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Buch: „Erwachsen wird man nur im Diesseits“ von Emel Zeynelabidin

Emel Zeynelabidin hat 30 Jahre lang ein Kopftuch getragen. Aus Überzeugung und aus tiefem islamischem Glauben. Dann legte sie es ab. Aus Überzeugung und aus tiefem islamischem Glauben. Wie das ohne Widerspruch sein kann, hat sie in den letzten acht Jahren mehrfach öffentlich kommuniziert. Und die wichtigsten, aussagekräftigsten Texte von ihr findet man in diesem Buch.

Cover_Erwachsen
©Verlag 3.0

Als 2004 die große Kopftuchdebatte durch die Medien geht, Muslime und Nicht-Muslime diskutieren, argumentieren und aufeinander losgehen, trägt Emel Zeynelabidin noch Kopftuch und engagiert sich ebenso leidenschaftlich wie erfolgreich im Islamischen Frauenverein. Sie lebt und pflegt ihren Glauben bis dahin auf traditionelle Weise.

Doch mit der Kopftuchdebatte beginnt Emel Zeynelabidin sich intensiver mit dem eigenen Glauben, der Vereinbarkeit jahrhundertealter Regeln mit dem heutigen Leben und der (Nich-)Verständigung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen auseinander zu setzen. Am Ende legt sie das Kopftuch ab, aber nicht ihren Glauben.

Ihre Erfahrungen als gläubige Muslimin ohne äußerliches Erkennungsmerkmal und die  neue Auseinandersetzung mit ihrem Glauben lassen Emel Zeynelabidin Erfahrungen sammeln, die vorher nicht möglich waren. Plötzlich ist Kommunikation und Nähe möglich, wo vorher Toleranz aber Distanz war. Natürlich spielt auch die Selbstbestimmung und persönliche Entwicklung als Frau bei der Autorin eine große Rolle.

Welche Wege sie geht, was sie vom Kopftuch hält und wie sie sich die praktische Auslegung des Islam vorstellt, hat Emel Zeynelabidin über die Jahre in großen und kleinen Tageszeitungen immer wieder veröffentlicht. Sie spricht damit laut aus, was bei manchen muslimischen Frauen vielleicht eine Wunschvorstellung ist, bei traditionell Gläubigen auf Unverständnis bis hin zur Verachtung stößt und selbst von Nicht-Muslimen nicht unbeachtet bleiben kann.

Die wichtigsten Publikationen der sechsfachen Mutter, geschiedenen Ehefrau und mehr denn je gläubige Muslimin vwurden in ihrem Buch „Erwachsen wird man nur im Diesseits“ zusammengestellt. Unter anderem auch dabei die Dankesrede und Laudatio zur Verleihung des Preises der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ in 2007. Die Ehrung einer Muslimin mit dem bedeutendsten Preis des Protestantismus in Deutschland spricht Bände.

Mein Fazit:
Das Buch enthält die wichtigsten und aussagekräftigsten Publikationen von Emel Zeynelabidin, die in großen deutschen Tageszeitungen erschienen sind. Leider sind die abgedruckten Artikel dieser Textsammlung nicht chronologisch. So springt man bei jedem Artikel mal ein, zwei Jahre vor oder wieder zurück. Natürlich wiederholen sich auch einige Aussagen, da es vielfach um grundsätzliche Meinungen geht.

Die mutige Muslimin betont immer wieder, dass  die Gläubigkeit nicht von Symbolen abhängen darf, die im alltäglichen Leben einschränken und ausgrenzen. Für Nicht-Muslime wie mich hält das Buch interessante Fakten über den islamischen Glauben bereit. Es wirft aber auch Fragen auf, die man nicht nur der Autorin, sondern jeder Frau mit Kopftuch stellen möchte. Und enthält Kritikpunkte, die genauso gut für den christlichen Glauben zutreffen.

Mich persönlich hat es neugierig gemacht. Neugierig auf den Werdegang der Autorin, auf die Art und Weise, wie ihre Kinder den Islam leben und nicht zuletzt auf die Frauen, die freiwillig Kopftuch tragen.

Informationen zum Buch:

Titel: Erwachsen wird man nur im Diesseits
Autor: Emel Zeynelabidin
Verlag: Verlag 3.0 Zsolt Majsai
ISBN: 978-3-943138-51-1
Format: ca. 155 Seiten, broschiert
Erscheinungsjahr: 2013
Vorwort von Klaus Wowereit

Dieses Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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