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Buch: „Nach mir die Flut“

von Sarah Perry

John Cole flieht vor der Hitze, die sich in den Straßen Londons festgesetzt hat. Eine Autopanne bringt ihn zu einem heruntergekommenen Anwesen, dessen Bewohner freundlich aber seltsam sind. Oder vielleicht sogar gefährlich?

"Nach mir die Flut" bei ©eichborn
„Nach mir die Flut“ bei ©eichborn

Zum Inhalt:
Die bunt gemischte Gesellschaft hält John für jemand anderen. Zumindest begrüßen sie ihn, wie einen lang erwarteten Gast und wischen jeden Zweifel an Johns Identität beiseite. Für sie ist er einer der ihren, einer der wie sie so seine Gründe hat, vor dem Leben da draußen zu fliehen.

Einzig der Prediger spricht John darauf an. Doch selbst der hat genug mit sich selbst zu tun, denn er hat den Glauben verloren und Angst davor, dass der Himmel auf ihn herab stürzt. Der junge Alex dagegen kann den Blick nicht vom Staubecken lösen, denn er ist überzeugt davon, dass dessen Wall den Wassermassen bald nicht mehr stand halten wird.

Auch die Frauen des Hauses haben ihr Päckchen zu tragen. Die eine mit dem zarten Aussehen eines Engels liebt den ältesten der Bewohner, weil das besser ist, als gar nicht geliebt zu werden. Die Hausherrin in ihrer ungelenken Unförmigkeit den schönsten Jüngling der Gemeinschaft.

Sie alle haben ihre Mittel und Wege gefunden, mit ihren Ängsten zu leben.

Natürlich will John den Irrtum aufklären. Doch die schräge Hausgemeinschaft lässt es nicht zu. Und er ist viel zu fasziniert, um wirklich fort zu wollen. Bis ein Unglück alle Bewohner aus ihrer Komfortzone zerrt und niemand mehr weiß wie es weitergehen soll.

Meine Meinung:
„Nach mir die Flut“ ist Sarah Perrys Debütroman nach „Die Schlange von Essex“. Das 270 Seiten fassende Buch erzählt die Geschichte einer verkorksten Gemeinschaft von Verrückten. So könnte man es lapidar zusammenfassen und das kleine Werk zur Seite legen.

Aber diese verkorkste Gemeinschaft spiegelt Ängste und Passionen, die wir nur zu gut kennen. Wer an welchen Gott auch immer glaubt, fürchtet den Einsturz dieser Gewissheit. Wer zu oft vom Ertrinken in Meer, See oder Badewanne liest, bekommt selbst Angst davor. Und wer fürchtet nicht, niemals auch nur einen Menschen zu finden, der einen lieben könnte.

Sarah Perry treibt es mit den Illusionen der Protagonisten ziemlich weit. Ihre bildhafte und symbolhafte Sprache lässt die Erzählung wie ein Traumgebilde erscheinen. Eines, von dem man nicht weiß, ob es durch Fieber oder zu viel Fernsehen erzeugt wird. Aber auch das passt durchaus als Gesellschaftsporträt.

Mein Fazit:
„Nach mir die Flut“ braucht Menschen, die sich auf den speziellen Sprachstil und die speziellen Typen der Autorin einlassen. Wer leichte Kost sucht, wird sie hier nicht mal auf den zweiten Blick finden. Dieses Buch ist Arthouse Kino in Schriftform. Wer das mag, wird diese Geschichte lieben. Wann trifft man schon auf solch eine Gemeinschaft?

Infos zum Buch:
Titel: Nach mir die Flut
Autorin: Sarah Perry
Übersetzt von Eva Bonné
Verlag: Eichborn
ISBN: 978-3-8479-0651-3

Dieses Buch wurde uns als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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