Buch: „Das Seehospital“ von Helga Glaesener

Frida möchte Ärztin werden. Doch das klingt im Jahr 1920 für die Leute nach Flausen und nicht nach einem Lebensplan. Vor allem für ihre Familie auf Amrum. Als Fridas Großvater stirbt und sie zurück auf die Insel muss, scheint man es ihr noch schwerer machen zu wollen, als es zu der Zeit eh schon ist, ihren Traum wahr werden zu lassen. Und das Seehospital soll auch geschlossen werden.

"Das Seehospital" bei ©rororo

„Das Seehospital“ bei ©rororo

Zum Inhalt:
Natürlich muss Frida zu dieser Beerdigung, aber die rechnet fest damit, dass sie dem Studium höchstens zwei Wochen fernbleiben wird. Doch nichts verläuft nach Plan: Erst gibt es kein Testament, dann fällt das Erbe geringer aus, als erwartet und vor allem nötig und dann soll auch noch das Seehospital geschlossen werden.

Das Seehospital hatte ihr verstorbener Großvater zum Andenken an seinen Sohn, Fridas Vater, gestiftet. Dieser war auf See geblieben, als er einem anderen in Seenot geratenen Schiff zu Hilfe kam. Das Seehospital nimmt Kinder vom Festland auf, die an Krankheiten leiden, bei denen das Hochseeklima auf der Insel gute Chancen auf Genesung bietet.

Doch nun ist kein Geld mehr dafür da und Frida kann nur mit Mühe die Schließung verhindern. Eine vorteilhafte Heirat soll die Familie und das Hospital retten. Keine der drei Schwestern ist erpicht darauf, den wohlhabenden, aber ältlichen von Rathen zu heiraten. Zuerst verschwindet Louise in einer waghalsigen Nacht und Nebel Aktion nach Hamburg.

Und auch Fridas jüngste Schwester Emma greift in ihrer Verzweiflung zu radikalen Mitteln. Fridas Bruder Christian macht alles nur noch schlimmer, statt zu helfen. Und so ist Frida plötzlich nur noch damit beschäftigt, die Familie zusammenzuhalten. Wird sie es schaffen, ihr Studium fortzusetzen und ihren Traum zu verwirklichen. Oder wird vorher alles in die Brüche gehen?

Meine Meinung:
„Das Seehospital“ führte mich auf die Nordseeinsel Amrum und in die Hafenstadt Hamburg – zu einer Zeit, als die Deutschen noch dabei waren, den Ersten Weltkrieg und seine Folgen zu verdauen. Ein großes Thema dabei ist der allgegenwärtige Hunger in ganz Deutschland und das Fehlen von zahlungskräftigem Publikum für Touristenziele wie Amrum.

Gerade für Frauen war es schwer, ihren Platz im Leben zu finden. Zum einen wollte sie die Gesellschaft am liebsten wieder an Heim und Herd binden, um die alte Ordnung wieder herzustellen. Das ließen sich die Frauen aber nicht mehr gefallen, nachdem sie im und nach dem Krieg die Männer in vielen Berufen ersetzen mussten. Zum anderen strebten die Frauen nun auch in neue Positionen, die zuvor nur Männern vorbehalten waren.

So eben auch die Position der Ärztin. Frauen waren im Medizinstudium noch sehr selten und hatten mit vielen Vorurteilen gegen sie zu kämpfen. Dass Frida sich hier durchsetzt, ist schon eine Leistung. Alte Gepflogenheiten wie das finanziell vorteilhafte Verheiraten der Töchter machen ihr allerdings einen Strich durch die Rechnung und bringen die Familie in Gefahr: Sei es in Hamburg zwischen Kokain und leichten Mädchen oder auf der beschaulichen Insel, wo nichts so viel Wert hat, wie der gut Ruf.

Mein Fazit:
Helga Glaesener zeichnet ein lebendiges Bild dieser Zeit. Das Seehospital hält zwar vorhersehbare Schwierigkeiten bereit, aber vor allem im letzten Drittel holt die Autorin noch einiges an Spannung und interessanten Wendungen heraus. Wer einen schönen Schmöker fürs Nordsee-/Insel-Feeling sucht und die Zwanziger Jahre mag, hat mit diesem Buch gute Unterhaltung gefunden.

Infos zum Buch:
Titel: Das Seehospital
Autorin: Helga Glaesener
Verlag: rororo
ISBN: 978-3-499-27410-7

Dieses Buch wurde uns vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

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