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Buch: „Hallervorden – Ein Komiker macht Ernst“ von Tim Pröse

Sein Palim-Palim steht für den Klamauk meiner Kindheit. Sein Amandus aus Honig im Kopf für den Schauspieler, den ich heute viel lieber mag.Aber wie kam Dieter Hallervorden vom gespielten Witz zum gemeisterten Ernst? Oder war beides schon immer da? Tim Pröse hat Antworten darauf – vom ernsten Komiker persönlich.

"Hallervorden - Ein Komiker macht Ernst" bei ©Hoffmann & Campe
„Hallervorden – Ein Komiker macht Ernst“ bei ©Hoffmann & Campe

Zum Inhalt:
Mit 83 Jahren setzen sich andere Schauspieler zur Ruhe und schauen zurück. Dieter Didi Hallervorden mischt stattdessen ordentlich mit und schaut nach vorn. Ob als Schauspieler und Unternehmer oder ganz privat vor allem in der Liebe. Dabei hat er sogar eine eigene Insel, nur für sich und seine Liebsten.

Also gibt es Herztattoos statt Briefmarkensammeln, Kabarett und anspruchsvolles Theater statt Sofa mit Buch und statt der ruhigen Kugel schiebt Hallervorden lieber sein nächstes Projekt an.

Warum, fragt man sich da?

Hat das etwas mit der Republikflucht zu tun, die er vor mehr als 50 Jahren wagte? Ist es, weil er früher nur immer Didi sein durfte? Also der Typ, dessen Späße legendär sind und immer nur auf seine Kosten gingen? Oder ist es gar die Angst vor dem Tod – jetzt, wo man ihn endlich machen lässt, was er kann und immer wollte?

Meine Meinung:
Tim Pröse hat all diese Fragen gestellt – sich selbst und natürlich dem Dieter. Dabei hat er auch ganz viele eigene Erinnerungen hervorgekramt. An seine Jugend mit dem Didi im Fernsehen in mal mehr mal weniger großen Rollen. Und mit deutscher Schauspiel-Elite an seiner Seite.

Da ist er auch schon, mein erster Kritikpunkt an diesem Buch. Ein Komiker macht Ernst ist sehr subjektiv. Pröse weist gleich zu Anfang darauf hin, dass er Hallervorden verehrt und wir nicht müde, diesen in den höchsten Tönen zu loben – anhand unzähliger eigener Erinnerungen.

Erst nach etwa einem Drittel des Buches gewinnen dann immer mehr Hallervorden und Wegbegleiter an Raum. Endlich rückt der Mensch, um den es geht in den Mittelpunkt. Und endlich läuft auch Tim Pröse zur Hochform auf: Mit sehr guter Beobachtungsgabe, den oft richtigen Fragen und einem Gespür dafür, was den Leser da draußen interessiert.

Trotz allem bleibt es eine Hommage an den Künstler, was mit nur bedingt gefällt. Dieter Hallervorden mag kein Heiliger sein, aber Pröse lässt auch nichts auf ihn kommen. Und stellt seine Fragen an Familie, Freunde und Wegbegleiter auch so, dass da nicht viel Schlechtes kommen kann. Aber warum sollten sie auch?

Mein Fazit:
Wer in diesem Buch den Didi aus Kindertagen sucht, wird wohl nicht das finden, was er erwartet. Wer auf Schmutzwäsche hofft, wird trotz turbulenter Jahre keine vorfinden. Auch Liebhaber chronologisch erzählter Lebensläufe und distanzierter Berichte kommen nicht auf ihre Kosten. Dafür rückt Pröse seinem Idol viel zu sehr auf die Pelle. So nah kommt man dem Hallervorden sicher so schnell nicht wieder.

Infos zum Buch:
Titel: Hallervorden – Ein Komiker macht Ernst
Autor: Tim Pröse
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-00159-4

Ich habe dieses Buch zu Weihnachten geschenkt bekommen. 

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Hallervorden ganz nah

Wann bekommt man schon die Gelegenheit, Dieter Hallervorden aufs Mienenspiel zu schauen und das so nah, dass man die Falten zählen kann? So ganz ohne Maske(rade) und mit offenen Antworten auf persönliche Fragen? Auch wenn dem Buch ein bisschen weniger Verehrung gut getan hätte, habe ich die Nähe zum großen Hallervorden genossen. Ihn einmal live auf der Bühne zu sehen, steht nun jedenfalls ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste.

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