Buch: „Spiel der Königin“ von Elisabeth Fremantle

Buch: „Spiel der Königin“ von Elisabeth Fremantle

Es ist Jahre her, dass ich einen klassischen historischen Roman gelesen habe. All die Bücher über wandernde Huren, Schmiede, Ritter, Alchemisten hatten wir den Spaß daran verdorben. Aber wenn an einem Roman dann allerdings Tudor dransteht, bin ich dann aber doch zumindest interessiert. So kam ich an dieser Geschichte über die letzte Ehefrau Henry VIII. dann doch nicht vorbei.

"Spiel der Koenigin" von Elizabeth Fremantle bei ©btb
„Spiel der Königin“ von Elizabeth Fremantle bei ©btb

Zum Inhalt:
Als Catherine Parr die Frau von Henry VIII. wird, hat der schon fünf Ehen hinter sich. Zwei dieser Ehen wurden annuliert, zwei Ehefrauen wurden hingerichtet und eine starb im Kindbett. Er selbst ist mit seinen 52 Jahren ein übergewichtiger, chronisch kranker Mann mit der Seele eines trotzköpfigen Kindes. Mit ihm verheiratet zu sein, gleicht dem Tanz auf einem Vulkan.

Aber Catherine Parr hat keine Wahl: Wenn der König um die Hand anhält, wird geheiratet. Und sie fügt sich in ihr Schicksal, erträgt die königlichen Launen, pflegt sein offenes Bein, kommt ihren ehelichen Pflichten im Bett nach. Letzteres ist nicht so einfach, denn der fette König ist nicht mehr der jüngste und hat Potenzprobleme. Doch es soll noch ein Kind geben. Einen Sohn, versteht sich.

Wenn man einmal von den körperlichen Verpflichtungen und den kindischen Phasen des Königs absieht, hat die Ehe am Anfang auch Gutes zu bieten. Schließlich hat Henry sich von Rom losgesagt und seine eigene Kirche gegründet. Auch wenn diese nicht so sehr den reformatorischen Zielen Martin Luthers entspricht, ist sie für das einfach Volk doch besser als der katholische Glauben. Das fängt schon damit an, dass die Reformer lateinische Schriften ins Englische übersetzt sehen wollen.

Katholiken und Reformer spalten England in zwei Lager. Doch Henry ist unschlüssig und unstet in seiner Haltung zu den beiden religiösen Lagern. An einem Tag befürwortet er die neue Religion, am nächsten läuft man Gefahr, für den neuen Glauben als Ketzer verbrannt zu werden. Davor ist auch die Königin an seiner Seite nicht sicher. Schließlich wäre Catherine nicht die erste seiner Frauen, die er hinrichten lässt.

Und wirklich steht Catherine mehr als einmal kurz davor, verhaftet zu werden. Da die Ehe mit Henry kinderlos bleibt und sie sich dem neuen Glauben verschrieben hat, lebt sie ständig in der Gefahr, verstoßen zu werden. Feinde bei Hofe hat sie genug. Und schon oft hat ein Gerücht gereicht, um eine Königin zu stürzen. Aber Catherine beherrscht die Sitten bei Hofe und überlebt Henry schließlich.

Meine Meinung:
Dass Henry VIII. hier nicht als strahlender Held voll Manneskraft und Schönheit dargestellt wird, macht „Spiel der Königin“ schon lesenswert. Ein Mann von über 50 Jahren, der gern isst und sich wenig bewegt, kann kaum ein Adonis sein. Und wie sexy ist ein gestandener Mann mit den Launen eines Kleinkindes und einem stinkenden, offenen Bein? Wieviel Freude hat eine junge Frau Anfang 30 dann wohl mit eben diesem Mann im Bett? Und mit der gefährlichen Mischung aus Launen und Macht?

Der einzige Vorteil solch einer Ehe sind wohl teure Geschenke und ein bequemes Leben ohne Hausarbeit. Aber das kann wohl kaum aufwiegen, dass man nicht mit seinem Liebsten zusammen sein darf oder selbst bestimmen kann, wann man sich wo aufhält. Eine Wahl hat Catherine Parr jedenfalls nicht. Und dafür trägt sie ihr Schicksal, die Verantwortung für viele andere Menschen und das Leben mit vielen falschen Freunden mit bemerkenswerter Fassung.

Elisabeth Fremantle zeichnet eine sympathische Frau und ein lebendiges England um 1540. Hin und wieder drückt sie sich ein wenig zu dramatisch aus und ihr Schreibstil ist an sich auch nichts weltbewegend Besonderes. Alles in allem stört das jedoch nicht den Lesefluss, zumal die Handlung zwar aus verschiedenen Perspektiven aber sauber chronologisch erzählt wird.

Mein Fazit:
„Spiel der Königin“ erzählt glaubwürdig von der Ehe Catherine Parrs mit dem berühmten König Henry VIII. von England. Wer sich für die Geschichte der Tudors interessiert hat hier einen historischen Roman vor sich, der wahre Begebenheiten unterhaltsam vermittelt. Wie viel davon den Tatsachen entspricht lässt sich natürlich gut diskutieren. Aber es ist ja ein Roman und kein Sachbuch. Für Liebhaber historischer Schmöker bietet dieses Buch solides Lesefutter.

Infos zum Buch:
Titel: Spiel der Königin – Ein Tudor-Roman
Autorin: Elisabeth Fremantle
Aus dem Englischen von Sabine Herting
Verlag: btb
ISBN: 978-3-570-10177-3

Es ist Jahre her, dass ich einen klassischen historischen Roman gelesen habe. All die Bücher über wandernde Huren, Schmiede, Ritter, Alchemisten hatten wir den Spaß daran verdorben. Aber wenn an einem Roman dann allerdings Tudor dransteht, bin ich dann aber doch zumindest interessiert. So kam ich an dieser Geschichte über die letzte Ehefrau Henry VIII. dann doch nicht vorbei. Zum Inhalt: Als Catherine Parr die Frau von Henry VIII. wird, hat der schon fünf Ehen hinter sich. Zwei dieser Ehen wurden annuliert, zwei Ehefrauen wurden hingerichtet und eine starb im Kindbett. Er selbst ist mit seinen 52 Jahren ein übergewichtiger, chronisch kranker…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Unter- haltsam

"Spiel der Königin" besteht darin, die Launen des Königs zu überleben und vielleicht zu seinen Gunsten zu nutzen. Dass das bei fünf Vorgängerinnen nicht einfach ist, steht schon mal fest. Wie Catherine Parr das in ihrer Ehe mit Henry VIII. gemeistert hat, beschreibt dieser Roman auf solide unterhaltsame Weise.

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