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Film: „The Gift“ von und mit Joel Edgerton

„The Gift“ ist ein vielschichtiger Film über Stalking, Manipulation und Gewalt in Beziehungen. Nur auf den ersten Blick gehen alle diese Dinge von einer Person aus. Es ist erschreckend, wie schnell man zum Opfer werden kann. Aber bald schon wird klar, dass man genauso schnell in die Rolle des Täters gerät. Auch wenn man sich selbst für einen guten Menschen hält.

©Stephanie Hofschlaeger/ <a title="pixelio.de" href="http://www.pixelio.de/media/338581" target="_blank">pixelio.de</a>
©Stephanie Hofschlaeger/ pixelio.de

Zum Inhalt:
Simon (Jason Bateman) und Robyn (Rebecca Hall) wollen in Los Angeles noch einmal von vorn beginnen. Während es für Simon eine Rückkehr in die alte Heimat ist, ist für Robyn alles neu. Zudem muss sie eine Fehlgeburt verarbeiten und sich vor Ort erst wieder ins Arbeitsleben einfinden. Auch deshalb freut sie sich, als sie Gordo (Joel Edgerton), einem alten Schulkameraden von Simon begegnen.

Zumal Gordo großes Interesse an einer Freundschaft zu den beiden hat. Er überhäuft sie mit aufmerksam ausgewählten Geschenken, was den beiden mehr und mehr unangenehm wird. Denn Gordo taucht immer dann auf, wenn sie nicht damit rechnen. Dabei bleibt er aber stets freundlich und zurückhaltend, so dass sie ihn nicht einfach zurückweisen können.

Irgendwann wird es Simon dann aber doch zu bunt. Er macht Gordo deutlich klar, dass sie keinen Kontakt mehr zu ihm haben wollen. Doch das hat ungeahnte Folgen: Plötzlich ist der Hund weg, die gerade geschenkten Kois vergiftet und Robyn fühlt sich beobachtet und verfolgt.

Als der Hund wieder auftaucht, erhalten sie eine seltsame Botschaft von Gordo. Er akzeptiere den Wunsch nach Abstand, wolle nur Gutes und wäre bereit, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Was da in der Vergangenheit passiert ist, will Simon seiner Frau allerdings nicht sagen. Doch Robyn stellt eigene Nachforschungen an und muss feststellen, dass ihr Mann Schlimmes getan hat und offenbar immer noch tut.

Meine Meinung:
Es hat ganze fünf Minuten gedauert bis ich bei „The Gift“ zum ersten Mal zusammengezuckt bin. In diesem Fall war das noch grundlos, aber das bleibt nicht so. Denn der Film bietet einiges an Schreckmomenten. Dazwischen kann man dem Ehepaar zusehen, wie sie nicht in der Lage sind, sich freundlich aber bestimmt von Gordo zu distanzieren. Dabei entstehen einige langatmige Szenen, die aber nötig sind.

Nötig, weil so auch der Zuschauer sich in Sicherheit wiegt. Genau bis zu dem Moment, wo man denkt: ‚Nun könnte mal wieder etwas passieren!‘ Und dann macht es im wahrsten Sinne des Wortes ‚Bähm‘ oder es bahnt sich etwas subtil Gruseliges an. So richtig weiß man also während des ganzen Films nicht, woran man gerade ist. Und das ist gut so.

Gordo wird von Joel Edgerton überzeugend gespielt. Etwas unbeholfen drängt er sich dem Ehepaar auf, die eben darum nicht so recht Nein sagen können. Er wirkt harmlos und ein bisschen verstört, aber kaum gefährlich. Was brillant gespielt wird. Jason Bateman verkörpert den oberflächlich liebenden Ehemann Simon ebenso glaubwürdig. Mit der Zeit wird aber klar, was für ein manipulativer Macho er ist.

Auch Rebecca Hall glänzt in ihrer Rolle als Robyn. Die erfolgreiche und starke Frau wird von ihrem Mann klein gehalten. Man sieht ihr den Kampf an, den sie auch mit sich auszufechten hat: Harmonie oder die eigenen Interessen durchsetzen? Dabei weiß ihr Mann genau, wo er ansetzen muss, damit sie die Fehler bei sich selbst sucht. Psychische Gewalt per Excellence. Und doch versteht man gut, warum sie bei ihm bleibt.

Bei einem Thriller wie diesem kommt es jedoch nicht nur auf schauspielerische Leistung an. Bildkompositionen und die richtige musikalische Untermalung sorgen für Spannungsaufbau, auch wenn gar nichts passiert. Oder eben, weil gar nichts passiert. Auch das ist hier durchweg gelungen. Wie zum Glück auch die Synchronisation: Die Stimmen wurden sorgfältig ausgewählt und sauber abgemischt.

Mein Fazit:
Einen aufdringlichen, übergriffigen Freund abzuwehren, ist nicht einfach. Vor allem, wenn dieser dabei immer freundlich und zuvorkommend ist. Wenn die netten Geschenke dann auf Stalking hinweisen, wird es gruselig. Aber an dieser Stelle macht „The Gift“ noch lange nicht Schluss, sondern legt erst richtig los. Psychische Manipulation in der Beziehung, die Verarbeitung von Fehlgeburt und Tablettensucht und dann auch noch offene Gewalt. All dies an der Basis unseres Lebens: Im eigenen Zuhause. Das ist heftiger Stoff, der in „The Gift“ authentisch umgesetzt wurde. Beste Unterhaltung!

Triggerwarnung:
Der Film ist wirklich gut gemacht – für manche vielleicht zu gut. Opfer von Stalking, Manipulation und vor allem psychischer Gewalt könnten hierdurch allerdings sehr getriggert werden.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung
Synchronisation
Musik

Richtig gut

In diesem Film macht fast alles Sinn. Sogar die Szenen, die auf den ersten Blick als Lückenfüller zu dienen scheinen. Denn sie bahnen an, was kommt. Und das hat es in sich: Stalking, psychische Gewalt, Manipulation. Zu allem übel kann sich niemand sicher sein, wer gerade die Zügel in der Hand hat. Und wer gut oder vielleicht doch böse ist. Schauspielerische Leistung, Bildsprache, Musik und Synchronisation passen auch. Wirklich gute Unterhaltung!

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