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Rettungsgasse – nicht jedermanns Sache

Am Wochenende waren wir bei meinen Eltern im Harz. Dank diverser Baustellen rechnete ich bereits mit einigen Staus. Womit ich nicht gerechnet hatte, war die ausufernde Dummheit mancher Leute. Speziell in Sachen Rettungsgasse hört man da ja so einiges. Aber man glaubt es erst, wenn man es sieht.

Freitagnachmittag, 17:30 Uhr irgendwo auf der B6n. Ich bin mit bequemen 130 Sachen unterwegs, die Kids sind in ihre Comics vertieft und wir liegen gut in der Zeit. Dann sehe ich Polizei an einer Auffahrt und ganz weit vorn gelbe Rundumleuchten.

Die Rundumleuchten gehören zu schweren Bergungsfahrzeugen. Gleich drei von den orangen Riesen fahren in Kolonne auf der rechten Spur, sind also schnell überholt. Weit komme ich trotzdem nicht, denn schon bald ist das Ende eines Staus in Sicht.

Also Warnblinker an und langsam ranrollen lassen. Ich bin auf der rechten Spur, also fahre ich weiter nach rechts. Zwecks Rettungsgasse, versteht sich.

Zum Glück bin ich nicht zu weit nach recht rüber gefahren, denn da saust ein weißer Passat auf der Standspur an uns vorbei. Keine Ahnung, wo der hin will, denn es gibt weder eine Abfahrt noch ein Parkplatz auf die nächsten 5 Kilometer.

Und das mit der Rettungsgasse versteht sich offensichtlich doch nicht so leicht. Für den Fahrer eines Porsche-Cabrios heißt das wohl eher: Yeah, eine dritte Spur ganz für mich allein.

Keine fünf Autos vor uns kommt er zum Stehen, denn ein LKW ist nicht weit genug rechts. Und als die schweren Bergungsfahrzeuge kommen, müssen selbst wir noch ganz auf den Standstreifen fahren, damit diese Platz haben.

Das schaffen weder LKW noch Porsche auf Anhieb. Und so dauert es eine Weile, bis sich alle Autos und LKWs soweit zur Seite gebastelt haben, dass die orangen Kolosse durchkommen.

Irgendwann kommen wir schließlich wieder voran und am Unfallort vorbei. Es sieht schlimm aus. Ein kleiner VW steht am Straßenrand, die komplette linke Seite ist offen, links hinten alles eingedrückt. Ein paar Meter weiter liegt ein LKW im Graben, auf die Seite gekippt und mit der Getreideladung daneben.

Später lese ich in der Zeitung, was da passiert ist. Ein zweijähriges Kind hat sich eigenhändig abgeschnallt. Als die Mutter auf dem Standstreifen hält, um es wieder anzuschnallen, kracht der LKW ins Auto. Dem Kind ist nichts passiert. Mutter und Lkw-Fahrer sind schwer verletzt.

Ich bin froh, dass die Menschen schon versorgt waren. Und zweifle, dass es den Standspur-Piloten und schon gar nicht den Porschefahrer beeindruckt hätte. Wofür da Platz gemacht wird, ist denen ja egal. Solange sie durch kommen.

Dabei wären sie wohl die ersten, die den halben Stau verklagen würden, wäre einer der ihren betroffen. Also auf schnelle medizinische Hilfe und dementsprechend auf eine Rettungsgasse angewiesen.

Ich hoffe, sie lernen es irgendwann auch ohne Ernstfall. Und an euch meine Bitte: Leute, egal warum es sich staut – fahrt zur Seite, bildet diese Rettungsgasse, lasst den Standstreifen Standstreifen sein. Und seid froh, dass ihr nicht betroffen seid.

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