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Fernstudium: Ödipus und andere Komplexe

Wie stark ausgeprägt ist eigentlich euer Ödipuskomplex? Landläufig meint man ja, es ginge dabei nur um Inzestwünsche mit der Mutter. Aber in Sachen Ödipus kann man auch noch ganz andere Komplexe entwickeln. Und die sind alle nicht schön.

Ich berichtete ja hier bereits, dass der aktuelle Studienbrief den Ödipus-Mythos behandelt. Und auch wenn der nicht prüfungsrelevant ist, wollte ich dennoch von vorne bis ganz hinten durcharbeiten, was der nun mit Geschichtswissenschaften zu tun hat. Sieht ja auf den ersten Blick eher nach Literatur aus.

Aber hey, ich hab die Botschaft verstanden.

Ein und derselbe Mythenstoff wird im Laufe der Geschichte immer wieder neu geschrieben. Dabei muss sich nicht mal die Handlung selbst großartig ändern. Es reicht, dass jener Dichter den Fokus auf das eine und dieser Tragödienschreiber zweihundert Jahre später auf etwas völlig anderes fixiert ist.

Also den einen empört der Vatermord viel mehr als der Mutterinzest. Und der nächste braucht noch unbedingt eine Liebesgeschichte mittendrin – um dann doch nur wieder für die Pflicht eine Lanze zu brechen. Aber wenn irgendjemand in einer Tragödie wie Ödipus glücklich wird, dann wäre es wohl keine.

Ich muss gestehen, dass ich gar nicht wusste, wie viele Bearbeitungen der Ödipus-Geschichte es gibt. Sophokles, Seneca, Corneille, Schelling und irgendwo dazwischen auch noch eine bedeutende Fassung von einem unbekannten Autor. Und das sind nur die, die der Dozent für beachtenswert hielt.

Ich hatte natürlich auch immer noch den von Bodo Wartke im Hinterkopf. Bis gegen Ende der 90 Seiten Ödipus auch noch der Herr Sigmund Freud dazu kam. Wir alle sind also von Kindesbeinen an in das geschlechtliche Gegenstück unseres Elternpaares verknallt und haben dies nur mehr oder weniger gut verdrängt.

Das muss ich erstmal verarbeiten.

Bei all diesen komplexen Komplexbetrachtungen hatten sich bei mir ja sowieso einige Komplexe eingestellt. Zum Beispiel der, dass sich irgendwie kein Workflow einstellen wollte. Nun zumindest dieser ist verarbeitet und abgelegt.

Ich habe nämlich wieder richtig Bock aufs Studium. Hoffentlich finde ich auch die Zeit dafür.

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