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Buch: „Herzanzünder“ von Ali Mitgusch

Seit mehr als 50 Jahren zeichnet er Wimmelbücher und erobert damit die Herzen der kleinsten Buchliebhaber. Seine Bilder stecken voller Geschichten auf kleinstem Raum und regen nicht nur bei Kindern die Fantasie an. Aber wie wurde Alfons „Ali“ Mitgusch zum Meister der Wimmelbilderbücher? In seinem Buch „Herzanzünder“ berichtet er von seiner Kindheit, die so rein gar nichts mit den lustigen Bildern gemeinsam hat, die er später schuf.

"Herzanzünder" von Ali Mitgusch bei ©dtv
„Herzanzünder“ von Ali Mitgusch bei ©dtv

Zum Inhalt:
Alfons „Ali“ Mitgusch wurde 1935 in München geboren und lebte in Schwabing. Kinder durften abends nur mit „Bierkruglegitimation“ auf die Straße, statt einer Klingel nutzte man den Familienpfiff und Neuigkeiten wurden von Fenster zu Fenster in die Nachbarn weiter gegeben. Das klingt nach Idylle. Doch spätestens mit dem Tod des großen Bruders ist Schluss damit. Als der im zweiten Weltkrieg fällt, fallen auch immer öfter Bomben auf München und die Leute verkriechen sich in Luftschutzkellern.

Doch irgendwann wird Alis Familie aufs Land evakuiert. Zum Onkel, der Pfarrer ist und trotzdem Alis Schwester nachsteigt. Und deren Abfuhr mit Unbarmherzigkeit gegenüber der gesamten Familie bestraft. Als wäre das nicht schon genug, ist Ali auch in der Schule nicht gern gesehen. Der Lehrer lässt ihn spüren, dass er neidisch auf Alis städtische Herkunft ist. Die Dorfkinder können den schmächtigen Ali daher ungestraft schikanieren.

Das einzig Gute daran: Alis wird zum flinken Läufer. Weil er täglich vor seinen Schulkameraden flüchten muss, wird er immer flinker. Das hilft ihm auch, als die Familie zurück in zerbombte München kommt. Dort vertreiben sich die Kinder mit Straßenschlachten die Zeit. In Straßenbanden vereint organisieren sie regelrechte Schlachten, machen Gefangene und ziehen durch die Ruinen der Stadt. Dort suchen sie nach verwertbaren Resten der zerstörten Haushalte und machen manch grausige Entdeckung.

Bei alldem bleibt Ali schüchtern und unsicher. Von Selbstbewusstsein kann bei dem Jungen keine Rede sein, auch wenn er nicht der einzige schmächtige Bub im Umkreis ist, hält er sich stets für unterlegen. Auch als Mädchen für ihn interessant werden, hat der junge Ali seine Probleme. Das Liebesbriefeschreiben stellt ihn vor besondere Schwierigkeiten, denn er ist Legastheniker. Doch eins hat Ali Mitgusch schon immer gerettet: Seine Fantasie. Diese und sein Talent fürs Zeichnen überwindet nicht nur Hürden in der Liebe, sondern verhilft ihm zu seinen Wimmelbildern, mit denen er berühmt wurde.

Meine Meinung:
„Mein Leben als Kind“ lautet der Untertitel von Ali Mitguschs Buch „Herzanzünder“. Mit Blick auf seine Wimmelbilder könnte man das als Metapher verstehen, aber es ist wörtlich gemeint. In dem Buch, dass er zusammen mit Ingmar Gregorzewski schrieb, geht es nur um seine Kindheit. Es endet mit dem jugendlichen Ali, der seine ganz eigene Taktik findet, um Mädchen zu erobern. Und mit seinem Plan, an der Graphischen Akademie zu studieren.

Es ist ziemlich sicher, dass Ali Mitgusch im Herzen immer Kind geblieben ist. Sonst hätte er wohl nicht diese wunderbaren Wimmelbilderbücher erschaffen können. Fakt ist, dass seine Kindheit alles andere als einfach oder besonders behütet war. Stets der schmächtige Außenseiter ohne Selbstbewusstsein mogelte er sich so durch und war höchstens Mitläufer. Er behielt auch immer ein gewisses Maß an Gutgläubigkeit, was ihn in der harten Realität des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit oft in Schwierigkeiten brachte. Aber nur so konnte er sich wahrscheinlich den Blick für die kleinen Geschichten auf der Straße offen halten.

Leider ist „Herzanzünder“ nicht chronologisch geschrieben. Es gibt von Kapitel zu Kapitel Zeitsprünge, die sehr verwirren. Mal ist man mitten im Krieg, mal ist der schon vorbei und dann tobt er plötzlich wieder über München hinweg. Deshalb sollte man beim Lesen jedes Kapitel für sich nehmen und nicht unbedingt versuchen, es mit dem Vorherigen in Verbindung zu bringen.

Mein Fazit:
„Herzanzünder“ gewährt Einblicke in die schwierige Kindheit eines Mannes, der mit seinen Bilder viele Kinder glücklich gemacht hat. Als Außenseiter mit wenig Selbstbewusstsein aber viel Fantasie schuf Ali Mitgusch zwischen Fliegerbomben, Klassenkeile und Trümmergeschäften seine eigene Welt, die Ali Mitgusch durch den Alltag half. Es ist erstaunlich, wie viel davon er trotz Widrigkeiten in seiner Kindheit erhalten und in seinen Wimmelbildern weitergeben konnte. Schade nur, dass die Kapitel nicht chronologisch sind. Das hätte dem Buch sehr gut getan.

Infos zum Buch:
Titel: Herzanzünder – Mein Leben als Kind
Autor: Ali Mitgusch mit Ingmar Gregorzewski
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28057-0

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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