Buch: „Verdrehte Zeit“ von Wlodzimierz Odojewski

Eine Geschichte von Schuld und Verdrängung

Manche Ereignisse sind zu tiefgreifend und erschütternd, um sie für sich verarbeiten und abschließen zu können. Deshalb begräbt man sie unter dem Einerlei des Alltags. Bis sie eines Tages hervorbrechen und alles wieder auf den Kopf stellen.

"Verdrehte Zeit" bei ©dtv

„Verdrehte Zeit“ bei ©dtv

Zum Inhalt:
Waclaw Konradius war während des Zweiten Weltkrieges aktiv im Warschauer Widerstand. Als Teil einer kleinen konspirativen Gruppe nahm er nur an einem einzigen Einsatz teil, bei dem ein Gestapo-Mann getötet wurde.

Zwanzig Jahre später wartet eine junge Frau auf den Bibliotheksangestellten. Sie sieht dem einzigen weiblichen Mitglied der Gruppe verteufelt ähnlich – und hat einen Brief für ihn. Darin findet Waclaw den Auftrag, den er vor 20 Jahren erfüllen sollte.

Im Strudel der Zeit

Natürlich hält er das alles für einen schlechten Witz. Doch die Erinnerungen an die Zeit im Widerstand, seine Liebe zu dieser Frau und der seltsame Brief werfen Waclaw völlig aus der Bahn.

Oder besser aus der Zeit. Denn plötzlich findet er sich im Haus des Gestapo-Mannes wieder, der blutüberströmt in seinem Bett liegt. Ihm gelingt die Flucht mitsamt den Papieren, die er stehlen sollte.

Doch nur einen Tag später will vor Ort niemand etwas von der Bluttat wissen. Aber in der Wohnung wohnt eine alte Frau, die sich an den Gestapo-Mann erinnert. Und an das, was vor auf den Tag genau 20 Jahren dort ereignet hat.

Was sie berichtet, stürzt Waclaw in einen Strudel aus Gegenwart und Vergangenheit. Bald schon kann er beides nicht mehr voneinander unterscheiden. Bei seinen Nachforschungen findet er erschütternde Informationen.

Meine Meinung:
„Verdrehte Zeit“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der 20 Jahre lang verdrängt hat. Was er verdrängt hat und wie umfangreich er das tat, bleibt dabei bis zum Schluss ziemlich unklar. Klar ist dann immerhin, dass er einen fatalen Fehler begangen hat. Einen, der tödliche Folgen hatte.

So verwirrend das klingt, so verwirrend ist das Buch geschrieben. Natürlich dient das auch als stilistisches Mittel, denn Protagonist Waclaw verliert ja zusehends den Verstand. Aber auch dem Leser dürfte es schwer fallen, Einbildung und Wirklichkeit auseinander halten zu können.

Die Verwirrung resultiert aber auch aus dem Schreibstil. Selten habe ich so wenige Punkte auf einer Buchseite gesehen. Dafür ein Komma nach dem anderen und hin und wieder ein Semikolon. Hier findet man also Schachtelsätze, die ihresgleichen suchen.

Mein Fazit:
Die Geschichte von „Verdrehte Zeit“ ist vielschichtig und vor allem zwischen den Zeilen tiefgründig. Man muss allerdings seine Sinne beieinander haben, um die nötigen Informationen aus den Endlossätzen von Wlodzimierz Odojewski herauszufiltern. Das ist nicht jedermanns Sache.

Infos zum Buch:
Titel: Verdrehte Zeit
Autor: Wlodzimierz Odojewski
Aus dem Polnischen von Barbara Schaefer
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28078-5

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Eine Geschichte von Schuld und Verdrängung Manche Ereignisse sind zu tiefgreifend und erschütternd, um sie für sich verarbeiten und abschließen zu können. Deshalb begräbt man sie unter dem Einerlei des Alltags. Bis sie eines Tages hervorbrechen und alles wieder auf den Kopf stellen. Zum Inhalt: Waclaw Konradius war während des Zweiten Weltkrieges aktiv im Warschauer Widerstand. Als Teil einer kleinen konspirativen Gruppe nahm er nur an einem einzigen Einsatz teil, bei dem ein Gestapo-Mann getötet wurde. Zwanzig Jahre später wartet eine junge Frau auf den Bibliotheksangestellten. Sie sieht dem einzigen weiblichen Mitglied der Gruppe verteufelt ähnlich - und hat einen Brief für ihn.…
"Verdrehte Zeit" ist alles andere als leichte Kost. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich verlangt die Geschichte einiges an Konzentration vom Leser. Denn was der Autor auf 160 Seiten presst, ist mehr als die Summe seiner Schachtelsätze.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Anspruchs -volle Lektüre

"Verdrehte Zeit" ist alles andere als leichte Kost. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich verlangt die Geschichte einiges an Konzentration vom Leser. Denn was der Autor auf 160 Seiten presst, ist mehr als die Summe seiner Schachtelsätze.

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