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Buch: „Mischling“ von Affinity Konar

Ein Holocaust-Roman über Josef Mengele

Auschwitz steht für Massenmord und Greueltaten. Und einer, der dort wirkte, wird oft Todesengel genannt: Josef Mengele. Er nahm nicht nur die Selektionen an der Rampe vor, sondern widmete sich auf grausame Art der Zwillingsforschung. „Mischling“ erzählt die Geschichte eines Zwillingspaares unter Mengeles „Fittichen“.

"Mischling" bei ©Hanser Literaturverlage
„Mischling“ bei ©Hanser Literaturverlage

Zum Inhalt:
Perle und Stasia sind zwölf, als sie in Auschwitz von der Rampe stolpern. Dass sie eineiige Zwillinge sind, rettet den polnischen Mädchen aus Lodz das Leben. Denn sie werden von Josef Mengele für seine Zwillingsforschung ausgewählt.

Der Todesengel von Auschwitz will die Unterschiede aus ihnen herauskitzeln und die Verbindung zwischen ihnen finden, um sie zu zerstören. Dazu gießt er der einen kochendes Wasser ins Ohr, verätzt ihr ein Auge und spritzt ihr zudem „ewiges Leben“.

Zumindest erzählt er das Stasia, die sich mit blühender Fantasie an dieses Versprechen klammert. Sie steigert sich außerdem in die Vision einer grausamen Rache hinein. Perle scheint verschont zu werden, solange Stasia mitmacht.

Doch dann verschwindet Perle.

Alle sagen, dass sie tot ist. Und auch Perle glaubt irgendwann daran und verlässt Auschwitz im Winter 1945, als das Lager aufgelöst wird. Mit einem anderen verlassenen Zwilling schlägt sie sich nach Warschau durch. Und ahnt nicht, dass Perle noch viel mehr Leid auszustehen hatte und hat, als sich Stasia je vorstellen konnte.

Meine Meinung:
Es gibt Menschen, die nicht wissen, wer Josef Mengele war. Allein schon aus diesem Grund sind Bücher wie dieses wichtig. Der Mann mit dem Beinamen „Todesengel von Auschwitz“ hat Experimente mit Menschen durchgeführt, die selbst hartgesottene Fleischesser keinem Tier zumuten würden.

Affinity Konar beschreibt Mengeles „Zoo“ aus der Perspektive eines Zwillingspaares. Stasia ist ein Mädchen mit viel Fantasie und bewundert ihre Schwester vorbehaltlos. Perle ist eher realistisch und sieht die Dinge wie sie sind. Sie beneidet ihre Schwester oft um deren Gabe des „Schönredens“.

Stasia wird scheinbar Mengeles Liebling. Doch das schützt weder die Mädchen, noch ihre Familie vor Leid, das man sich als Leser auf dem Sofa bei einer Tasse Tee nicht vorstellen kann.Denn selbst als Mengele verschwindet, bleiben die Folgen seiner „Gunst“ bei den Mädchen.

Der Schreibstil von Affinity Konar ist an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig. Gerade wenn die schlimmsten Szenen aus Stasias Sicht beschrieben werden, verwendet die Autorin starke, sphärische Bilder. Das mag nicht jedermanns Sache sein. Aber es tut der Gesamtwirkung keinen Abbruch.

Mein Fazit:
Es gibt Dinge, mit denen man einfach nicht rechnet. Da hat man zwanzig Seiten voller Grausamkeiten gelesen und schon stolpern Stasia und Perle in die nächste. Eine, die für die Zeit damals vorhersehbar war. Keine, die man sich heute vorstellen kann oder möchte.Das ist harter Lesestoff, der nach dem Ende von „Mischling“ eine ganze Weile sacken muss.

Infos zum Buch:
Titel: Mischling
Autorin: Affinity Konar
aus dem Englischen von Barbara Schaden
Verlag: Hanser Literaturverlage
ISBN: 978-3-446-25646-0

Dieses Buch habe ich mir in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Eindrucksvoll und grausam

Mit eindringlichen Worten bringt Affinity Konar ihren Lesern das Grauen von Auschwitz und speziell von Josef Mengele nahe. Näher vielleicht, als manche es aushalten. Gerade deshalb ist "Mischling" ein wichtiges Buch.

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