Buch: „Der Duft von Kaffee und Kardamom“ von Badreya El-Beshr

Wie leben Frauen in Saudi Arabien, wenn sie ein eigenständiges Leben führen wollen? Welche Wege finden sie, ihre Interessen zu verwirklichen? Und warum gibt es immer noch so viele Menschen, die unverrückbar an den alten Traditionen und Rollen der arabischen Welt festhalten? „Der Duft von Kaffee und Kardamom“ liefert Antworten, verpackt in einen vielschichtigen Roman.

"Der Duft von Kaffee und Kardamom" beim ©Alawi Verlag

„Der Duft von Kaffee und Kardamom“ beim ©Alawi Verlag

Zum Inhalt:
Hind arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Krankenhaus in Riad. Ihrer strengen Mutter zuliebe trägt sie Vollverschleierung bis sie ihr Büro betritt. Dann aber zeigt sie ihr Gesicht – in vielfacher Hinsicht.

Sie liest Bücher über das Christentum. Sie behandelt Frauen als eigenständige Persönlichkeiten. Sie redet mit ihren Kolleginnen offen über Dinge, die in ihrer Welt nur den Männer vorbehalten sind. Und sie träumt von Unabhängigkeit und einer neuen Liebe.

Denn Hind lebt getrennt von ihrem Mann. Er hat es nie verwunden, dass sein erstes Kind ein Mädchen ist und lässt Frau und Kind meist allein. Deshalb lebt Hind mit ihrer Tochter May bei der Mutter.

Doch die ist nicht nur konservativ und zutiefst religiös. Sie ist auch verbittert und beschimpft ihre Töchter von Kindheit an als Schande. Sie wacht unerbittlich über Hind und schikaniert sie, sobald diese versucht, ein eigenständiges Leben zu führen. Wohl weil sie selbst viel zu früh Ehefrau und Mutter werden musste.

Hind kennt ihre Geschichte und die Geschichten der anderen Familienmitglieder. Es sind Geschichten von Sklaverei, unerwarteter Freiheit, Enttäuschung, Gewalt und umfassende Einschränkungen durch die Traditionen und den Glauben der Menschen in Saudi Arabien.

Nur wenn der Duft von Kaffee und Kardamom in der Luft liegt, ist die Welt für Hind wirklich in Ordnung. Mit diesem Duft verbindet sie Geborgenheit und das Eintauchen in eine Vielzahl von wahren und erfundenen Geschichten. Und so findet sie zum eigenen Schreiben und Erzählen – als befreiende Macht für ihre Seele.

Meine Meinung:
Der Anfang war schwer. Badreya El-Beshr beschreibt mit blumigen Worten den Beginn eines neuen Tages – in einem Ausmaß, das ein auf Effizienz gedrillter Europäer erstmal aushalten muss.

Doch die Einleitung sollte man ruhig als Einstimmung auf eine andere Welt nutzen. Denn die Autorin findet bald den Übergang zu den Lebensgeschichten ihrer Familienmitglieder. So lernt man die Menschen in Hinds Umfeld kennen und kann nachvollziehen, warum sie wurden wie sie sind.

Dazwischen erleben wir den Alltag in Riad im Jetzt. Hind geht zur Arbeit, kümmert sich um ihre Tochter, kämpft gegen die Schikanen ihrer Mutter und trifft Freunde, die ihr gut tun. Die Gepflogenheiten der Muslime bekommt so ziemlich lebensnah erzählt.

Natürlich hätte die Autorin durchweg die Unterdrückung der Frauen beklagen können. Stattdessen zeigt sie dem Leser, wie die junge Generation und vor allem die Frauen sich ihre Schlupflöcher sucht. Und sich immer weiter vorwagt in eine liberale Welt, in der Frauen gleichberechtigter sind.

Das blumige Beschreiben von der Einleitung bleibt dabei erhalten. Gefühle, Eindrücke, Szenen werden nicht einfach nur beschrieben, sondern mit lebendigen Metaphern verstärkt. Das war neu für mich, aber nicht unangenehm.Ich musste mir nur die Zeit und Ruhe nehmen, um mich darauf einzulassen.

Mein Fazit:
In „Ein Hologramm für den König“ lässt Tom Tyker seine weibliche Hauptfigur sagen: „Es ist nur ein hauchdünner Schleier, der uns voneinander trennt.“ Die Autorin Badreya El-Beshr hat diesen Schleier für uns angehoben, so dass wir einen ausführlichen Blick auf die Kultur und alltäglichen Gepflogenheiten der arabischen Welt werfen können. Und dieser Blick lohnt sich – allein schon für das Verstehen.

Infos zum Buch:
Titel: Der Duft von Kaffee und Kardamom
Autorin: Badreya El-Beshr
Verlag: Alawi Verlag
ISBN: 978-3-941822-32-0

Dieses Buch habe ich mir auf der Leipziger Buchmesse selbst gekauft.

Wie leben Frauen in Saudi Arabien, wenn sie ein eigenständiges Leben führen wollen? Welche Wege finden sie, ihre Interessen zu verwirklichen? Und warum gibt es immer noch so viele Menschen, die unverrückbar an den alten Traditionen und Rollen der arabischen Welt festhalten? "Der Duft von Kaffee und Kardamom" liefert Antworten, verpackt in einen vielschichtigen Roman. Zum Inhalt: Hind arbeitet als Sozialarbeiterin in einem Krankenhaus in Riad. Ihrer strengen Mutter zuliebe trägt sie Vollverschleierung bis sie ihr Büro betritt. Dann aber zeigt sie ihr Gesicht - in vielfacher Hinsicht. Sie liest Bücher über das Christentum. Sie behandelt Frauen als eigenständige Persönlichkeiten.…
Es ist wichtig, die Stimmen arabischer Frauen zu hören. Sie sind in der Lag, nicht nur den eigenen Schleier zu lüften, sondern auch den auf ihr Leben mit dem islamischen Glauben. Sie können die besten Antworten auf die Fragen zu ihrer Rolle in der arabischen Kultur geben. Weil sie den Weg dorthin kennen. Schon allein deshalb ist dieses Buch gut und wichtig.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung
Sprache

Anders aber wichtig.

Es ist wichtig, die Stimmen arabischer Frauen zu hören. Sie sind in der Lag, nicht nur den eigenen Schleier zu lüften, sondern auch den auf ihr Leben mit dem islamischen Glauben. Sie können die besten Antworten auf die Fragen zu ihrer Rolle in der arabischen Kultur geben. Weil sie den Weg dorthin kennen. Schon allein deshalb ist dieses Buch gut und wichtig.

Kategorie Bücher, Gegenwartsliteratur, Roman
Tina
Autor

Tina liebt gute Geschichten und da vor allem interessante Lebensgeschichten. Deshalb liest sie viele Bücher, geht gern und oft ins Kino und studiert neben Job und Kindern Kulturwissenschaften (Literatur und Geschichte) in Teilzeit und aus der Ferne. Abgesehen davon mag sie entspannte Wochenenden mit den Kindern, Cappuccino mit Freunden und das Meer.

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