Buch: „Die berauschende Wirkung von Bilsenkraut“ von J. F. de Castro

In diesem Buch werden eigentlich zwei Geschichten in einer erzählt. Und beide sind mehr als seltsam, hängen aber doch irgendwie zusammen. Der Sinn des Ganzen erschließt sich zudem erst auf den letzten paar Seiten. Doch bis dahin geht es mehr als ein bisschen verrückt zu. Was nicht nur auf die berauschende Wirkung von Bilsenkraut zurückzuführen ist.

Zum Inhalt:
Bilsenkraut gehört zur Familie der Nachtschattengewächse. Schwarzes Bilsenkraut wird auch Hexenkraut genannt und ist als Rauschmittel bekannt, dessen Wirkung über mehrere Tage anhalten kann. Halluzinationen und Verwirrtheit sind die Folgen wohl dosierten Gebrauchs. Eine Überdosis führt schnell zum Tod. In der Geschichte von de Castro nun geht es recht seltsam zu und dank des Bilsenkrauts noch ein wenig verrückter.

Zwei Motorradfahrer machen Urlaub im spanischen Kantabrien. Mitten im Juli kommt plötzlich ein Unwetter auf, das die beiden Ortsfremden mitten in der Pampa in einem Gasthof stranden lässt. Und während draußen ein Schneesturm tobt, lauschen die beiden Motorradfahrer den Einheimischen, die Geschichten und Legenden aus der Gegend zum Besten geben.

Darunter auch die Legende eines Herrschers, der einen Kanal von Flandern bis nach Spanien bauen will und einen Adligen aus der Gegend damit erst in den wirtschaftlichen Ruin und dann in den Wahnsinn treibt. Der Wahnsinn ist aber auch in der gegenwart nicht allzu weit, als neben üppigen Speisen auch jede Menge Alkohol auf den Tisch kommt – und schließlich auch ein Kräutertrunk mit Bilsenkraut.

Dank des unheilvollen Gemischs verwischen für alle Anwesenden nach und nach die Grenzen zwischen alter Legende und realer Gegenwart. Und so findet eine Nachtwanderung statt, die trotz Eis und Schnee recht gemütlich wird, da man sich immer wieder am Bilsenkrauttrunk gütlich hält und auch hinzu kommende Weggefährten daran teil haben lässt.

Im Laufe der Nacht kommen so nicht nur die illustre Gemeinschaft aus dem Gasthof in den Genuss des berauschenden Getränks, sondern auch Wilderer, Fischdiebe und sogar die Polizei. Doch das Chaos und auch die Erzählung der alten Legende hatten am Ende offensichtlich nur einen ganz bestimmten Zweck: Die Zeit, die man hat, in vollen Zügen zu genießen.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Nun kommt es im Allgemeinen schon nicht allzu oft vor, dass man eine Truppe erwachsener Männer begleiten darf, die sich vollkommen high mitten in der Nacht scheinbar ohne Sinn und Verstand durch unwegsames Gelände schlägt. Aber so, wie de Castro diese Geschichte aufzieht, fällt es selbst vollkommen nüchtern schwer, Legende und gegenwärtiges Geschehen auseinander zu halten.

Das eine wird mehr als einmal vom anderen unterbrochen und sei es nur für die natürliche Notdurft. Zudem betont selbst der Geschichtenerzähler in der Geschichte, dass er nicht chronologisch erzählt. Wie auch, mit 3,8 Promille auf dem Kessel und so high wie eine  ganze Kompanie Hippies auf einem Friedenshappening.

Es ist also überaus verwirrend, den Figuren de Castros auf ihrer Reise durch die bilsenkraut-berauschte Nacht zu folgen. Das hält wahrscheinlich auch nur jener Leser aus, der eine ordentliche Portion Neugier auf das Ende der Legende mitbringt und den komplizierten Interaktionen zwischen den Beteiligten nicht zu genau folgen will. Man verliert hier aufgrund umfangreichen Redeschwalls durchaus schnell mal den Überblick.

Das Ende jedoch hält eine kleine Überraschung bereit, die dem ganzen doch wieder einen Sinn gibt. Und sich unheilschwanger schon per Klappentext ankündigt, wenn es heißt: „Sich zusammenzusetzen, um eine gute Erzählung zu hören, ist eine sehr gemütliche und unterhaltsame Form, den Einbruch des Unvermeidlichen, solange es geht, hinauszuzögern.“

Mein Fazit:
Das Buch „Die berauschende Wirkung von Bilsenkraut“ ist für mich so ungewöhnlich wie sein Titel. Wer Lust auf etwas extravagant Abgefahrenes hat, liegt hier genau richtig, denn so eine Geschichte und diesen Schreibstil bekommt man nicht alle Tage vorgesetzt. Leider wird die Legende um den „Hinkefuß“ für meinen Geschmack nicht verständlich genug erzählt. Das Ende der Geschichte macht diesen Makel nur bedingt wieder wett, weshalb ich nur vier von fünf Sternen vergebe.

Infos:
Titel: Die berauschende Wirkung von Bilsenkraut
Autor: Javier Fernandez de Castro
Aus dem Spanischen von Timo Berger
ISBN: 978-3-8031-1297-2

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Kategorie Bücher, Roman, Spezielles
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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