Buch: „Unser Shakespeare“ von Frank Günther

Buch: „Unser Shakespeare“ von Frank Günther

Eigentlich bin ich ja kein Fan von Fachbüchern, wenn es ums Freizeitvergnügen geht. Aber bei meinem Shakespeare, drücke ich gern ein Auge zu. Kein Wunder also, dass ich dem Buch „Unser Shakespeare“ von Frank Günther nicht widerstehen konnte. Zum Glück! Denn Frank Günther nimmt sich auf äußerst informative und unterhaltsame Art sowohl die Fakten über Shakespeare, als auch die Legenden rund um den Ausnahme-Autor vor. Und da gibt es eine Menge zu erzählen.

"Unser Shakespeare" von Frank Günther
„Unser Shakespeare“ von Frank Günther

Zum Inhalt:
Eines des großen Themen in Frank Günthers Buch „Unser Shakespeare“ ist schon im Titel versteckt: Wie wurde Englands großer Dichter, Stückeschreiber und Schauspieler William Shakespeare unser, also der liebste deutsche Dichter, Stückeschreiber und Schauspieler. Ja, richtig gelesen: Es gab eine Zeit, da behaupteten wir Deutschen, dass Shakespeare deutscher wäre, als er je Engländer sein könne. Auch wenn er dummer Weise auf der britischen Insel geboren und gestorben ist.

Den Anspruch auf Shakespeare als unseren, als deutschen Dichterfürst machte jedoch nicht das einfach Volk zuerst geltend, sondern die gebildete und angesehene Elite. Gottsched mochte ihn nicht, aber Lessing, Herder, Goethe und Hegel machen aus Shakespeare eine übermenschliche Gestalt. Frank Günther berichtet im gleichen Atemzug jedoch auch, von den Schwierigkeiten, den ach so deutschen Shakespeare so zu übersetzen, dass er ins Deutsche passte. Es dauerte wohl eine Weile, bis man sich wirklich ans Original hielt.

Natürlich beleuchtet der Autor auch die Zeit, in der Shakespeare lebte: Wie sah England, wie sah London zu seiner Zeit aus? Welche Rolle spielte das Theater, wer spielte in der wahren Welt Theater und wie konnte man beides unterscheiden? Er wirft auch einen Blick auf das direkte Umfeld von William Shakespeare: Wie und wo wuchs er auf, welche Schule besuchte er und welcher Stellung hatte seine Familie und später auch er in der elisabethanischen Gesellschaft, in seinem Heimatort Stratford und in London.

Amüsant sind dabei auch die Legenden rund um Shakespeare: Er soll ein Bauerntölpel gewesen sein. Und schwul natürlich. Und wenn man es genau nimmt, hat es nie einen William Shakespeare gegeben. Denn es gibt nicht nur Legenden darum, wie Shakespeare war, sondern was er gemacht hat, was er konnte und ob der Name nicht eigentlich für jemand ganz anderen steht. Frank Günther nimmt sich also auch die Vielzahl der Verschwörungstheorien zur Brust.

Er wirft aber auch einen Blick auf das Verhältnis zwischen Shakespeare und unserer Gegenwart. Zum einen, weil selbst die Briten mit den Originaltexten ihres großen Dramatikers kaum noch etwas anfangen können – wegen der sprachlichen Weiterentwicklung. Zum anderen, weil jedes Theater auf dieser Welt ein Problem mit einem schwarzen Othello bekommt – wegen der politischen Korrektheit.

Meine Meinung:
Natürlich gibt es kaum etwas, das noch nicht irgendwo von irgendwem über William Shakespeare gesagt oder geschrieben wurde. Dessen ist sich auch Frank Günther bewusst und er stellt das auch gleich ganz zu Beginn seines Buches klar. Manchmal jedoch kommt es nicht einmal darauf an, etwas Neues zu sagen, sondern das „Alte“ so aufzubereiten, dass es der Hauptperson und dem Publikum gerecht wird. Und das ist ihm meiner Meinung nach gelungen.

Der Autor versteht es, Fakten auf unterhaltsame Weise an den Leser zu bringen. Er streut Zitate ein, ohne es damit zu übertreiben. Er nimmt wohlbekannte Legenden und Mythen aufs Korn und manchmal auch ein bisschen auf die Schippe. Er spricht Themen an, die aktueller nicht sein könnten und doch im engen Zusammenhang zu Shakespeare stehen (obwohl dieser vor 450 Jahren geboren wurde). Und er fesselt Historienfans wie mich mit lebendigen Einblicken ins elisabethanische England, in Shakespeares England und auch ins Deutschland der großen Dichter und Denker. Was will man mehr?

Mein Fazit:
Ja, manchmal kann einem schon ein bisschen der Kopf schwirren von der Vielzahl der großen Namen und Fakten. Allerdings erwischte ich mich des öfteren beim verschmitzten Grinsen, wenn Günther auf amüsante Weise Gerüchte und Legenden widerlegte oder einfach nur unterhaltsam erklärte, wieso dies oder jenes genau so entstand und was wir heute daraus machen. Man muss also kein Shakespeare-Fan sein, um sich von diesem Buch namens „Unser Shakespeare“ mitreißen zu lassen.

Zum Autor (Klappentext):
Frank Günther, Jahrgang 1947, studierte Anglistik, Germanistik und Theatergeschichte und arbeitete selbst als Regisseur am Theater. Seit über vierzig Jahren übersetzt er Shakespeares Werke. Inzwischen liegen 34 der insgesamt 37 dramatischen Stücke vor. Gelingt die Vollendung, dann wird er der Erste sein, der als Einzelner das Gesamtwerk ins Deutsche übersetzt hat. Für seine herausragenden Übertragungen wurde er u.a. mit dem Christoph-Martin-Wieland-Preis, dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis und dem Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet.

Infos zum Buch:
Titel: Unser Shakespeare
Autor: Frank Günther
Verlag: dtv premium
ISBN: 978-3-423-26001-5

 

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