Buch: „Drei Worte auf einmal“ von Maria Knissel

Buch: „Drei Worte auf einmal“ von Maria Knissel

„Klaus“, stieß er hervor, „ein Unfall. Wir müssen zu ihm.“ Von einem Moment auf den anderen wird aus dem coolen und unabhängigen großen Bruder einen Pflegefall auf Lebenszeit. Und aus Christopher sowas wie ein verwaistes Einzelkind. Denn seine Eltern kümmern sich ab jetzt nur noch um den großen Bruder.

"Drei Worte auf einmal" beim ©Societätsverlag
„Drei Worte auf einmal“ beim ©Societätsverlag

Zum Inhalt:
Durch einen Motorradunfall wird aus Klaus ein Pflegefall. Wie weit die Behinderung geht und was aus dem großen Bruder werden soll – darüber wollen oder können die Eltern mit dem jüngeren Bruder Christopher nicht reden. Überhaupt ist Chris unsichtbar geworden.

Alles dreht sich nur um Klaus.

Die Eltern sind voll und ganz mit dessen Pflege und eventuellen Fortschritten beschäftigt. Chris fängt an zu klauen, macht Ärger in der Schule oder geht erst gar nicht hin. Er kann tun und lassen was er will – es scheint niemanden zu interessieren.

So gehen die Jahre dahin. Klaus bleibt ein Pflegefall. Die Mutter opfert sich auf, wird selbst krank. Der Vater kämpft um finanzielle Entschädigung und mit seinem Gewissen. Denn manchmal denkt er, dass Klaus besser gestorben wäre.

Was Chris bleibt ist die Musik.

Wenn er sein Saxophon an die Lippen führt, kann er die Sorgen vergessen. Er hat etwas, das nur ihm gehört und mit dem er seinem Inneren Ausruck verleiht. Erst sehr spät entdeckt er noch etwas Wertvolles in seinem Leben: Seine Verbundenheit mit Klaus, die beide in vollen Zügen genießen können.

Meine Meinung:
„Drei Worte auf einmal“ ist schon von den ersten Seiten an keine leichte Kost. Maria Knissel wirft ihren Leser direkt hinein in den Tag, der alles veränderte. Trotzdem oder gerade deswegen schafft sie sofort eine unglaubliche Nähe zu Chris.

„Nein, nein, nein, bitte nicht!“ Diese Worte dachte ich beim Lesen ein ums andere Mal. Weil die Eltern es nicht schaffen, sich neben dem eigenen Trauma und den Sorgen um den großen Sohn auch noch um den kleineren zu kümmern. Das ist einfach nur bitter.

Aber auch ich als Leser blieb nicht verschont. Bekam ich doch eigene Verhaltensweisen , Vorurteile und Unsicherheiten gegenüber behinderten Menschen unter die Nase gerieben. Nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch genaue Beobachtung und Beschreibung der jeweiligen Situation.

Auch Vater Staat und die freie Wirtschaft bekommen ihr Fett weg. Wenn sie Untersuchungen genehmigen aber die Kosten für die daraus folgenden nötigen Behandlungen oder Hilfsmittel nicht zahlen wollen. Oder wenn Medikamente Jahr für Jahr unabhängig von neuen medizinischen Erkenntnissen einfach weiter verabreicht werden.

Herz erwärmend und ganz nebenbei wird aber auch von der tiefen Verbundenheit der Brüder erzählt. Die bleibt selbst an dramatischen Stellen frei von Kitsch, schafft dagegen oft sogar eine gewisse Komik.

Mein Fazit:
„Drei Worte auf einmal“ basiert auf einer wahren Geschichte. Aber auch ohne dieses Wissen, packt dieses Buch seinen Leser und lässt auch nach dem Ende nicht so schnell wieder los. Für manchen mag zu viel Unbequemes enthalten sein. Dank Maria Knissels Schreibstil ist die Geschichte jedoch allemal lesenswert.

Infos zum Buch:
Titel: Drei Worte auf einmal
Autorin: Maria Knissel
Verlag: Societätsverlag
ISBN: 978-3-942921-82-4

"Klaus", stieß er hervor, "ein Unfall. Wir müssen zu ihm." Von einem Moment auf den anderen wird aus dem coolen und unabhängigen großen Bruder einen Pflegefall auf Lebenszeit. Und aus Christopher sowas wie ein verwaistes Einzelkind. Denn seine Eltern kümmern sich ab jetzt nur noch um den großen Bruder. Zum Inhalt: Durch einen Motorradunfall wird aus Klaus ein Pflegefall. Wie weit die Behinderung geht und was aus dem großen Bruder werden soll - darüber wollen oder können die Eltern mit dem jüngeren Bruder Christopher nicht reden. Überhaupt ist Chris unsichtbar geworden. Alles dreht sich nur um Klaus. Die Eltern sind voll…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Eine wahre Geschichte

Maria Knissel erzählt diese Geschichte einfühlsam. Ob sie dabei schonungslos vorgeht, wage ich zu bezweifeln. Denn vieles, was im echten Leben weh tut und Kraft raubt, wird hier nur angedeutet. Das verfehlt seine Wirkung trotzdem nicht. Ein gutes und wichtiges Buch.

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