LebenStudium

Fernstudium: Klausur-Special Nr. 3

„Ich flieg mit dir, mein Herz, wohin du willst, mein Herz, sag mir nur, wo ich steh!“ Diesen bescheuerten Text hatte ich in meinem Kopf, unterlegt mit besten Schlager-Uftata. Keine Ahnung, ob es diesen Schlager wirklich gibt, aber er quälte mein Hirn direkt nach der Klausur ein paar schmalspurige Stunden lang. Und das war nicht das einzige Dilemma.

Wir erinnern uns: noch letzte Woche schrieb ich hier davon, dass so eine Prüfung gaga macht. Weil Alltagsdinge und Fachbegriffe lustig durcheinander purzeln. Das blieb so bis exakt 20 Minuten vor Beginn der Klausur. Als der Typ mit dem versiegelten Alukoffer, also mit den Klausuren, den Hörsaal betrat und feststellte, dass da ganz schön viele den Schwanz eingezogen hätten.

Da war mein Kopf schlagartig leer.

Also noch leerer als der Hörsaal, denn der war immerhin zur Hälfte besetzt. In meinem Kopf herrschte von jetzt auf gleich gähnende Leere. Begleitet vom klack-klack-klack-klack-klack des Plastik-Fächers der Dame vor mir, der es offensichtlich um einiges zu heiß herging. Ein nervtötendes Geräusch, für das ich mich später mit sodbrennenbedingtem Aufstoßen revanchierte. Beides endete im Laufe der Bearbeitung der ersten Aufgabe.

Zum Glück kam auch mein Gehirn wieder in Gang sobald es die Fragen sah. Im Bereich Alteuropa waren alle drei von den drei Fragen schon mehr als einmal dagewesen: „Ordnung durch Ungleichheit“ nach Oexle, Ständemodelle im Verlauf und ihre Unterschiede und natürlich die Frage nach Adel und Klerus als Geburtsstand.

Die Neuere Geschichte zeigte mir dann die Gefahren von „Mut zur Lücke“. Beinahe hatte ich diese Lücke zu groß angesetzt, denn Pierre Noras Erinnerungsorte hatte ich vergessen zu lernen – hatte also auch kaum Erinnerungen an irgendetwas Handfestes zu diesem Thema. Auch die Frage zu neueren Forschungsperspektiven und Subdisziplinen hätte ich nicht beantworten können. Zum Glück wurde auch nach den methodischen und politischen Problemen der Zeitgeschichte gefragt, wozu ich doch einiges zu sagen wusste.

Zu den Aufgaben bei der Außereuropäischen Geschichte hatte es im Modulforum einen Wink mit der Zaunfabrik gegeben, der nun all jene beglückte, die dort fleißig mitgemacht hatten. Damals hieße es, Kolonialismus-/Imperialismusformen seien klausurrelevant. Und wirklich war das Frage Nummer eins auf diesem Gebiet. Trotzdem schwankte ich kurz zwischen „Transfer und Transformation am Beispiel der Mission“ und der „Bedeutung von Reiseberichten für Historiker“, entschied mich dann auch für letzteres.

Und schrieb und schrieb und schrieb.

Drei Stunden lang im konzentrierten Tunnelblick auf weißes Papier mit Linien. Und schmerzenden Fingergelenken. Und anschließend sehr leerem Kopf. Leerer als vorher. Also wirklich hohl, mit Mehrfach-Echo oder vielleicht nichtmal das.

Glaubt ihr nicht? Nun denn, ich stierte gefühlt eine Minute auf das äußerst bekannte, wissenschaftlich ausgedrückt „tradierte“, Zeichen für Damentoilette und war mir nicht sicher, ob ich da richtig bin. In der Toilette überkamen mich dann Zweifel, wann wohl der beste Moment wäre, die Hose runter zu lassen. Und dazu trällerte irgendwas in meinem Kopf diese dämliche, eingangs erwähnte Schlagerzeile.

Das blieb so für die nächsten 3-4 Stunden. Also das mit der Musik im Kopf. Alle anderen lebenswichtigen Funktionen kehrten nach und nach zurück. Ich fuhr trotzdem die paar Kilometer mit Navi nach Hause und stoppte zwischendurch nur am Dönerstand – und hoffentlich an allen roten Ampeln.

„Wir bitten Sie, in dieser Zeit von Fragen zum Bearbeitungsstand abzusehen.“

Das würde ich jetzt schreiben, wäre ich auf Arbeit. Denn jetzt heißt es 6-8 Wochen warten bis da mal ein Ergebnis kommt. Erfahrungsgemäß also dann, wenn man sich längst auf Neues gestürzt hat und plötzlich denkt: Da war doch noch was. Bei mir ist das Neue das Modul L3 und es geht wohl um Literatur im 18. Jahrhundert. Da dann besonders um Kriminalliteratur, Biographien und Konzepte wie Kindheit und Jugend.

Aber so genau weiß ich das erst, wenn ich die Studienbriefe vor mir habe. Und meine Hirnzellen wieder vollzählig beisammen.

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