Buch: „Thallium“ von Javier Sebastián

Thallium wird als Rattengift und Insektizid genutzt, ist geschmack- und geruchlos und lässt sich bei Vergiftungen schwer nachweisen. Das ideale Mittel also, wenn man Menschen unauffällig loswerden will. Aber was haben Trüffel mit diesem Gift zu tun? Fatima Moreo geht diesem Rätsel ihrer Familiengeschichte auf den Grund – und bereut es.

"Thallium" beim ©Verlag Klaus Wagenbach

„Thallium“ beim ©Verlag Klaus Wagenbach

Zum Inhalt:
Carmen Moreo ist Spezialistin, wenn es um Trüffeln geht. Sie hat sich mit den edlen Pilzen ein florierendes Geschäft aufgebaut, während ihr Mann im Auftrag der spanischen Regierung von einer Mission zur nächsten davoneilt. Doch plötzlich ist Gerardo Moreo tot und seine Tochter stößt bei der Recherche zur Todesursache auf mehr als ein dunkles Familiengeheimnis.

Offensichtlich waren ihre Eltern in Seilschaften aus der Zeit der Kolonialherrschaft über Afrika verwickelt. Während ihr Vater die Interessen der spanischen Regierung in Guinea auf halb offiziellem Weg vertrat, war Fatimas Mutter in tödliche Intrigen verstrickt. Nach außen hin unschuldig mimte sie die Kolonistengattin und verschenkte Trüffeln an die Geschäftspartner ihres Mannes.

Doch der Mann an Carmens Seite war nicht ihrer und die Trüffeln vergiftet. Wie ihre Tochter feststellen muss, hatte Carmen einen Geliebten, der die wertvollen Pilze mit Thallium präparierte und so vielen einflussreichen Menschen in Guinea den Tod brachte. Fatimas Vater erfuhr erst kurz vor seinem Tod von den Machenschaften und der Affäre seiner Frau. Musste er deshalb sterben?

Meine Meinung:
Wieviel muss man als Tochter über das Leben seiner Eltern wissen? Trägt man Mitschuld, wenn sie Fehler gemacht haben? Verändert das Wissen über diese Fehler die Beziehung zwischen Eltern und Kind? Fatima Moreo erfährt schreckliche Dinge über ihre Eltern und muss sich genau diesen Fragen stellen.

Dabei geht es um nicht weniger als Mord. Mord mit Thallium, das in den Trüffeln ihrer Mutter steckte. Und die ihre ihre Mutter gemeinsam mit ihrem Geliebten an wichtige Männer in Guinea verschenkte. Zu einer Zeit, als jeder dieser Männer das Schicksal des Landes mitten in der Entkolonialisierung in eine bestimmte Richtung lenkte. Oder hätte lenken können.

Javier Sebastián ist dabei eine Sache für sich. Sein Schreibstil ist verwirrend und verlangt vom Leser, dass er geduldig ist und das Buch nicht allzu lange beiseite legt. Die Geduld ist wegen vieler Zeitsprünge nötig. Das Durchhaltevermögen, weil der Autor den Leser nur nach und nach an den Kern der Geschichte vordringen lässt und bis dahin mit Details im Hier und Jetzt aufwartet.

Diese Details sind „nur“ für die Atmosphäre gut. Für die Handlung an sich aber kaum von Bedeutung. Das muss man nicht mögen. Aber es lohnt sich, sich darauf einzulassen. Denn die Frage, ob und wie weitreichend die Vergangenheit der Eltern  Einfluss auf die Kinder hat muss sich wohl jeder irgendwann stellen. Auch wenn es bei den meisten Eltern nicht um Mord und Ehebruch gehen wird.

Mein Fazit:
Nach „Der Radfahrer von Tschernobyl“ ist „Thallium“ mein zweites Buch von Javier Sebastián. Beide sind  nicht einfach zu lesen. Beide sind verwirrend und tiefgründig geschrieben. Alles in allem hat „Thallium“ mein Interesse zwar bis zum Schluss aufrecht halten können. An die Geschichte über Tschernobyl kommt es aber nicht heran. Vielleicht, weil die Landesgeschichte von Guinea mich nicht so sehr betrifft wie die Atomkatastrophe. Vielleicht ist das Buch aber auch einfach nicht so gut.

Infos zum Buch:
Titel: Thallium
Autor: Javier Sebastián
Aus dem Spanischen von Ursula Bachhausen und Anja Lutter
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach
ISBN: 978-3-8031-3272-7

Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Thallium wird als Rattengift und Insektizid genutzt, ist geschmack- und geruchlos und lässt sich bei Vergiftungen schwer nachweisen. Das ideale Mittel also, wenn man Menschen unauffällig loswerden will. Aber was haben Trüffel mit diesem Gift zu tun? Fatima Moreo geht diesem Rätsel ihrer Familiengeschichte auf den Grund - und bereut es. Zum Inhalt: Carmen Moreo ist Spezialistin, wenn es um Trüffeln geht. Sie hat sich mit den edlen Pilzen ein florierendes Geschäft aufgebaut, während ihr Mann im Auftrag der spanischen Regierung von einer Mission zur nächsten davoneilt. Doch plötzlich ist Gerardo Moreo tot und seine Tochter stößt bei der Recherche zur Todesursache auf…
Thallium ist ein Buch über den Einfluss europäischer Mächte auf die Entwicklung Afrikas nach der Entkolonialisierung. Es ist aber auch ein Buch über die Frage, wie viel ein Kind von der Vergangenheit seiner Eltern wissen muss. Dabei geht es um nicht weniger als Ehebruch und Mord. Trotz dieser spannenden Hintergründe ist das Buch einfach zu kompliziert geschrieben, um mich vollends zu begeistern.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Schwierig

Thallium ist ein Buch über den Einfluss europäischer Mächte auf die Entwicklung Afrikas nach der Entkolonialisierung. Es ist aber auch ein Buch über die Frage, wie viel ein Kind von der Vergangenheit seiner Eltern wissen muss. Dabei geht es um nicht weniger als Ehebruch und Mord. Trotz dieser spannenden Hintergründe ist das Buch einfach zu kompliziert geschrieben, um mich vollends zu begeistern.

Kategorie Bücher, Roman, Spezielles
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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