Meine Gründe für eine Flucht aus Deutschland

Der Flüchtlingsstrom in Richtung Europa reißt nicht ab. Im Gegenteil – es werden immer mehr Menschen, die sich auf die lange, gefährliche Reise in ein unbekanntes, aber sicheres Land machen. Viele kommen nach Deutschland und sind hier mehr oder weniger willkommen. Für die meisten ist das abhängig davon, ob der Fremde da  gute Gründe für eine Flucht hat. Aber mit diesen Gründen ist das so eine Sache.

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©Rike/ pixelio.de

Offenbar gibt es drei Arten von Flüchtlingen. Zum einen der allseits anerkannte Kriegsflüchtling, den man irgendwie vor Tod und Verderben retten muss. Politisch Verfolgte kann man da ganz locker mitrechnen. Dann der gemeine Wirtschaftsflüchtling, wobei das „gemein“ davor durchaus wörtlich zu nehmen ist. Schließlich nimmt er uns wahlweise Sozialleistungen und/oder die Arbeit weg, weshalb er nicht so gern gesehen ist. Und dann ist da noch der religiöse Extremist, der sich nur als Flüchtling tarnt. Der muss natürlich sofort wieder raus aus Deutschland.

Aber was ist mit den anderen beiden „Arten“ von Flüchtlingen?

Um diese Frage zu beantworten, drehe ich den Spieß einfach mal um: Wann und warum würde und werde ich aus Deutschland fliehen?

Wenn mein Sohn in absehbarer Zeit zum Wehrdienst einberufen wird. Zum Beispiel, um weit außerhalb unserer Grenzen unsere Sicherheit zu verteidigen. Also irgendwo in Afrika oder im Nahen Osten Soldat sein soll, um für oder gegen andere zu kämpfen. Das gleiche gilt für die Verteidigung unseres Landes, sollte ein Krieg hierher kommen. Ich habe ihn nicht dazu erzogen, Konflikte mit Worten zu lösen, um ihn dann mit einem Gewehr in der Hand loszuschicken. Und ihn deswegen vielleicht nicht wieder zu sehen. Nie wieder.

Wenn meine Tochter wegen ihrer sozialen Ader angegriffen, schikaniert, bedroht wird. Sie ist ein normales Kind, dass am liebsten alles Schöne auf der Welt für sich haben würde. Aber sie hat einen so ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, dass sie sich um andere Menschen, denen es nicht so gut geht, sehr viele Sorgen macht. Und mit ihnen mitleidet, sie schützen und umsorgen will. So wie sie das auch gern mal mit Fliegen, Mäusen und selbst Spinnen macht, vor denen sie sich eigentlich ekelt.

Wenn ich damit rechnen muss, für meine Meinung angefeindet, bedroht oder gar eingesperrt zu werden. Ob es nun um die Stellung der Frau in unserer Gesellschaft, Netzpolitik, Umgang mit Flüchtlingen oder auch nur Kindererziehung geht – in diesem Blog kann man sehr viel über meine Haltung zu verschiedenen Themen erfahren. Das muss nicht jedem passen, aber meiner Meinung nach bewegt sich alles in einem akzeptablen Bereich. Zumindest für ein demokratisches Land. Aber das kann sich ja ändern.

Wenn wir uns diese Gründe für eine Flucht mal anschauen, sind sie gar nicht so realitätsfern. Die politischen Konflikte unserer Welt sind so zahlreich, dass ein Krieg für Deutschland in absehbarer Zeit kein Utopie darstellt. Sieht man Pegida durch deutsche Straßen trampeln, ist es nicht mehr weit hin, bis ein pro Ausländer zu einer gefährlichen Einstellung werden kann. Und auch für mich mit diesem Blog und dem Hang des Staates zur Überwachung, kann die Luft schnell dünn werden.

Und dann werde ich also zum Flüchtling. Aber wer nimmt mich auf?

Zu meinem Glück habe ich es nicht so mit der Religion. Deshalb wird man mich nicht als religiösen Extremisten bezeichnen können. Wenn ich mir ein Land aussuche, dem es besser geht als Deutschland, bin ich wohl ein Wirtschaftsflüchtling. Wobei solche Länder gerade schwer zu finden sind, da es Deutschland ja gut geht. Um als politisch Verfolgte aus einem Krisengebiet zu stammen, müsste in Deutschland ganz offen überwacht, drangsaliert und bekriegt werden. Aber Deutschland gilt als sicheres Land.

Und daran würde auch eine Kriegsbeteiligung Deutschlands nichts ändern. Denn Deutschland ist stark, demokratisch und beliebt. Ein Einwanderungsland. Blöd nur, wenn es trotzdem Gründe gibt, warum man hier nicht länger leben kann. Weil die offensichtlichen Gegebenheiten, die man aus Statistiken kennt, mit dem Innenleben eines Staates nichts zu tun haben müssen. Wenn man trotz Status als „aus einem sicheren Land“ sich gar nicht als sicherer Bürger eines behütenden Staates sieht.

Also wohin würde ich gehen und bleiben dürfen, so als deutscher Flüchtling?


Blogger für Flüchtlinge

Blogger für Flüchtlinge

Dieser Beitrag ist mein zweiter zur Initiative „Blogger für Flüchtlinge“. Bei meinem ersten Artikel zum Thema gib es um den Neid auf Flüchtlinge.
Auf Twitter und bei Facebook sowie auch überall sonst im Netz findet ihr Beiträge und Aktionen dazu unter dem Hashtag #bloggerfuerfluechtlinge .

2 Kommentare

  1. Avatar
    Andrea Sander

    Hallo Tulpentopf, du brauchst keine Angst zu haben, wegen Deiner Meinung angefeindet und bedroht zu werden. Das sollten wir nur mit Leuten machen, die anderer Meinung sind bzw. diese dann auch noch öffentlich sagen. Also, keine Sorge, solange du dich anpasst 🙂

    • Avatar

      Wieso möchtest du Leute bedrohen, die nich der gleichen Meinung sind? Haben wir keine Demokratie und Meinungsfreiheit ?

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