Buch: „Eine Rose für Putin“ von Thomas Wendrich

Eigentlich wollte ich ja keine Thriller mehr lesen. Aber eine Geschichte, in der ein russischer Machthaber in eine Kindesentführung verwickelt sein soll, lockt dann halt doch ganz massiv. In „Eine Rose für Putin“ geht es dann auch gleich um zwei entführte Kinder. Außerdem wird auch eins gefunden, es gibt mehrere Tote und ein dunkles Familiengeheimnis. Das ist jede Menge Stoff für eine verwirrende Geschichte voller menschlicher Abgründe.

"Eine Rose für Putin" beim ©Berlin Verlag

„Eine Rose für Putin“ beim ©Berlin Verlag

Zum Inhalt:
An dem Tag, an dem Boris Becker in Wimbledon gewinnt, wird in der DDR ein Baby, die kleine Rose, entführt. Der Fall schlägt hohe Wellen, weil der große Bruder Russland darin verwickelt zu sein scheint und die Ermittlungen behindert. Jahre später will ein Drehbuchautor die Geschichte verfilmen. Zum Schreiben zieht sich Johann Stadt mit seinem Regisseur in ein uckermärkisches Landhaus zurück.

Doch so wirklich ruhig haben es die beiden dort nicht. Zum einen erhält Johann Stadt plötzlich Hinweise von seiner Mutter, warum sie ihn damals zur Adoption freigegeben hat und wer sein leiblicher Vater ist. Zum anderen scheint das Thema ihrer Geschichte nicht jedem zu gefallen. Denn plötzlich scheint es notwendig, bewaffnet zu sein und die misstrauische Provinzpolizei steht auch alle Nase lang in der Tür.

Trotz all der Wirren und Störungen kommt Johann Stadt gut voran. In seiner Geschichte wird ein kleines Mädchen aus einem Spieleparadies in Dresden entführt. Der Vater ist ein aufstrebender Politiker und kann einen solchen Skandal gerade gar nicht gebrauchen. Die Mutter klammert sich an ihren Sohn. Wenig später wird ein Mädchen gefunden, dass die Jacke ihrer Tochter trägt, nur russisch versteht und an Leukämie erkrankt ist.

So deutet alles darauf hin, dass sich die Geschichte der kleinen Rose wiederholt. Und je tiefer Johann Stadt in seine Drehbuch-Geschichte eindringt, umso mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und Realität.

Meine Meinung:
„Eine Rose für Putin“ ist ein heißes Eisen. Denn Putin ist nicht irgendwer und der Vorwurf gegen den russischen Bruder kein Kleiner. Kindesentführung inklusive Verschleierung der Tatsachen, Vernichten von Beweisen und mysteriösen Unfällen von Zeugen. Sowas kann man schonmal in den falschen Hals bekommen.

„Eine Rose für Putin“ ist aber auch ein hartes Stück Lesestoff. Denn der Leser muss sich durch das Labyrinth dreier Geschichten Geschichten kämpfen. Zum einen ist da der Fall der kleinen Rose, die in den 80ern entführt wurde und im Rahmen des Buches auf Tatsachen beruht. Zum anderen ist da die Geschichte, die Johann Stadt für den Film entwickelt. Und zuletzt aber eben auch gewichtig ist das, was wir über den Drehbuchautor selbst erfährt.

Da die Übergänge im Laufe des Buches immer abrupter werden und die Grenzen mehr und mehr verschwimmen, hatte ich gut damit zu tun, mich in diesem Labyrinth zurecht zu finden. Das kann ziemlich abschreckend sein, des erfordert einiges an Konzentration und man sollte das Buch nicht allzu lange aus der Hand legen. Die Gefahr, den Faden zu verlieren oder zumindest die folgenden drei bis vier Absätze zuordnen zu können, ist hoch.

Mein Fazit:
Wer sich auf „Eine Rose für Putin“ und das Labyrinth der Geschichten darin einlässt, hat einen anspruchsvollen und vielschichtigen Roman vor sich. Kindesentführungen ohne großes Drama zu schildern, ist eine Sache. Sie „dem Russen“ unterzuschieben und die Gesinnung des großen Bruders infrage zu stellen, eine andere. Man könnte sie als „Schüren von Vorurteilen“ verteufeln. Oder einfach einsehen, dass kein Land der Welt mit offenen Karten spielen würde, wenn es um persönliche Schicksale und deren Verschulden durch Staatsvertreter geht. Trotz all der fiesen Machenschaften bleibt aber auch viel Menschliches in Thomas Wendrichs Roman. Allein dafür bekommt „Eine Rose für Putin“ von mir vier Sterne. Für fünf Sterne ist mir die Geschichte dann doch zu wirr.

Infos zum Buch:
Titel: Eine Rose für Putin
Autor: Thomas Wendrich
Verlag: Berlin Verlag
ISBN: 978-3-8270-1263-0

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kategorie Bücher, Gegenwartsliteratur, Roman
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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