BücherKrimi/Thriller

Buch: „Ein toter Lehrer“ von Simon Lelic

„Ein toter Lehrer“ – das klingt nach einem Amok laufenden Schüler. Bei Simon Lelic ist es der Lehrer, der um sich schießt. Drei Schüler und eine Lehrerin sterben bevor er sich selbst erschießt. Kann so jemand unschuldig sein?

"Ein toter Lehrer" bei ©Droemer Knaur
„Ein toter Lehrer“ bei ©Droemer Knaur

Zum Inhalt:
Das Thema der Schulversammlung ist ausgerechnet Gewalt. Der Direktor hat gerade mit seiner Ansprache angefangen, als die Tür aufgeht und Samuel Szajkowski, der Geschichtslehrer, die Aula betritt und das Feuer eröffnet. Scheinbar wahllos richtet er seine Waffe gegen Schüler, Lehrer und am Ende gegen sich selbst.

Die junge Ermittlerin Lucia May soll den Fall schnell über die Bühne bringen. Direktor und Polizei wollen schnell zurück zum beschaulichen Alltag – für Lucia zu schnell. Denn da ist auch noch der Junge namens Elliot, dem auf offener Straße des Gesicht zerschnitten und zerbissen wurde.

Lucia spricht mit Lehrern, Eltern, Mitschülern. Dabei entsteht ein Bild vom Täter, dass ihn mehr und mehr zum Opfer macht. Denn Szajkowski war offensichtlich ein Sonderling, der im Lehrerzimmer üblem Spott und im Klassenzimmer purem Terror ausgesetzt war.

Elliot ging es ähnlich. Aber wo ist die Verbindung zwischen dem Mann und dem Jungen? und warum interessiert sich niemand außer Lucia dafür?

Meine Meinung:
„Ein toter Lehrer“ hat einen ganz eigenen Erzählstil. Zum einen begleitet der Leser Lucia in ihrem Alltag bei den Ermittlungen. Abgesehen davon, dass ihr Chef sie für so lästig und unfähig wie eine Stubenfliege hält, muss sie sich noch gegen derbe Scherze bis hin zum körperlichen sexuellen Übergriff ihrer Kollegen wehren.

Zum anderen liest man das, was die Beteiligten beim Verhör ausgesagt haben. Wortwörtlich, also im jeweiligen ganz individuellen Stil mit allen Eigenarten, gelenkt durch Gefühle, Prinzipien und natürlich durch die Fragen. Diese muss man sich zwischen den Zeilen selbst herauslesen.

Und auch, wer da gerade spricht. Aber das hat man schnell raus. Was bei den Verhören nach und nach ans Licht kommt, ist vor allem grausam. Offensichtlich gibt es an dieser Schule Kinder, die mit Unterstützung einiger Lehrer Mobbing betreiben – und auch vor schwerer Körperverletzung nicht Halt machen.

Lucias Alltagsszenen und die Verhöraufnahmen wechseln sich ab. Diese Regelmäßigkeit verhindert, dass man den Faden verliert und verleiht dem großen Ganzen viel Glaubwürdigkeit. Von daher raffiniert und lesenswert gemacht.

Mein Fazit:
Trotzdem muss ich Abstriche bei der Bewertung machen. Auch wenn das Thema ein ernstes und gerade für mich als Mutter von schulpflichtigen Kindern ziemlich nah am eigenen Leben ist – es hat mich nicht restlos überzeugt. Irgendetwas fehlt, was aus einer guten Geschichte eine grandios erzählte macht.

Infos zum Buch:
Titel: Ein toter Lehrer
Autor: Simon Lelic
Aus dem Englischen von Stefanie Jacobs
Verlag: Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-50519-9

Dieses Buch hatte ich mir in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Ungewöhnlich, aber (nur) gut

Simon Lelic wählt einen interessanten Stil für seine Geschichte und bringt uns seine Protagonisten näher, als es realen Personen recht wäre. Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht wirklich überzeugen. Schade.

Tags
Zeig mir mehr

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ähnliche Artikel

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden More Info | Ok