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Buch: „Nachts“ von Mercedes Lauenstein

Nachts sind alle Katzen grau und alle Fenster dunkel. Doch eine junge Frau macht sich auf, die Fenster zu finden, die auch spät in der Nacht noch hell erleuchtet sind. Und versucht mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Über die Nacht und warum sie (noch) wach sind.

Nachts beim ©Aufbau Verlag
Nachts beim ©Aufbau Verlag

Zum Inhalt:
Da ist die junge Mutter, die sich nie vorstellen konnte, dass man wegen etwas anderem als einer Party nachts wach und zufrieden sein könnte. Da ist der alte Mann, der mal Bäcker war und einfach nicht aufhören kann, mitten in der Nacht aufzustehen. Da ist der Taxifahrer, der Nacht für Nacht vom Weinen seines Schwiegervaters wach wird, weil der im Schlaf um seine verstorbene Tochter trauert.

Da ist der unheimliche Typ, der ein Käsebrot auf den Fußboden legt, die Frau auf dem Balkon aussperrt und in den wenigen klaren Momenten wirklich bedrohlich wirkt. Da ist der Typ, der seiner großen Liebe nach London folgte und sie verlor, als er keine Lust mehr hatte, zu arbeiten. Da ist die Teilzeitsekretärin, die jede freie Minute nutzt, um irgendwohin zu reisen und ansonsten nachts vor ihrer Weltkarte steht und sich auf die nächsten Orte freut.

Sie alle sind mehr oder weniger freiwillig nachts wach. Sie alle haben eine Geschichte zu erzählen, die mehr oder weniger Einblick in ihr Privatleben zulässt. Und sie alle reagieren unterschiedlich auf diese junge Frau, die alleine nachts durch die große Stadt wandert, um das letzte erleuchtete Fenster zu finden und mit dem Menschen dahinter zu reden.

Meine Meinung:
Es gibt Bücher, die sollte oder kann man nur häppchenweise genießen. Bei manchen gehen sonst die Wortwitze unter, bei anderen die Tiefe der Geschichte(n) verloren. So wie hier. Jede der 25 Geschichten ist nur wenige Seiten lang. Aber die wenigen Dinge, die diese Nachteulen der jungen Frau erzählen, geben genug preis, um das ganz individuelle Leben dahinter zu erkennen.

Das liegt auch an den Kleinigkeiten, die Mercedes Lauenstein in ihren Geschichten beschreibt. Welche Wohnung sie auch immer betritt, sie wird mit Sinn fürs Detail beschrieben: Vom Standort von Bett oder Tisch über die Gerüche in der Wohnung bis hin zum Aussehen des besuchten Nachtmenschen. Das könnte langweilig werden, wenn es nicht quasi die Kulisse für das wäre, was dann im Gespräch eben thematisiert wird.

Sprachlich glänzen die Episoden durch ihre Dichte. Mercedes Lauenstein braucht wenig Worte, um ihren Lesern die Menschen in ihren Geschichten nahe zu bringen. Man ist mit ihnen schon nach wenigen Sätzen so vertraut, als würde man sie selbst besuchen., wird also wirklich auf diesen verrückten Tripp durch die Nacht und seine Menschen mitgenommen. Fragt sich nur, ob man sich das auch trauen würde.

Mein Fazit:
Die 25 Geschichten von Mercedes Lauenstein kratzen gerade so weit an der Oberfläche, dass man sich als Leser das Leben der Protagonisten zusammenreimen kann. Aber das auf eine Weise, dass man danach das Buch weglegt und die Geschichte im Kopf weiterschreibt, ausschweifen lässt und mit noch mehr Leben füllt. Der Effekt geht allerdings verloren, wenn man sich mehr als eine Geschichte am Stück gönnt. Daher eine klare Leseempfehlung an alle, die vorm Schlafen gern noch zwei bis fünf Seiten lesen und dabei den eigenen Alltag einfach vergessen wollen.

Infos zum Buch:
Titel: Nachts
Autorin: Mercedes Lauenstein
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 978-3-351-03614-0

Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Gute Geschichten

25 Gute-Nacht-Geschichten für Erwachsene. So könnte man es nennen, auch wenn das vielleicht albern klingt. Aber um den Tag hinter sich zu lassen, gibt es nichts Besseres als eine dieser Geschichten über das Leben anderer Menschen.

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