Buch: „Die Magermilchbande“ von Frank Baer

Buch: „Die Magermilchbande“ von Frank Baer

Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs wurden Hunderttausende von Kindern aus den deutschen Großstädten aufs sichere Land evakuiert. Frank Baer schreibt darüber, was mit den Kindern dieser Kinder-Landverschickung passierte, als es selbst dort nicht mehr sicher war.

"Die Magermilchbande" von Frank Baer bei ©Penguin
„Die Magermilchbande“ von Frank Baer bei ©Penguin

Zum Inhalt:
Peter, Adolf und Max sind KLVs. Als die Luftangriffe auf ihre Heimatstadt Berlin zu heftig wurden, hatten ihre Eltern sie per Kinder-Landverschickung nach Palovice geschickt. Dort wohnen sie mit anderen Berliner Schülern in einem großen Heim.

Bis die Front gefährlich nahe rückt. Dann heißt es plötzlich Koffer packen. Das wichtigste in den Rucksack, den Rest auf einen Pferdewagen. Später geht es mit dem Zug weiter. Der ist zum Bersten voll mit Schülern aus anderen Lagern. Alle wollen zurück nach Hause. Aber sie kommen nicht weit, denn der Zug wird einfach zerbombt.

Zu Fuß geht es weiter.

Schon bald verlieren sie den Anschluss an ihre Klasse. Sie sind auf sich allein gestellt. Betteln um Essen und Unterkunft, treffen auf Flüchtlingstrecks, geschlagene Soldaten, gönnerhafte Sieger und nur wenige Menschen, die es gut mit ihnen meinen.

Unterwegs begegnen sie Tilli. Das kleine Mädchen hat mit angesehen, wie ihre Eltern, ihr Bruder und ihr Pferd abgeschlachtet wurden. Sie ist wild, eigensinnig und ängstlich. Nur zu Adolf, der selbst eher schmächtig ist, fasst sie Vertrauen.

Schließlich stößt noch Bille hinzu. Sie kümmert sich um Tilli und weiß sich zwischen den Jungs zu behaupten. Gemeinsam schlagen sie sich mit kleinen Tricks, größeren Diebstählen, Bettelei und knochenharter Arbeit nach Berlin durch.

Freunde werden sie deshalb jedoch noch lange nicht.

Meine Meinung:
Am Ende von „Magermilchbande“ hat man das Gefühl, diese fünf Kinder mindestens zwei Jahre lang begleitet zu haben. Dabei sind es gerade mal sechs Monate ab April 1945. Unglaublich, wenn man bedenkt, was sie in dieser Zeit durchmachen.

Und unvorstellbar für unsere Generation und erst recht für unsere Kinder. Kinder, die mit dem Auto bis vor die Schultür gefahren werden, ihr eigenes Zimmer haben und eigentlich immer genug zu essen. Die Freundschaften und Hobbys pflegen.

Die Freundschaften zwischen den Kindern im Buch sehen anders aus. Sie sind überlebenswichtig. Sie helfen durch den harten Dienst in der Erntezeit beim Bauern, durch Minensperrgebiet, durch kilometerweite Fußmärsche mit knurrendem Magen und kritische Situationen mit siegreichen Amerikanern und Russen.

Frank Baer erzählt davon, ohne dramatisch zu werden. Selbst als Tilli ihre Eltern verliert, drückt er nicht auf die Tränendrüse. Keines der Kinder hätte es sich erlauben können, sich dem berechtigten Jammer über seine Situation hinzugeben. Und so tut es Baer auch nicht. Was dem Buch sehr zu Gute kommt.

Mein Fazit:
Frank Baers ruhiger Schreibstil macht „Die Magermilchbande“ zu einer einfühlsam erzählten Geschichte über jene Kinder, die sich 1945 auf eigene Faust zurück nach Hause durchgeschlagen haben. Ein Happy End gab es dabei selten. Und auch da bleibt das Buch authentisch.

Infos zum Buch:
Titel: Die Magermildbande
Autor: Frank Baer
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 978-3-328-10064-5

Dieses Buch wurde uns als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

Während der letzten Jahre des Zweiten Weltkriegs wurden Hunderttausende von Kindern aus den deutschen Großstädten aufs sichere Land evakuiert. Frank Baer schreibt darüber, was mit den Kindern dieser Kinder-Landverschickung passierte, als es selbst dort nicht mehr sicher war. Zum Inhalt: Peter, Adolf und Max sind KLVs. Als die Luftangriffe auf ihre Heimatstadt Berlin zu heftig wurden, hatten ihre Eltern sie per Kinder-Landverschickung nach Palovice geschickt. Dort wohnen sie mit anderen Berliner Schülern in einem großen Heim. Bis die Front gefährlich nahe rückt. Dann heißt es plötzlich Koffer packen. Das wichtigste in den Rucksack, den Rest auf einen Pferdewagen. Später geht es…

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Bitte lesen!

"Die Magermilchbande" hat durchaus das Zeug, um im Lehrplan einer 10. Klasse zu stehen. Es zeigt ohne großes Drama den harten Weg zurück nach Hause durch eine feindselige Welt. Hier wurde ein wichtiges Thema sehr lesenswert in Worte gefasst.

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