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Buch: „Meine geniale Freundin“ von Elena Ferrante

Manche Bücher werden schon vor dem Erscheinen in den Himmel gelobt. Manche sind dann auch wirklich beeindruckend, kraftvoll und fesselnd. Dieses hier eher nicht. Zumindest für mich. Und das, obwohl die Voraussetzungen wirklich gut waren.

"Meine geniale Freundin" bei @Suhrkamp
„Meine geniale Freundin“ bei @Suhrkamp

Zum Inhalt:
Elena Greco ist ein ganz normales italienisches Mädchen. Als Tochter eines Pförtners bei der Stadtverwaltung und einer Hausfrau, lebt sie in eher bescheidenen Verhältnissen. Doch sie ist klug und bringt sehr gute Leistungen in der Schule.

Nur eine ist klüger: Raffaella Cerullo, von allen nur Lina genannt. Das spindeldürre Mädchen mit dem bösen Blick und unbeschreiblichen Mut ist Elena immer einen großen Schritt voraus. Und das beschränkt sich nicht nur auf die Schule.

Als Elena begreift, dass sie Lina nicht das Wasser reichen kann, hängt sie sich an sie dran. Lila, wie sie Lina als einzige immer nennt, wird zu ihrem Fixstern. Was Lila kann, will Elena auch können. Egal, was es sie kostet.

Das bringt Elena schließlich bis aufs Gymnasium. Und damit weiter als Lila, die die Schule viel früher aufgeben muss, um ihrer Familie unter die Arme zu greifen. Trotzdem findet Lila Wege, besser und weiter zu sein als Elena.

Ob beim Griechisch lernen, unternehmerischen Projekten oder in der Liebe. Elena versucht stets mitzuhalten und den Kontakt zur einmaligen Freundin nicht zu verlieren. Aber es hat den Anschein, als würde sie Lila stets und immer nur hinterher hecheln.

Meine Meinung:
Eben dieses Hinterherhecheln von Elena ging mir irgendwann richtig auf die Nerven. Solange es dabei nur um schulische Dinge ging, war es ja noch nachvollziehbar. Aber die Freundschaft dieser beiden Mädchen hat etwas offensichtlich Ungesundes.

Elenas Abhängigkeit ist fatal. Es wundert nicht, dass sie hinter ihrer Freundin stets zurückbleiben wird, denn diesen Platz hat sie sich selbst gewählt. So sein wie jemand anderer macht einen selbst weder glücklich noch wirklich erfolgreich.

Lila scheint auf den ersten Blick unabhängiger. Aber Lina ist und bleibt Einzelkämpferin. Jedes Problem macht sie in erster Linie mit sich aus. Erst wenn sie einen groben Plan hat, zieht sie andere hinzu.

Natürlich müssen einem die Protagonisten eines Buches nicht sympatisch sein. Authentisch dann schon eher – und das sind sie. Und ja, ich gehe davon aus, dass es solche Abhängigkeiten in den Freundschaften zwischen Frauen gibt.

Aber die Geschichte hat mich nicht gepackt. Sobald klar ist, dass Elena der Freundin wirklich immer nacheifern wird, wird es langweilig. Dabei zeichnet „Meine geniale Freundin“ ein lebendiges Bild vom Neapel der 50er und 60er Jahre.

Von dem Neapel abseits der Schönen und Reichen. Mit allem, was italienische Gepflogenheiten zu bieten haben. Von häuslicher Gewalt, brutal wieder hergestellter Familienehre und Schulabbrüchen zugunsten des Familienbetriebes. Doch es reicht nicht.

Mein Fazit:
„Meine geniale Freundin“ erzählt von der Freundschaft zweier Mädchen im armen Neapel. Dieser dreckige Teil der schönen Stadt wird lebendig und authentisch beschrieben. Auch die Freundschaft ist nachvollziehbar. Trotzdem gibt die Geschichte für mich nicht genug her, um mich auf die bereits absehbare Ankündigung zu freuen.

Infos zum Buch:
Titel: Meine geniale Freundin – Kindheit, frühe Jugend
Autorin: Elena Ferrante
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 978-3-518-42553-4

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Ganz gut, aber über- bewertet

"Meine geniale Freundin" ist eines dieser Bücher, bei der das Marketing funktioniert. Unter #ferrantefever wurde vorab viel Wind um die anstehende Buchreihe gemacht. Tatsächlich bekommt man schon beim ersten Buch ein lebendiges Neapel und eine interessante Frauenfreundschaft. Aber das erste Buch reicht mir: Zu einseitig die Freundschaft, zu absehbar die Handlung und zu ausschweifend die Sprache. Nicht mein Ding!

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