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Buch: „Guter Junge“ von Paul McVeigh

Belfast in den 1980er Jahren

Mickey verbringt seine Kindheit zwischen Barrikaden, Straßenschlachten und Bombenattentaten. Seine Welt endet an der nächsten Straßenecke. Doch in seinen Träumen schafft er es hier raus.

"Guter Junge" beim ©Wagenbach Verlag
„Guter Junge“ beim ©Wagenbach Verlag

Zum Inhalt:
Mickey ist ein Träumer. Keine gute Voraussetzung, um in den Straßen vom Belfast der 1980er Jahre zu überleben. Denn die Protestanten und Katholiken in der Nachbarschaft liefern sich unbarmherzige Straßenschlachten. Feinfühlige Jungs wie Mickey kommen da schnell unter die Räder.

Deshalb hat Mickey auch nur einen Freund: Seine kleine Schwester. Aber auch die hat irgendwann genug von seinen ausgedachten Geschichten und muss zusehen, dass sie sich an die starken Mädchen im Viertel dranhängen darf.

Seine großen Geschwister sind keine Hilfe. Vor allem sein Bruder Paddy behandelt ihn wie den letzten Dreck. Und die Mutter hat selbst genug um die Ohren, denn der Vater ist ein gewalttätiger Mann, der das bisschen Geld gleich verspielt und den Rest versäuft.

So hat Mickey auch keine Chance, auf eine andere, bessere Schule zu wechseln. Und ihm bleiben nur neun Wochen Zeit, um sich für die Gepflogenheiten an der St. Gabriel zu wappnen. Entweder er flieht nach Amerika oder er wird in diesem einen Sommer cool.

Meine Meinung:
Mickey ist ein guter Junge. Er liebt seine Mama, er ist einfühlsam und hilfsbereit und er kann mit den halsbrecherischen Freizeitaktivitäten der Gleichaltrigen in seinem Viertel nichts anfangen.

Doch in Belfast der 1980er Jahre herrscht Krieg in den Straßen. Es gibt Sperrgebiet und Niemandsland, erschossene Protestanten, verhaftete Katholiken und brennende Barrikaden. Es gibt ungeschriebene Gesetze, Signale, die nur Eingeweihte verstehen und keinen Platz für friedfertige Jungs wie Mickey.

Als Leser erlebt man diese Welt aus Mickeys Sicht. In seinem Tonfall und mit seiner Gefühlswelt steht man neun Wochen mit ihm durch, die ihn verändern. Er versucht Anschluss zu finden und stößt auf heftigen Widerstand, weil er anders ist.

Paul McVeigh zeigt, was passieren muss, damit Jugendliche sich radikalisieren. Und hält bis zum Schluss offen, ob das raue Pflaster von Belfast genau das auch bei Mickey schafft.

Mein Fazit:
„Guter Junge“ hat mich von der ersten Seite an für sich eingenommen. Mikey ist ein sympatischer Junge mit viel Fantasie, der genau deswegen einen besonderen Blick auf sein Umfeld hat und genau deswegen aber auch immer außen vor bleibt. Man hofft mit ihm bis zur letzten Seite.

Infos zum Buch:
Titel: Guter Junge
Autor: Paul McVeigh
Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser und Nina Frey
Verlag: Verlag Klaus Wagenbach
ISBN: 978-3-8031-3279-6

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Guter Junge - Gutes Buch

Dieses Buch bietet einen besonderen Blick auf eine besondere Zeit für Belfast. Das Leben dort beschränkt sich auf einen kleinen Teil der Stadt, je nachdem, welcher Glaubensgemeinschaft man anhängt - und wie gewaltbereit man ist. Mickey ist nicht gewaltbereit, aber die Stadt versucht das zu ändern. McVeigh erzählt uns davon in einer wunderbar authentischen Sprache.

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