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Vom Älterwerden und kaputten Knien

„Papas Knie ist auch kaputt. Jetzt macht alt werden keinen Spaß mehr.“ Das schrieb mir letztens meine Mama. Meine Antwort darauf: „Wenn es nicht das gleiche Knie wie bei dir ist, könnt ihr ja schon mal den Dreibeinlauf üben.“ Zum Glück nimmt sie so etwas noch mit Humor.

Mit 10 mehr Junge als Mädchen ©Tulpentopf
Mit 10 mehr Junge als Mädchen ©Tulpentopf

Dass ich dann aber doch über das Älterwerden nachdachte, liegt sicher auch an der Blogparade von Frau Quadratmeter zu eben jenem Thema. Und an der Tatsache, dass meine große Tochter mit ihren 9 Jahren inzwischen Schuhgröße 36 trägt und in der Damenabteilung des Schuhladens wildern geht. Und daran, dass mir der Junior regelmäßig aus einem Kinderbuch vorliest.

Ja ich weiß, er hatte letztes Jahr Einschulung. Ich war dabei. Und die Große wird dieses Jahr 10, hat ein Handy und bald einen Computer und braucht morgens länger als ich, um sich hübsch zu machen. Aber hallo: Wann sind die so groß geworden?

Denn wenn die schon so groß sind, dann bin ich auch schon ganz schön… alt. Echt jetzt? Ich weiß nicht so recht. Ja ich gehe auf die 40 zu. Zumindest werde ich in zwei Jahren diese nächste große Null erreichen. Aber ich fühle mich noch so, als hätte ich jede Menge Leben vor mir.

Mehr als hinter mir liegt. Und dieser Blick zurück macht mich auch nicht traurig. Denn ich glaube, ich habe in jedem Alter genau das so richtig ausgekostet, was man da halt so macht.

Ganz am Anfang war ich Kind. Ich hatte nicht viele Freunde, aber genug um das zu spielen, was mir Spaß machte. Ich hatte einen Hund, mit dem ich allein durch Obstplantagen stromerte und in meiner Fantasie die wildesten Abenteuer erlebte.

Mit 18 ziemlich frech ©Tulpentopf
Mit 18 ziemlich frech ©Tulpentopf

Wild war ich auch als Teenager. Mit der Bahn zur Disco, zu Fuß zum Schützenfest und nachts irgendwann mit einem motorisierten Verehrer zurück. Liebeskummer, Zickenterror und alkoholbedingte Filmrisse inklusive. Dabei aber immer noch gut in der Schule.

Das erste eigene Auto hat keine 5000 Kilometer mit mir überlebt. Die erste Ausbildung ließ mich jedoch noch viele Kilometer mehr durch Ostdeutschland tingeln. Dass ich nicht im Außendienst bleiben würde, war mir aber klar, denn ich wollte Familie.

Die wollte manch Kerl in meinem Leben auch. Aber es mussten erst acht Semester Studium vergehen, bevor ich das auch wollte. Dass die Beziehung nicht hielt ist eine Sache, aber die Kinder kamen zur rechten Zeit. Denn ich glaube, dass ich heute im richtigen Alter für ihre jetzigen Bedürfnisse bin.

Mit Anfang Zwanzig hätte ich keine Nerven für Babykram gehabt. Jetzt habe ich die auch nicht. Zumindest schau ich mir Babys lieber von weitem an und werde alles, nur nicht wehmütig. Niedliches Gebrabbel, angesabberte Sachen und Laufenlernen – damit bin ich durch.

Mit 31 dann zweifache Mama
Mit 31 dann zweifache Mama

Ich genieße es, dass meine Kinder langsam groß werden. Auch wenn mir die pubertären Schübe der Tochter manchmal das Gefühl haben, vor einer Prüfung zu stehen. Bald zeigt sich, was die vergangenen Jahre Erziehung gebracht haben und dann wird der Einfluss auf ihre Entwicklung geringer.

Wenn dann auch der Junior zum Teenager gereift ist, kommt diese Prüfung ein zweites Mal. Aber eben auch neue Freiheiten. Wenn sie allein losziehen und nur noch zum Essen, Rumhängen und Schlafen nach Hause kommen, habe ich wieder mehr Freiheiten. Zumindest in meiner Vorstellung.

Und ich glaube auch, dass ich in den kommenden Lebensabschnitten genau das machen werde, was man da am besten macht. Vielleicht mehr Theater, noch mehr Kino und nicht umsonst habe ich da ja ein Studium angefangen, dass mich mindestens sechs Jahre beschäftigen wird. Ich freu mich auf alles was da kommt.

Auch wenn mein Leben nicht so verlaufen ist, wie ich mir das irgendwann mal gedacht habe und genauso wenig planbar weitergehen wird: Ich bin zufrieden. Daran können auch graue Haare (hab ich seit meinem 20. Lebensjahr) und Falten (stopfe ich mit Wohlstandsspeck aus) nichts ändern.

Vielleicht hab ich dann auch irgendwann Knie. Oder Rücken. Oder noch öfter Kopf als jetzt. Dann werde ich wohl einen flotten Spruch von meinen Kindern kassieren. Schließlich hat Sky du Mont in seinem Buch schon klar gestellt, dass das Älterwerden nichts für Spaßbremsen ist. Und selbst meine Mama hatte die passende Antwort für mich: „Wer den Schaden hat…  ;-)!“

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