Buch: „Gar nicht koscher“ von Beni Frenkel

Buch: „Gar nicht koscher“ von Beni Frenkel

Wenn man vom Judentum spricht, geht es meist um Antisemitismus. Und der Holocaust darf auch nicht fehlen. Was dabei grundsätzlich zu kurz zu kommen scheint, ist aber das Leben der Juden heute. Und damit meine ich nicht die Großen, Bekannten oder weltpolitisch Engagierten. Also nicht die, die im Rampenlicht stehen, sondern die, die ganz „normal“ unter uns leben. So wie Beni Frenkel.

"Gar nicht koscher" beim Verlag ©kein & aber
„Gar nicht koscher“ beim Verlag ©kein & aber

Zum Inhalt:
Beni Frenkel hat es nicht leicht. Denn er ist praktizierender Jude, wenn man das so nennen will. Das heißt, sein jüdischer Glaube ist nicht einfach nur im Ausweis und auf der Geburtsurkunde vermerkt, sondern wird auch gelebt. So mehr oder weniger zumindest. Oder auch mal mehr und mal weniger. Denn Jude sein ist gar nicht so einfach, wenn man sich an alle Regeln halten will.

Das geht beim koscheren Essen los und hört beim ernsthaften Gebet noch lange nicht auf. Denn koscheres Essen ist leider nicht so oft lecker und leckeres Essen dafür ziemlich selten koscher. Und mit einer schwachen Blase und einem eher schwachen Kurzzeitgedächtnis ist auch das Gebet und das Segnen von Gemeindemitgliedern ganz und gar nicht einfach.

Dabei will Beni Frenkel natürlich auch seinen Kindern ein Vorbild sein. Schließlich sollen sie die Regeln und Bräuche des jüdischen Lebens nicht nur vom Hörensagen kennen, sondern umsetzen können. Das kann einem schon mal das Frühstück verderben. Andererseits gibt es auch klingende Gebetbücher für Kinder. Die kommen zwar aus China, ersparen einem aber viel Arbeit und noch mehr Diskussionen.

Meine Meinung:
Beni Frenkel, geboren 1977, lebt in Zürich und war Grundschullehrer bevor er freier Kolumnist für verschiedene Zeitungen und Magazine wurde. Das Buch „Gar nicht koscher“ enthält die besten Kolumnen aus 15 Jahren und beschreiben das jüdisch-orthodoxe Leben in der Gegenwart. Das ist mal etwas völlig anderes. Denn hier geht es nicht um die Verbrechen des Holocaust und auch nicht um Wortmeldungen des Zentralrats der Juden, sondern um den ganz normalen Alltag.

Also darum, wie man den jüdischen Glauben in der Gegenwart praktizieren kann. Und wie Beni Frenkel das tut. Denn der ist ja in erster Linie ein Mensch: Mit Stärken, Schwächen und Macken. Einer, der nicht nur an großen Feiertagen in die Synagoge geht und sich in den jeweiligen Lebenslagen und Jahreszeiten an die jeweilig gültigen Regeln hält. Meistens jedenfalls. Hin und wieder auch nur manchmal. Dann aber umso korrekter. Und genau dann wird es amüsant.

Für einen Nicht-Juden sind die meisten Regeln, Feiertage und Bräuche böhmische Dörfer. Zum Glück kann man ein Buch mit Kolumnen sehr gut häppchenweise lesen. Aber ohne das Glossar am Ende des Buches, das die wichtigsten jüdischen Begriffe kurz erklärt oder schlicht übersetzt, wäre man als unwissender Goj ziemlich aufgeschmissen.

Mein Fazit:
„Gar nicht koscher“ bietet einen unterhaltsamen Einblick in den jüdischen Alltag der Gegenwart. Hier geht es endlich mal nicht um die traurige Vergangenheit, sondern um das Hier und Heute. Das ist für einen Juden eine echte Herausforderung, wenn er gern gutes Essen genießt, eine schwache Blase und drei Kinder hat. Das ein oder andere unappetitliche Thema hätte sich Beni Frenkel trotzdem sparen können. Für zwischendurch zur Tasse Kaffee macht sich dieses Buch aber richtig gut.

4 Kommentare

    • Hallo Ann-Bettina,
      ich bin auf der Leipziger Buchmesse 2015 zufällig am Stand des Verlags kein & aber gelandet. Er war einer der Stände, bei denen man auch wirklich an die Bücher ran und mit dem Standpersonal ins Gespräch kam. Kein Wunder, dass meine Wunschliste noch einige andere Bücher dieses Verlages enthält^^

      LG Tina

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