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3 Millionen Frauen in der Rolle der Geliebten – Interview mit Stephanie Urbat-Jarren

Die Geliebte ist in einer Affäre immer die Böse, die eine Beziehung kaputt macht. Bei Stephanie Urbat-Jarren ist die Geliebte dagegen einfach nur eine Frau, die sich in einen anderweitig vergebenen Mann verliebt hat. Im Interview spricht sie nun über ihr Buch „Seelenband“, über die Chancen einer Geliebten auf eine glückliche Beziehung und über Männer in der Rolle des Zweitmannes.

In „Seelenband“ geht es um eine Affäre aus der Sicht der Geliebten. Wie kam es zu dem Buch?
Die Idee zu Seelenband kam durch die „Gefühlsgeschichten“, die ich auf meinen Blog gestellt habe. Ich bekam viele Rückmeldungen von Lesern, die mich fragten ob ich Ihre Geschichte erzählen würde. Ich wurde aufmerksam, fing an, zu recherchieren und war selber verblüfft, wie viele Frauen alleine in Deutschland die Rolle der „Geliebten“ einnehmen. Es sind fast 3 Millionen – Dunkelziffer unbekannt.

Erschreckend war für mich zu erkennen, dass sich die meisten Geschichten deckten. Jede dachte »Bei uns ist es anders, es ist etwas Besonderes«, aber es waren zwar andere Orte, andere Personen, aber die Geschichten – bis auf wenige Abweichungen – immer dieselben.

Stephanie Urbat-Jarren
©Stephanie Urbat-Jarren

Wo ist der Unterschied zwischen einem männerklauenden Vamp und der Geliebten, wie Sie sie beschreiben?
Der Unterschied liegt in genauen 5 Buchstaben „Liebe“. Die Frauen, die die Rolle einer Geliebten einnehmen, verlieben sich in den Mann. Sie hoffen auf eine gemeinsame Zukunft. Der Vamp nimmt sich was er will, aber ohne Gefühl. Vielleicht manchmal die bessere Position?

Welche Reaktionen haben Sie auf ihr Buch „Seelenband“ bekommen?
Seelenband wird natürlich hauptsächlich von „Betroffenen“ gelesen. Was eigentlich sehr schade ist, denn ich glaube, dass Seelenband ein viel größeres Publikum anspricht. Es ist kein Ratgeber, sondern eine Geschichte, die um Liebe, Verlangen, Sex, Selbstaufgabe aber auch um Selbstachtung geht und das betrifft nicht nur die Position der Geliebten /des Geliebten, sondern jeden von uns, der in einer Zwischenmenschlichen Beziehung steckt.

Haben sich auch Männer zu Wort gemeldet, die sich in der gleichen Situation wie die Geliebte befinden? Gehen Männer mit der Rolle als Zweitmann anders um als Frauen in der Rolle der Geliebten?
Ja, ich habe viele Reaktionen von Männern bekommen und auch diese leiden genau so wie wir Frauen, wenn Liebe im Spiel ist. Liebe macht nicht nur mit uns Frauen komische Dinge. Es ist fast wie verrückt werden, nur anders:)

Was muss passieren, damit sich eine Geliebte oder hörige Frau aus solch einer ungesunden Beziehung lösen kann?
Sie muss es selber erkennen. Es nützt gar nichts, wenn sie gut gemeinte Ratschläge von Freunden oder der Familie bekommt. Irgendwann kommt der Moment, in dem man sich fragen muss „Bin ich glücklich in der Situation, in der ich mich befinde?“ Wenn man mit „Nein“ antwortet, dann sollte klar sein, dass sich etwas verändern muss.

Glauben Sie, dass eine Beziehung, die aus einer Affäre entsteht, etwas werden kann? Hat man da nicht die (begründete) Befürchtung, selbst zur Betrogenen/zum Betrogenen zu werden?
Ich habe Frauen kennengelernt, die heute glücklich mit dem Mann sind, der sich tatsächlich von seiner ersten Frau getrennt hat, aber auch gegenteiliges. Es ist ja so, dass man sich als Geliebte eine Traumwelt aufbaut. Sich ausmalt, wie es sein wird, wenn er immer um einen ist. Die Realität sieht doch meistens ganz anders aus. Der Traummann, um den man so lange gekämpft hat entpuppt sich vielleicht doch als chipsessender Couchpotatoe, der seine Socken nicht wegräumt und plötzlich gar nicht mehr so aufmerksam ist, wie damals bei den spannenden, geheimen Treffen. Es gibt sicher beide Seiten, aber ich glaube, dass die wenigsten eine reelle Chance haben.

Könnten Sie sich nach dieser Geschichte vorstellen, eine solche Affäre auch aus der Sicht des Mannes zu schreiben? Was müsste drin stehen, damit der Mann, der seine Partnerin betrügt, weder im Klischee noch am Pranger landet?
Die Idee ist da und mein Verlag und ich haben auch schon über das Projekt gesprochen. Ich glaube da ist einiges an Recherche fällig (Vielleicht sollte ich mir einen Geliebten zulegen?)

Nein, im Ernst, ich denke, dass man das sehr gut umsetzen kann und auch hier gilt es, klar zu machen, dass sich ehrliche Gefühle dahinter verbergen. Wenn es Liebe ist, dann kann man nichts dagegen tun, denn Liebe hat jedes Recht der Welt. Leider ist unser Leben sehr kurz und ein Großteil dieses Lebens handelt im Wesentlichen von vergeudeter Zeit. Deswegen muss man sich selber bewegen, wenn man etwas bewegen will. Was passiert, wenn wir einfach so weiter machen, mit dem Wissen, dass da ein Mensch ist, der einen liebt, den man selber liebt, aber festhalten an längst vergangenen Versprechen? Wem muss man ehrlich gegenüber sein? In erster Linie immer sich selber, oder?

Verraten Sie uns etwas über Ihr nächstes Projekt: Wird es ein neues Buch geben? Bleiben Sie Ihrem Genre treu?
Zunächst haben der Verlag 3.0 und ich ein wunderbares Buchprojekt zu Gunsten von „Aktion Benni“ geplant. Die Deutsche Duchenne Stiftung und die aktion benni & co e.V. setzen sich dafür ein, die Forschung zur Entwicklung von Therapien bei Duchenne Muskeldystrophie zu forcieren und die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern. Ich hoffe es wird ein großer Erfolg.

Des Weiteren mag ich es, über Gefühle zu schreiben, auch über Sex und Tabus. Jedoch gehört mein Herz weiterhin der Fantasie und dem Magischen. Es wird also in absehbarer Zeit ein Fantasie-Roman kommen, ein Spiele-Projekt steht an und auch ein Roman für Erwachsene ist in Arbeit. Es ist viel zu tun, aber es bringt auch verdammt viel Spaß.

Ein Schlusswort: Was möchten Sie meinen Lesern mit auf den Weg geben?
Diese Woche habe ich nach langer Zeit mal wieder ein Zitat von Mark Twain gelesen. Ich denke das passt ganz gut:
„Das Leben ist kurz. Breche die Regeln, vergebe schnell, küsse lang, liebe ehrlich, lache viel!“

Und aus Seelenband „Kein Mensch auf der Welt ist es wert, sich für ihn kaputt zu lieben“

Seelenband
Seelenband bei ©Verlag 3.0

Stephanie Urbat Jarren:
Stephanie Urbat-Jarren, geboren 1975 in Hamburg, lebte zeitweise in Amerika und Frankreich. Zurück in Hamburg arbeitete sie lange als Account Managerin. Heute beschäftigt sie sich neben Familie und Beruf intensiv mit dem Schreiben und veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten sowie Kinder- und Jugendbücher.

Infos zum Buch:
Titel: Seelenband – Die Geschichte einer Geliebten zwischen Herz und Verstand
Autorin: Stephanie Urbat-Jarren
Verlag: Verlag 3.0
ISBN: 978-3-944343-00-6

Hier geht es zu meiner Rezension von „Seelenband“.

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ommentare

  1. Ich denke dass die Dunkelziffer weit höher liegt, sehr weit höher.
    Und ich denke auch, dass, wenn man nicht in dieser Situation ist, schwer was dazu sagen kann. Ich glaube nicht dass immer die 3. Person die böse ist,…

    lg S.

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