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Buch: „Die Farbe von Milch“ von Nell Leyshon

Das Leben meint es nicht gut mit Mary. Vielleicht sagt sie gerade deshalb immer und jedem, was sie gerade denkt. Sie kann nicht anders, sagt sie selbst darüber und handelt sich ständig Ärger ein. Und das ist in ihrer Welt, in der ein behindertes Mädchen nichts wert ist, tödlich.

Die Farbe von Milch bei ©Eisele
Die Farbe von Milch bei ©Eisele

Zum Inhalt:
Es ist das Jahr des Herrn 1831 als Mary 15 wird. Sie ist eine von vier Töchtern und wächst auf dem Bauernhof ihres Vaters auf. Der führt den Hof und die Familie mit eiserner Hand und duldet nicht die kleinste Freiheit. Schon gar nicht, wenn Mary sich etwas gönnt und sei es nur ein ehrlicher aber unbequemer Kommentar.

Denn Mary hat ein lahmes Bein.

Damit ist sie bei der täglichen Arbeit auf dem Hof eher eine Last als eine Hilfe. Deshalb ist der Vater froh, als er sie als Haushaltshilfe beim Pfarrer unterbringen kann. Der braucht Mary vor allem für seine kranke Frau. Und wirklich kann Mary die Herzen der Familie mit ihrer einfachen aber offenen Art erobern.

Dann stirbt die Frau.

Der Sohn des Hauses hat sein Studium in Oxford begonnen. Die erste Haushälterin wird entlassen. Nun ist Mary mit dem Hausherrn allein. Er bringt ihr das Lesen und Schreiben bei – doch nicht ohne eine Gegenleistung einzufordern. Nacht für Nacht muss Mary mit ihrem Körper für den Unterricht bezahlen.

Doch als sie genug gelernt hat, wehrt sie sich. Mit fatalen Folgen.

Meine Meinung:
„Die Farbe von Milch“ ist ein kleines Büchlein von 206 Seiten, das Cover so unscheinbar, wie die junge Mary in der Geschichte. Aber genau wie Mary nimmt auch dieses Buch kein Blatt vor den Mund und erzählt vom Schicksal eines jungen Mädchen am Anfang des 19 Jahrhunderts.

Dieses Mädchen ist eine einfache Bauerntochter mit Handicap. Und damit noch weniger wert als jedes Mädchen auf einem Bauernhof sowieso schon ist. Aber sie ist mutig genug, stets zu sagen was sie denkt und schlau genug, um Lesen und Schreiben zu lernen.

Dass sie ausgerechnet von einem Mann missbraucht wird, der wegen seiner moralischen Stellung allseits geachtet wird, macht die Sache noch schlimmer. Gerade dieser Person sollte jeder vertrauen dürfen. Dass dieser Mann am Ende sogar davon überzeugt ist, sie beide damit glücklich zu machen, spricht Bände.

Nell Leyshon braucht keine Bände, um ihrer Geschichte Tiefe zu verleihen. Im Gegenteil: Sie lässt Mary in ihrer eigenen einfachen Art die Geschichte erzählen. Nein, schreiben. Und darauf ist das Mädchen spürbar stolz. Sie schreibt ihre Geschichte selbst nieder. Weil sie es kann. Auch wenn es ihr nichts mehr nützen wird.

Mein Fazit:
„Die Farbe von Milch“ ist ein Kleinod, das entdeckt werden will. Wer es einmal in die Hand nimmt, wird sich schwer tun, es wieder aus der Hand zu legen. Ich habe es in einem Rutsch gelesen und es klingt auch jetzt noch nach. So unbedeutend Mary ist, so stark ist die Stimme, mit der sie zu dem Leser ihrer Geschichte spricht. Da mag man sie gar nicht wieder gehen lassen.

Infos zum Buch:
Titel: Die Farbe von Milch
Autorin: Nell Leyshon
aus dem Englischen von Wibke Kuhn
Verlag: Eisele Verlag
ISBN: 978-3-96161-000-6

Dieses Buch habe ich in der Stadtbibliothek Schkeuditz ausgeliehen.

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