augen doch vor der Juden- und Polenfeindlichkeit nicht verschließen und müssen sich immer wieder entscheiden, wie weit sie für ihre Musik gehen wollen.

Auch privat ist es nicht immer einfach. Erik und Julius sind in Gundi verliebt, die von allen nur Gundi Sonnenschein genannt wird. Als sie schwanger wird, heiratet sie weil es eben so üblich ist. Die große Liebe kommt erst viel später, beschert den Freunden einen neuen großen Hit – und bringt alles in Gefahr, was sie sich so mühsam aufgebaut haben.

Meine Meinung:
„Wenn wir wieder leben“ lässt das polnische Gdansk aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg wieder auferstehen. Aber auch nur, um es dann langsam und unaufhaltsam durch die Nazis zum deutschen Danzig zu machen und schließlich zu zerstören.

Erzählt wird dies aus der Sicht der vier deutschen Musiker. Die sind in einer Gesellschaft groß geworden, in der Polen und Deutsche friedlich zusammenleben. Ihre Karriere nimmt Schwung aus, als ein Nazi zu ihrem größten Fan wird und ihnen das Tor zur Welt aufstößt. Doch der Preis ist natürlich hoch, denn die Vier aus Zoppot werden zum Aushängeschild von Kraft durch Freude.

Die vier gehen gänzlich unterschiedlich mit dieser Situation um. Erik wird bissig, Lore still, Gundi bleibt bemerkenswert naiv und Julius verkauft sich selbst, damit eGundi ihren Traum leben kann. Mehr als einmal scheint alles in die Brüche zu gehen. Mehr als einmal raufen sich die vier wieder zusammen.

Eine zweite Perspektive erzählt aus Sicht der Folgegeneration. Also aus der der Töchter und Söhne von Tätern oder Opfern des Zweiten Weltkriegs. Hier schweigen Familien ihre eigene Geschichte tot und zerbrechen an den nicht gestellten Fragen oder verweigerten Antworten.

Meine Meinung:
„Wenn wir wieder leben“ beschreibt Zeiten, in denen man die Gegenwart so wenig erträgt, dass man sich lieber an einer besseren Zukunft festhält. In diesem Buch ist das Gdansk/Danzig des zweiten Weltkriegs die Gegenwart und sind die „Spätfolgen“ des Zweiten Weltkriegs die Zukunft. Nichts von beidem ist leicht zu ertragen. Umso leichter macht es uns die Autorin, beim Schmökern komplett in der Geschichte zu versinken.

Infos zum Buch:
Titel: Wenn wir wieder leben
Autorin: Charlotte Roth
Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-52030-7

Dieses Buch habe ich mir in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

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