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Buch: „Lady Bag“ von Liza Cody

Einst war sie eine ganz normale Bankangestellte, heute zieht sie zerlumpt und rotweinsüchtig durch die Straßen Londons. Lady Bag ist vom Rand der Gesellschaft geplumpst in eine Parallelwelt, die für uns fast unsichtbar ist. Und als wäre ihr Leben auf der Straße nicht schon turbulent genug, wird sie zum entscheidenden Puzzlestück in einem Mordfall. Aber so einer glaubt man ja eh nichts.

"Lady Bag" bei ©Ariadne Krimi
„Lady Bag“ bei ©Ariadne Krimi

Zum Inhalt:
Sie lebt auf der Straße und hat sich an die Regeln dort gewöhnt. Sie schnorrt zusammen, was sie zum Leben braucht, hat „Freunde“ und Feinde und einen Hund. Ohne die Greyhound-Hündin Elektra würde die vielleicht weniger oft angepöbelt, würde aber auch weniger einnehmen. Denn die Hündin gehört in den Augen der Menschen nicht auf die Straße. Die gleichen Menschen wollten die Hündin jedoch einschläfern lassen, weil sie keine Rennen mehr laufen konnte.

Nun ziehen die beiden durch Londons Straßen. Die eine froh, wenn sie trockene Pfoten behält, die andere, wenn sie genug Geld für eine Flasche Rotwein zusammen bekommt. Doch dann begegnen sie dem Teufel. Nämlich dem Mann, der aus einer braven Bankangestellten eben Lady Bag gemacht hat.

Und wieder bringt der Teufel die Frau, die wegen ihm Eigentum, Zuhause und Zukunft verloren hat, gehörig in Schwierigkeiten. Denn eine Frau musste sterben und Lady Bag war zur falschen Zeit am falschen Ort. Zuerst wird sie für die Tote gehalten, dann für die Mörderin und schließlich ist sie auch noch vor den eigenen Leuten auf der Flucht. Denn niemand glaubt einer obdachlosen Säuferin.

Meine Meinung:
Lady Bag ist so menschlich, dass es immer nur ein paar Zeilen Bedarf, um in ihr nicht die wertlose Pennerin zu sehen, die sie für die Gesellschaft ist. Sie ist eine Frau, die ihr Leben in einer für uns völlig fremden Welt meistert. Einer Welt, in der es normal ist, in Hauseingängen, hinter Mülltonnen und auf Parkbänken zu schlafen.

Alkohol, Drogen, Gewalt sind in dieser Welt genauso normal, wie Revierkämpfe um die besten Bettelplätze. Wie weit diese Welt von der „normalen“ entfernt ist, wird deutlich, wenn Lady Bag auf die neueste Technik trifft: Iphone und Co sind für sie zu Monstern geworden, die ihr Angst einjagen und die sie nicht mehr bedienen kann.

Beängstigend ist auch, in einer Sozialwohnung nächtigen zu dürfen, damit man die anderen Mieter vergrault und der Besitzer endlich Luxuswohnungen daraus machen kann. Oder im Fernsehen als Quotenvieh ausgeschlachtet zu werden. Wen wundert da, wenn die einzige rosarote Brille vom Rotwein kommt? Aber auch hier gibt es so etwas wie Freundschaften, auch wenn sich diese ganz anders zeigen als im normalen Leben. Und eigentlich irgendwie gar nicht gewollt werden.

Mein Fazit:
So weit weg Lady Bag ihr Leben von dem des Lesers auch führt: Man vermisst sie, kaum, dass man das Buch beiseite gelegt hat. Trotz aller Schrulligkeiten und der unwürdigen Lebensweise zwischen Alkohol, Tabletten und Dreck, wird sie einem sympatisch und man wünscht ihr endlich wieder ein bisschen Glück. Doch für ein richtiges Happy End ist diese Lady und ihre Geschichte nicht geschaffen. Dafür umso mehr, um mir lange Lesenächte zu bescheren.

Infos zum Buch:
Titel: Lady Bag
Autorin: Liza Cody
Verlag: Ariadne Krimi (Argument Verlag)
ISBN: 978-3-86754-222-7

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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