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Buch: „Seelenfraktur“ von Shirin Vorsmann

Ana Schapman und Amanda Curan leben jeweils am anderen Ende der Welt. Beide sind erfolgreiche Autorinnen. Beide sind psychisch krank, beide werden von ihren Psychiatern sexuell missbraucht und beide sind miteinander auf so bizarre Weise miteinander verbunden, dass die Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit fast vollständig verschwindet.

"Seelenfraktur" bei ©Schwarzkopf & Schwarzkopf
„Seelenfraktur“ bei ©Schwarzkopf & Schwarzkopf

Zum Inhalt:
Ana Schapmann ist hochintelligent und psychisch labil. Wann immer sie so etwas wie Glück und Zufriedenheit verspüren könnte, wird sie von ihrem zweiten Ich namens Amanda mit bizarren Einflüsterungen traktiert. Abgesehen davon wird sie regelmäßig mit Psychopharmaka zugedröhnt, damit ihr Psychiater sie in aller Ruhe sexuell missbrauchen kann.

Auf der anderen Seite des Globus lebt Amanda Curan in purem Luxus. Nur kann sie ihn nicht genießen, denn zwischen Drogen- und Alkoholexzessen warten Albträume auf sie, in denen sie Ana sieht. Ihr Mann Phil versucht die Eskapaden auszuhalten, geht daran aber selbst zugrunde. Und wo professionelle Hilfe sein sollte, herrscht doch wieder nur Gier und Sex.

Und dann ist da noch ein kindliches, unfertiges Wesen, das keinen Platz im Hier und Jetzt findet. Etwas, dass sich anfühlt, riecht und schmeckt wie kalte graue Asche. Etwas, das einfach nicht loslassen will.

Meine Meinung:
„Seelenfraktur“ fiel mir zum ersten Mal bei der Leipziger Buchmesse 2017 auf. Damals gab es noch nicht viel mehr als die vielversprechende Ankündigung und den Klappentext, aber beides reichte, um es haben zu wollen. Es dauerte fast genau ein Jahr, bevor es dann wirklich erschien. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Shirin Vorsmanns Spiel mit dem Leser ist perfide. Selbst wenn man kommen sieht, was Ana, Amanda oder Phil gleich passiert, überrollt es einen doch. Immer wen mman glaubt, man können endlich eins und eins zusammenzählen, zerreißt es wieder in seine Einzelteile.

Dabei setzt Vorsmann ihr Puzzle im Laufe der Geschichte immer weiter zusammen. Und mit jeder Seite wird klarer – und erschreckender – wie es sich anfühlen muss, wenn der eigene Verstand gegen die eigene Seele spielt. Und das äußerst erfolgreich mit raffinierten Winkelzügen und unterstützt durch einen sorgsam ausgewählten Medikamentencocktail, der höchstens dem Vorteil des Psychiaters dient.

Mein Fazit:
Man kann Shirin Vorsmanns „Seelenfraktur“ lesen wie einen Thriller: Eine überaus ungesunde Liebesbeziehung, verdrängte Traumata in der Kindheit und die Frage, wer da gleich sterben wird. Doch dieses Buch ist weit mehr als das und das macht es so erschreckend. Keine leichte Kost, aber absolut lesenswert – wenn man sich denn mit Psychosen auseinandersetzen will.

Infos zum Buch:
Titel: Seelenfraktur
Autorin: Shirin Vorsmann
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
ISBN: 978-3-86265-631-8

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. 

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Raffiniert und verstörend

Ist Amanda nur eine Stimme in Anas Kopf? Oder ist Ana das verdrängte, weil misshandelte, Kind in Amandas Seele? Welche der Frauen ist hier eigentlich gestört? Oder ist das alles nur ein und dieselbe Person mit einer angsteinflößenden psychischen Störung? Wo fängt der Wahnsinn an, wo hört die Wirklichkeit auf - und wer stirbt am Ende?

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