Buch: „Zuversicht“ von Mira Magén

Buch: „Zuversicht“ von Mira Magén

Was tut man, wenn einem auf einen Schlag Mann und Sohn genommen werden? Wie lebt man weiter? Kann man je wieder Glück empfinden oder hat man sein Pensum an Leben dann auch mit nicht einmal 40 Jahren schon erreicht?

"Zuversicht" beim ©dtv Verlag
„Zuversicht“ beim ©dtv Verlag

Zum Inhalt:
Nava ist 39 als ein Autounfall sie zur Witwe und verwaisten Mutter macht. Sie ist fest überzeugt davon, dass sie vom Leben nun nichts mehr zu erwarten hat – und das Leben nichts von ihr. Also gibt sie Ihren Job als Innenarchitektin auf und setzt sich in einem Supermarkt an die Kasse.

Sie verlässt das viel zu leere Zuhause und zieht ins betreute Wohnen. Hier muss sie sich um nichts kümmern, bekommt ihre Mahlzeiten vorgesetzt und läuft nicht Gefahr, Menschen in ihrem Alter oder kleinen Kindern zu begegnen. Doch die alten Menschen dort sind nicht alle mit ihrer Anwesenheit einverstanden.

Verschwendung von Lebenszeit und Beleidigung der Lebensfülle der anderen Bewohner, so nennen es einige. Und doch finden sich auch dort Menschen, die Nava aus ihrem Schneckenhaus locken. Die einen mit ihrer unerschütterlichen Fürsorglichkeit, die anderen mit klaren Worten.

Und auch außerhalb der Wohnanlage findet Nava Leben, in das sie hineingezogen wird, von dem sie sich mitreißen lässt und dem sie nicht ausweichen kann. Denn so sehr sie sich auch auf ihr Leid beruft, hat doch jeder sein Päckchen zu tragen. Und das Leben noch so einiges mit Nava vor.

Meine Meinung:
„Zuversicht“ ist das, was Nava für sich kategorisch ausschließt. Es kann einfach nie wieder gut werden. Nur noch schlechter. Deshalb hat sie auch für andere nichts mehr zu bieten und will sie von sich fern halten.

Obwohl sie sich immer wieder genau darauf beruft, kommen ihr die Menschen nahe. Obwohl sie mit dem Leben abgeschlossen hat, spielt sie doch mit den Möglichkeiten. So lebt sie nur halb und stirbt auch nicht ganz. Logisch, dass das Leben und die Menschen um sie herum das nicht lange mitmachen.

Mira Magén erzählt diese Entwicklung auf ihre ganz eigene Art. Bei den Satzzeichen gibt es vor allem Kommata, nur wenige Punkte. Auch Dialoge werden so in den Fluss der Worte eingebaut. So ist oft unklar, ob Nava gerade nur für sich gedacht oder laut geredet hat. Das ist sicher nicht jedermanns Sache.

Mein Fazit:
„Zuversicht“ stellt eine Frage, die zum schlimmsten „Was wäre, wenn“ gehört, das man sich als Eltern vorstellen kann: Was wäre, wenn mir meine Liebsten genommen werden? Die Antwort steckt im Titel des Buches – aber der Weg dorthin ist weit. Und bei Mira Magén mit vielen verschachtelten Sätzen gepflastert.

Infos zum Buch:
Titel: Zuversicht
Autorin: Mira Magén
Aus dem Hebräischen von Mirjam Pressler
Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-28151-5

Dieses Buch wurde uns als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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