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Buch: „Die Frau, die liebte“ von Janet Lewis

Deutsche Erstausgabe

„Die Frau, die liebte“ – das klingt nach einem Roman für Frauen, die die Liebe erlesen wollen. Vielleicht mit ganz viel Schicksal, vielleicht auch luftig leicht zum Träumen. Doch Janet Lewis hatte mit ihrem Roman anderes im Sinn. Er erzählt eine wahre Geschichte aus dem 16. Jahrhundert. Einen Fall von Identitätsbetrug und keiner will es wahr haben – nur die Ehefrau hat Gewissensbisse.

"Die Frau, die liebte" bei ©dtv
„Die Frau, die liebte“ bei ©dtv

Zum Inhalt
Antigues im Jahr 1549. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, denn der lange Winter wird einmal mehr zum Heiraten genutzt. Bertrande, die Braut, ist gerade 11 Jahre alt, als sie von ihrem ebenso jungen Bräutigam Martin vor dem Altar steht. Die beiden sollen Frieden in das abgeschiedene Dorf bringen, denn das Bündnis zwischen ihnen eint zwei angesehene Familien.

Jahre später ist sie zur Frau erblüht und zieht auf den Hof ihres Ehemannes. Der wird vom Schwiegervater geführt: Unerbittlich gegen Ungehorsam, aber Sicherheit bietend für alle Bewohner des Gutes. Für den Sohn des Patriarchen kein Zuckerschlecken, denn er soll die Stellung irgendwann übernehmen, muss aber noch über Jahre blind gehorchen.

Eines Tages verlässt Martin den Hof und lässt Bertrande und Sohn Sanxi zurück. Er hat sich dem Willen des Vaters widersetzt und will den  Winter über fortbleiben, damit sich der Zorn des Vaters abkühlen kann. Doch auch nach dem Witner kehrt er nicht zurück. Vater und Mutter sterben und Bertrande übernimmt mit dem Onkel ihres Mannes den Hof.

Bis das Wunder geschieht und Martin zurückkehrt. Die Freude ist groß, vor allem weil die Ferne und die Jahre aus Martin einen sanftmütigen, gerechten Mann gemacht haben. Oder ist es am Ende gar nicht Martin, sondern ein besonders geschickter Hochstapler?

Meine Meinung:
Wem die Geschichte von „Die Frau, die liebte“ irgendwie bekannt vorkommt, kennt wahrscheinlich den Film „Sommersby“ mit Jodie Foster und Richard Gere. Dem diente dieses Buch auch wirklich als Vorlage. Allerdings muss man den Film nicht kennen, um dieses Buch genießen zu können.

Genießen kann es jeder, der gern mit den Protagonisten um Gewissensfragen ringt. Der alte Martin hätte gut und gerne so herrisch werden können wie sein Vater. Der neue ist achtsamer und offensichtlich durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Wäre es da nicht besser, die Zweifel an der Identität beiseite zu schieben und das vollkommene Glück für Familie, Haus und Belegschaft zu genießen?

Mein Fazit:
Janet Lewis hat sich 1941 an die Aktenlage des tatsächlich dokumentierten Falles gehalten. Nach dieser ging die Ehefrau mit Hilfe des Onkels vor Gericht – fest überzeugt, in Sünde zu leben. Janet Lewis lässt auch keinen Herzschmerz aufkommen, sondern lässt die Frau die Sachlage immer wieder auf links krempeln: Ist es mein Mann oder doch ein anderer? Kann ich damit leben, wenn er es nicht ist? Kann ich damit leben, dass ich stets daran zweifeln werde?

Infos zum Buch:
Titel: Die Frau, die liebte
Autorin: Janet Lewis
Mit einem Nachwort von Judith Hermann
Aus dem amerikanischen Englisch von Susanne Höbel
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28155-3

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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