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Buch: „Schnee von Teheran“ von Susanne Neuffer

„Schnee von Teheran“ ist ein Buch über Süßigkeiten und das Leben als Lehrer. Und eine durch und durch melancholische Geschichte, was zumindest die Masse an Süßigkeiten erklären könnte. Mit irgendetwas muss man sich ja trösten, wenn das Herz schwer wird. Und Babette Kleinhempels Herz wiegt scheinbar Tonnen. Aber auch dafür gibt es gute Gründe.

Schnee von Teheran
Schnee von Teheran beim ©Maro Verlag

Zum Inhalt:
Babette Kleinhempel ist Lehrerin. Doch ihr Beruf ist nichts, womit sie sich identifizieren kann oder will. Stattdessen hangelt sie sich von Sommerferien zu Sommerferien und tut dazwischen nur das Nötigste: Sowohl im beruflichen, als auch im kollegialen Bereich. Betriebsausflüge und Abifeiern stehen dabei ganz oben auf Liste mit den schlimmsten Events des Jahres.

Ganz nebenbei hat sie eine Affäre mit Jasper, einem anderweitig liierten Kollegen. Sie selbst hat ihren Mann schon vor einiger Zeit an eine andere Frau abgetreten. Die Tochter ist inzwischen verheiratet und führt ihr eigenes Leben. Also hat Babette Kleinhempel genug Gelegenheit, sich ihrer halbwegs erfolgreichen Schriftstellerei zu widmen.

Ihre wahre Leidenschaft sind jedoch die süßen Kreationen von Reza, ihrem iranischen Zuckerbäcker. Mit ihm will sie die sieben Weltwunder in Süßigkeiten nachbauen und eine Ausstellung drumherum organisieren, die mit einem großen Fressgelage endet. Gemeinsam mit ihm erfindet sie immer wieder neue Leckereien, so wie den „Schnee von Teheran“.

Ihre Inspiration zieht sie dabei aus den Reisen während der Sommerferien. Anfangs sind das vor allem Reisen in die eigene Vergangenheit, die vor allem mit Bergbau und dörflicher Großfamilie zu tun haben. Später wird es Paris sein, wo sie sich schließlich ihrem Burnout hingibt. Wird sie den Weg zurück in den heimischen Alltag schaffen?

Meine Meinung:
Will man hinter die Kulissen einer Schule schauen? Diese Frage ist die erste und wichtigste, wenn man sich dieses Buch vornimmt. Natürlich gibt es nichts zu entzaubern, denn der Schulalltag ist nichts romantisches und wie es im deutschen Bildungssystem aussieht, weiß man auch so ziemlich gut. Aber will man sehen, wie es den Lehrern dabei geht?

„Schnee von Teheran“ zeichnet nämlich eben dieses Leben offen und beispielhaft nach. Es berichtet von der Einstellung gegenüber den eigenen Schülern und ihren Eltern, von Machtkämpfen zwischen Lehrern, von Affären, von Resignation, vom Imageproblem und eben auch vom Ausgebranntsein. Es zeigt die Lehrer als Menschen.

Susanne Neffer lässt ihre Romanheldin dabei philosophieren, lässt sie die Realität mit den Fantasiegeschichten vermischen, die die Lehrerin Kleinhempel in ihrer Freizeit schreibt. Und manchmal weiß weder der Leser noch Babette Kleinhempel, was wahr und was Fiktion ist. Abgesehen von einem recht kurzen Intermezzo in Paris bleibt die Geschichte dabei immer melancholisch.

Mein Fazit:
„Schnee von Teheran“ ist so wenig 08/15 wie sein Titel. Man kann sich von der Melancholie durch die Welt der Babette Kleinhempel tragen lassen. Man kann die Schärfe genießen, mit der sie die Träume, Liebschaften und Lebensstile der anderen zerpflückt und diesen unbarmherzigen Blick auch gegen ihre Hauptfigur inklusive Vergangenheit richtet. Wenn man allerdings keine Lust auf traumwandlerische Erzählungen hat, bei der man Realität und Fiktion kaum auseinander halten kann – dann wird man mit und in diesem Buch nicht allzu weit kommen. Deshalb 4 Sterne.

Infos zum Buch:
Titel: Schnee von Teheran oder Vom Verlassen des Geländes
Autor: Susanne Neuffer
Umschlag von: Yvonne Kuschel
Verlag: Maro Verlag
ISBN: 978-3-87512-461-3

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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