Buch: „Kurt“ von Sarah Kuttner

Triggerwarnung: Es geht um den Tod eines Kindes und die Trauer der Eltern.

Wenn ein Kind stirbt bleibt für die Eltern die Zeit stehen – für die Welt nicht. Die dreht sich einfach weiter, auch wenn die Eltern nicht mitkommen. Aber was macht das eigentlich mit denen, die im Leben des verstorbenen Kindes in der zweiten Reihe standen. Sarah Kuttner schreibt aus eben dieser Perspektive. Und das gefällt mir.

Kurt beim ©S. Fischer Verlag

Kurt beim ©S. Fischer Verlag

Zum Inhalt:
Lena und der große Kurt sind wegen dem kleinen Kurt aufs Land gezogen. Der kleine Kurt lebt dort bei seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Joni. Weil der kleine Kurt gerade in die Schule gekommen ist, war dieser Umzug nötig, damit die beiden Kurts möglichst viel Zeit miteinander verbringen können.

Lena mag beide Kurts sehr. Den großen liebt sie sogar. Beim kleinen ist sie sich nie sicher, was sie darf und was nicht. Was ihre Rechte und Pflichten sind. Wann sie den Mund aufmachen und wann sie ihn halten sollte. Aber der kleine Kurt hilft ihr da ganz oft und ist auch sonst eine ziemlich coole Socke, die Lena mehr und mehr ins Herz schließt.

Dann stirbt der kleine Kurt.

Für den großen Kurt ein Weltuntergang. Er zieht sich zurück, lässt Lena außen vor. Gab es für Lena vorher keine Regeln im Bezug auf den kleinen Kurt, gibt jetzt gar keinen Halt mehr. Wer weiß schon, wie man mit trauernden Eltern umgeht. Wieviel eigene Trauer man als Nicht-richtiges-Elternteil haben darf. Was man aushalten, was man einfordern darf.

Meine Meinung:
Für eine Mutter ist die Vorstellung allein ein Horrortrip: Das eigene Kind stirbt. Egal wie, dieser Tod macht keinen Sinn. Und das Leben ohne Kind danach sicher auch nicht mehr. Als neuer Partner eines getrennt lebenden Elternteils hat man auch eine Beziehung zu dem Kind aufgebaut. Allein schon, weil es den Elternteil nur mit kindlichem Anhang gibt – oder gar nicht.

Sarah Kuttner lässt „die Neue“ in dieses Loch fallen. Wo es vorher Unsicherheiten und Tretminen gab, steht ihre Protagonistin Lena nun auf einer scharfen Landmine und kann, sollte oder darf sich nicht mehr rühren. Zumindest fühlt es sich so an, als wäre Aushalten und Aussitzen die einzige Lösung – und ihr einziges Recht.

Es stellt sich aber die Frage, ob es da nicht doch noch Rechte für Menschen wie Lena gibt. Die Chance auf Mit-Trauern, Mit-Helfen, Mit-Überleben. Die Chance auf lebenserhaltende Maßnahmen für die „neue“ Beziehung und die eigene Seelengesundheit.

Mein Fazit:
Sarah Kuttner schafft die Balance zwischen dem Respekt gegenüber den trauernden Eltern und dem Einfordern der Trauerrechte der Nicht-ganz-Eltern. Sie schafft das, weil sie weder das eine noch das andere kleiner redet, als es sich anfühlt. Und das auf ihre so typische klare, übertreibungsfreie und kitschfreie Art. Absolut lesenswert.

Infos zum Buch:
Titel: Kurt
Autorin: Sarah Kuttner
Verlag: S. Fischer
ISBN: 978-3-10-397424-9

Dieses Buch habe ich in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen. 

Außerdem lesenswert von Sarah Kuttner sind „Mängelexemplar“ und „180° Meer“.

Triggerwarnung: Es geht um den Tod eines Kindes und die Trauer der Eltern. Wenn ein Kind stirbt bleibt für die Eltern die Zeit stehen - für die Welt nicht. Die dreht sich einfach weiter, auch wenn die Eltern nicht mitkommen. Aber was macht das eigentlich mit denen, die im Leben des verstorbenen Kindes in der zweiten Reihe standen. Sarah Kuttner schreibt aus eben dieser Perspektive. Und das gefällt mir. Zum Inhalt: Lena und der große Kurt sind wegen dem kleinen Kurt aufs Land gezogen. Der kleine Kurt lebt dort bei seiner Mutter und seiner kleinen Schwester Joni. Weil der kleine…
Es geht um den Tod eines Kindes und den Umgang der Eltern damit. Die Hauptrolle spielt jedoch die neue Lebensgefährtin des Vaters, die den Jungen auch sehr mochte. Wie sehr darf sie trauern? Was darf sie vom trauernden Vater erwarten? Das ist harter Lesestoff - aber auf Kuttner-Art lesenswert geschrieben.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Harter Stoff, gut geschrieben!

Es geht um den Tod eines Kindes und den Umgang der Eltern damit. Die Hauptrolle spielt jedoch die neue Lebensgefährtin des Vaters, die den Jungen auch sehr mochte. Wie sehr darf sie trauern? Was darf sie vom trauernden Vater erwarten? Das ist harter Lesestoff - aber auf Kuttner-Art lesenswert geschrieben.

Kategorie Bücher, Gegenwartsliteratur
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.