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Film: „Sicario“ mit Benicio del Toro und Emily Blunt

Sicario bedeutet Auftragskiller. Davon gibt es an der amerikanisch-mexikanischen Grenze mehr als genug, denn sie sorgen dafür, dass den Drogenbossen der nötige Respekt gezollt wird. Aber auch die amerikanische Regierung nutzt eben so Auftragskiller. Für einen idealistischen Menschen ist das ein Ding der Unmöglichkeit. Für alle anderen offensichtlich Praxis, die Wirkung zeigt.

©Rainer Gräser / <a href="http://www.pixelio.de/media/98200" target="_blank">pixelio.de</a>
©Rainer Gräser / pixelio.de

Inhalt:
Kate Macer (Emily Blunt) ist FBI-Agentin in Tuscon, Arizona. Die Arbeit frustriert sie, denn sie scheint mit ihrem Kampf gegen das Böse nicht einmal an der Oberfläche zu kratzen. Dann bekommt sie die Möglichkeit, in einem Team mitzuarbeiten, dass Jagd auf die Hintermänner macht. Natürlich sagt sie zu.

Doch ihre neuen Teammitglieder verbannen sie in die Rolle der Zuschauerin. Informationen über Ziele, Vorgehensweisen und ihre Aufgaben bekommt sie nur häppchenweise oder gar nicht. Kein Wunder, dass die junge, idealistische Kate ausflippt, als sie mitbekommt, wer da in ihrem Team mitarbeitet.

Der schweigsame Alejandro (Benicio del Toro) ist nicht einfach nur Spezialist im Kampf gegen die Drogenmafia. Er ist ein Sicario, ein Auftragskiller. Oder eben Söldner. Er arbeitet für den, der ihn bezahlt, scheinbar ohne nach dem Sinn oder den Folgen zu fragen. Bei allen Aufträgen hat er dabei auch das eigene Ziel vor Augen: Den Tod von Frau und Tochter rächen.

In den Augen des Teamleiters Matt (Josh Brolin) ist das ein kalkulierbares Risiko. Und der Zweck heiligt nach Meinung dieses ausgewachsenen Chauvinisten eh alle Mittel. Macer soll vor allem zuschauen und lernen. Aber mit dieser Rolle will sie sich nicht zufrieden geben, was ihr allerdings nicht nur Ärger einbringt, sondern sogar lebensgefährlich für sie wird.

Meine Meinung:
Wer in „Sicario“ auf pralle Actionszenen hofft, wird herb enttäuscht. Gruselig wird es auch nicht. Aber dafür ziemlich brutal. Also in der Spannweite blutig umgestaltetes Gesicht bis hin zu kopflos und nackt an den Füßen aufgehängte Leichen. Letzteres allerdings nicht in Nahaufnahme. Solche Totalen sind auch nicht nötig.

Denn es geht um den Gesamteindruck, den man von der Härte des Drogengeschäfts bekommen soll. Das gelingt auch recht gut, wenn man Armut in dieser Riesenstadt an der amerikanischen Grenze auf sich wirken lässt. Auch die Vorgehensweise des Sicario und das komplizierte Geflecht aus Beziehungen und Gefälligkeiten sind eindrucksvoll.

Für die Rolle als Auftragskiller ist Benicio de Toro hier exzellent besetzt. Er muss Ruhe und Überlegenheit ausstrahlen, ein Pokerface aufsetzen und meistens schweigen. Das schafft er ganz prima, ohne groß eine Miene zu verziehen. Auch Josh Brolin als Teamleiter Matt kommt in seinem machomäßigen Auftreten ziemlich authentisch rüber.

Jede halbwegs selbstbewusste Frau muss bei diesem Gespann irgendwann austicken. Was Kate Macer alias Emily Blunt ja auch tut. Bis dahin und auch danach redet auch sie nicht viel und schaut ansonsten wahlweise empört oder wie ein junges Reh aus der Wäsche.

Aber genau das ist ja auch die ihr zugedachte Rolle: Das Schäfchen unter Wölfen. Sie und Kollege Reggie alias Daniel Kaluuya sind nur Statisten, die die Mission begleiten, um sie später gesetzlich zu legitimieren. Denn bei dem was Matt und Alejandro treiben muss das FBI zustimmen. Ansonsten stören sie nur bei der Arbeit und bekommen das zu spüren.

Musik und Szenenbild sind beide richtig gut. Kamerafahrten über das weite Nichts an der Grenze zwischen Mexiko und USA, die riesige Grenzstadt im Überblick und deren Brutalität im Detail und nicht zuletzt auch die nie völlig legale Vorgehensweise der Spezialeinheit, die schon in Andeutungen mehr als genug ausdrückt. Dazu Töne die minimalistisch für entsprechende Stimmung sorgen. Cool.

Mein Fazit:
„Sicario“ ist alles andere als ein Actionknaller. Es geht mehr um die Brutalität des Drogengeschäfts und dessen zum Teil unkonventionelle Bekämpfung. Das lässt sich nicht mit Idealismus vereinbaren. So wie die Rolle, die Emily Blunt hier spielt, sich nicht mit Feminismus vereinbaren lässt. Aber im Laufe des Films begreift man sehr wohl, warum ausgerechnet eine Frau und ein Schwarzer hier die dummen Statisten spielen müssen. Sehenswert ist der Film vielleicht gerade deswegen.

Bewertung

Geschichte
Umsetzung/Regie
Schauspielerische Leistung
Synchronisation

Harte Kost

Wer Action und Spezialeffekte erwartet wird enttäuscht. Wer unkonventionelle Verbrechensbekämpfung sehen und einen Blick auf Verhältnisse an der amerikanisch-mexikanischen Grenze werfen will, ist dafür im richtigen Film. Allein schon wegen der Leistung der Schauspieler.

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