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Buch: „Am Ende schmeißen wir mit Gold“ von Fabian Hischmann

Mit 30 sind die meisten irgendwo angekommen. Sie sind fertig mit der Ausbildung, haben ihren Platz im Leben, in der Gesellschaft gefunden. Und doch reißen viele genau an diesem Punkt das Ruder noch einmal herum und biegen ab, auf einen neuen Weg. Manchmal braucht es dafür einschneidende Ereignisse, manchmal nur die Begegnung mit der Vergangenheit. Genau davon erzählt Fabian Hischmann in diesem Buch.

©Berlin Verlag

Inhalt:
Max ist 29, Lehrer in Bremen und weder glücklich noch unglücklich. Er hat Ferien und nichts geplant. Deshalb lässt er sich ohne Murren darauf ein, das Haus seiner Eltern zu hüten, während diese Urlaub auf Kreta machen. Und so verschlägt es ihn nicht nur zurück nach Königsburg in den Schwarzwald, sondern auch zurück in seine Tage als Teenager.

Und während er zwischen alten Fotoalben und dem eingestaubten BMX-Rad auch seiner Jugendliebe wieder begegnet, passiert auf der Mittelmeerinsel ein Unglück. Der Tod seiner Eltern wirbelt Max´Seelenleben so durcheinander, dass er seinen Job als Lehrer aufgibt und stattdessen alte Träume verwirklicht.

Doch während er auf Kreta Tiere filmt und in New York einem Zuhälter Weihnachten versaut, hat Max mit einem ganz speziellen Dämon zu kämpfen. Einem, der ihm Schuldgefühle einredet und ihn zu mörderischen Gedanken verleitet. Am Ende der Geschichte sieht sein Leben nicht nur anders aus, als zu Beginn, sondern auch sicher sehr viel anders als alles, was er sich je vorgestellt hat.

Meine Meinung:
Fabian Hischmann trifft den Ton einer, nämlich meiner Generation. Auch wenn seine Hauptfigur sechs Jahre jünger ist als ich: Ich weiß, welche Musik da auf seinen alten Kassetten ist. Ich weiß auch, wie eine Dorfdisko in den 90ern aussah und was für Geschichten sich darin abspielten. Ich weiß auch, welche Erinnerungen einem dabei heute wieder ins Gedächtnis schießen, wenn man nur einen bestimmten Geruch in die Nase kriegt.

Und ich kenne das Gefühl, irgendwann in den letzten 10 Jahren falsch abgebogen zu sein. Zu feige für die eigenen Träume gewesen zu sein, oder zu trotzig, um sie zu verwirklichen. Vielleicht aus der Überzeugung, dass man damit kein Geld verdienen kann. Vielleicht, weil es zu sehr dem entsprach, was sich die Eltern so vorstellten.

Und ich kenne die Momente, die einen auch nach Jahren nicht loslassen. Weil sie hochgradig peinlich waren. Oder unvergesslich schön. Und wenn dann plötzlich Dinge passieren, die man noch in ferner Zukunft vermutete, die einem von jetzt auf gleich aber das Hier und Jetzt zerbomben. Manchmal sind sie nötig, um doch noch abzubiegen. Egal, ob es dann wieder der falsche Weg ist oder endlich der richtige.

Mein Fazit:
Volle Punktzahl, Herr Hischmann. Ich las das Buch, ohne vorher eine einzige Rezension zu kennen und ohne zu wissen, was da eigentlich passiert. Und ich las es in einem Rutsch. Jede Momentaufnahme, jedes Gefühl, jede Erinnerung und jedes belanglose Detail stimmt einfach, ist richtig, da wo es ist und passt nirgends besser hin. Vom Mückenstich übers Männergespräch bis hin zur größten Verzweiflung ist diese Geschichte echt. Sie trifft ein Lebensgefühl – meins.

Infos:
Titel: Am Ende schmeißen wir mit Gold
Autor: Fabian Hischmann
Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-1148-0

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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