BücherGegenwartsliteraturRoman

Buch: „Seelenband“ von Stephanie Urbat-Jarren

Seelenband ist „Die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand“. Stephanie Urbat-Jarren erzählt darin, wie sich eine Affäre mit einem verheirateten Mann aus der Sicht der Geliebten entwickelt. Ein Thema, dass betrogene Ehefrauen und Lebensgefährtinnen genauso auf die Palme bringt, wie es die „Anderen“ in die Ecke drängt. Die Ecke des männerklauenden Miststücks. Doch man muss keine Geliebte sein, um sich in der Geschichte wieder zu finden.

Seelenband
Seelenband bei ©Verlag 3.0

Zum Inhalt:
Die Protagonistin in „Seelenband“ ist eine taffe Frau. Nach der Scheidung von ihrem Mann erkämpft sie sich das gemeinsame Haus und bringt Job, Kinder und eigene Interessen unter einen Hut. Dazu gehört auch, Kinderbücher zu schreiben. Und was wäre ein Kinderbuch ohne schöne Illustrationen.  Und genau über diese Illustrationen lernt sie den Mann kennen, der für die nächsten 14 Monate ihr Leben bestimmen wird, ohne dass sie in seinem wirklich die erste Geige spielt.

Denn er ist vergeben. Seine Freundin, mit der er mehrere hundert Kilometer entfernt wohnt, ist wohl nicht mehr so begehrenswert wie einst. Doch da sie psychische Probleme hat, kann er sich nicht einfach so von ihr trennen. Also ist es wie bei den meisten Dreiecksbeziehungen: Da sind zwei, die sind zusammen und doch wieder nicht, weil es eine Dritte gibt.

Doch die zwei fühlen sich einander näher als jedem anderen Menschen sonst. Sie können freier atmen, wenn sie zusammen sind, ergänzen sich, beflügeln sich, verlieben sich unsterblich und unrettbar. Sie verliebt sich in ihn, weil er genauso viel Fantasie hat und ihre Figuren aus den Worten in genau die Bilder umwandeln kann, die sie vor ihrem inneren Auge hat. Er verliebt sich in sie, weil sie seine Welt bunt macht.

Und sich ganz nebenbei liebevoll um seine Neurosen kümmert, Rücksicht nimmt, sexuelle Fantasien ungehemmt Wirklichkeit werden lässt. Und ganz offensichtlich zu verliebt ist, um Ansprüche zu stellen. Natürlich geht das nicht ewig gut. Und endet schmerzhaft. Mehr als ein Mal. Denn das „Seelenband“ ist stärker als der Verstand, egal wie stark und klug eine Frau ist.

Meine Meinung:
Stephanie Urbat-Jarren schreibt aus der Sicht der Geliebten, wie diese in eine Beziehung rutscht, die es eigentlich nicht geben darf. Weil nur einer von den beiden Verliebten frei für diese Beziehung ist. Sie beschreibt, wie aus einer starken unabhängigen Frau ein anhängliches Etwas wird, das sein Glück von einer verbotenen Liebe abhängig macht.

Dabei wird es immer dann poetisch, wenn sie die Gefühlswelt der Geliebten beschreibt. Denn in „Seelenband“ kommen die verschiedenen Gefühle wie Liebe, Trauer, Stolz, Angst und Sehnsucht genauso zu Wort, wie der Verstand, die Zweifel und die Erotik. Wortwörtlich sogar, denn die Autorin schiebt Texte ein, in denen eben diese Gefühle miteinander über die jeweilige Situation reden.

Eine solche Form des Einblicks in die Gefühlswelt einer Geliebten ist ungewöhnlich aber doch recht hilfreich. Es beschreibt anschaulich das Wechselbad der Gefühle, die Auswirkungen auf das Leben und wie die Entscheidungen der Geliebten zustande kommen. Doch man muss nicht „die Andere“ sein, um sich hier wieder zu finden.

Jeder, der seinem Partner in einer Beziehung schon einmal bis zu einem gewissen Grad hörig war, wird sich selbst sehen können. Denn nichts anderes ist die Geliebte in dieser Geschichte: Hörig. Sie tut alles, um den Partner aufzubauen, sein Selbstbewusstsein zu stärken und verbiegt sich dabei so total, dass sie sich bei nüchterner Betrachtung nicht wiedererkennen würde.

Aber sie ist ja nicht nüchtern. Sie ist liebestrunken, sehnsüchtig und gefesselt durch dasd „Seelenband“. Eine Verbindung, die es absolut unmöglich macht, rational zu entscheiden. Weil sich die Geliebte zu dem Mann nicht einfach hingezogen fühlt, sondern im tiefsten Innern mit ihm und an ihn gebunden. Dieses Band zu lösen, stellt die Autorin als beinahe unmöglich dar.

Etwas, das viele Frauen nur zu gern auch so hinnehmen werden. Etwas, dass die „Schattenfrauen“ bestätigen werden und die Betrogenen mit Verachtung strafen werden. Denn ich denke nicht, dass dieses Buch die zwei weiblichen Parts einer Dreiecksbeziehung näher zueinander bringen wird. In dem Moment, wo die Autorin zugibt, dass die Partnerin ihres Geliebten für sie aufhörte zu existieren, werden viele der Betrogenen unter den Leserinnen sich schon bestätigt fühlen: Die Geliebte ist und bleibt das Miststück.

Mein Fazit:
„Seelenband“ beschreibt meiner Meinung nach nicht nur die Geschichte und die Gefühlswelt einer Geliebten, sondern jeder Frau, die schon einmal ihrem Partner hörig war. Die Beziehung, die die Autorin beschreibt, verläuft für den Mann ziemlich vorteilhaft und für die Frauen ziemlich selbstzerstörerisch.

Geschichte und Gefühlswelt werden auf sehr persönliche und zum Teil geradezu lyrische Art erzählt bzw. beschrieben. Das gibt dem Buch einen besonderen Reiz: Welche betrogene Ehefrau würde nicht gern mal in die Abgründe ihrer Gegenspielerin schauen. Für mehr Verständnis zwischen Miststück und betrogener Lebensgefährtin wird es das Buch nicht sorgen, denke ich. Aber lesenswert ist es auf jeden Fall.

Infos zum Buch:
Titel: Seelenband – Die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand
Autorin: Stephanie Urbat-Jarren
Verlag: Verlag 3.0
ISBN: 978-3-944343-00-6

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Tags
Zeig mir mehr

ommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden More Info | Ok