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Buch: „Moskau Babylon“ von Owen Matthews

Moskau. Das ist für mich Winter, Kreml, überschminkte Frauen und die Sprache, die ich in der Schule lernen musste. Aber auch eine Stadt, von der ich keine Vorstellung habe, die mir ansatzweise realitätsnah erscheint. Owen Matthews schickt seine Leser dazu noch in das Moskau der 90er Jahre, die sowieso von Umbruch, Abbruch und Neubeginn geprägt waren. Das ist eigfentlich spannender Lesestoff. Und doch war „Moskau Babylon“ für mich ein unbezwingbares Buch.

"Moskau Babylon" beim ©Graf Verlag
„Moskau Babylon“ beim ©Graf Verlag

Zum Inhalt:
Roman Lambert hat einen schottischen Vater und eine russische Mutter. Die ist das einzig russische in seiner Biographie, verleitet ihn aber dazu, die Sprache zu lernen und später als PR-Mensch im Moskau der 90er Jahre sein Glück zu versuchen. Was für ihn einer großen skurrilen Party gleichkommt, denn er hat bis dato nichts zu verlieren.

So lernt er nach und nach eine Stadt kennen, die sich wie vor dem Kalten Krieg in Sektoren einteilen lässt. Er gewöhnt sich an Gepflogenheiten, die in der westlichen Welt undenkbar wären und ihn trotzdem zum König der Stadt machen. Zu einem von vielen, die hier auf der Überholspur leben und aus Menschen rausholen, was sich eben zum eigenen Vorteil rausholen lässt. Dass das auch böse Folgen haben kann, wird er bald merken.

Aber soweit kam ich nicht.

Meine Meinung:
Drei Anläufe habe ich genommen, am Ende kam ich nur bis Seite 86. Bei der Aussicht auf weitere 300 Seiten ging mir jedoch die Puste aus. Ich habe mich bereits durch einige Bücher gekämpft, mit denen ich nicht warm wurde. An diesem bin ich gescheitert.

Dabei ist „Moskau Babylon“ rein vom Schreibstil eine Augenweide. Im wahrsten Sinne des Wortes findet Owen Matthews Metaphern, die der Stadt und jedem einzelnen Stein davon Leben einhauchen. Leider ist er dabei so altklug, philosophisch und … anstrengend, dass ich die Lust auf die Geschichte selbst verlor.

Ich bin mir sicher, dass eben diese Geschichte seines Protagonisten spannend ist. Ein gelangweilter Jungspund kommt nach Moskau, wo in den 90ern alles möglich war. Das hat viel Potenzial für Nervenkitzel, gestochen scharfe Bilder und Dramatik. Und doch: So schön Matthews Sprache ist, so anstrengend ist sie auch. Leider.

Mein Fazit:
„Moskau Babylon“ ist auf hohem Niveau geschrieben, also von einer feinen, anspruchsvollen Sprache. Jedoch ist sie gleichzeitig zu gewaltig und verschluckt dabei die Geschichte, die sie eigentlich lebendig machen sollte. Meiner Meinung nach, wohlgemerkt. Schade drum, denn für mich ist Moskau immer noch eine Stadt voller Magie.

Infos zum Buch:
Titel: Moskau Babylon
Autor: Owen Matthews
Aus dem Englischen übersetzt von Hans-Ulrich Möhring
Verlag: Graf Verlag
ISBN: 9783862200481

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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